2017: "Selfie" kommt in den Duden

So ein Wort hat es auch nicht leicht. Jedenfalls dann nicht, wenn sein Ziel die Aufnahme in das wichtigste Nachschlagewerk der deutschen Sprache ist.

Drei Jahre braucht das Wort Selfie, um den Sprung aus der Datenbank des Dudenverlages, über das Duden-Fremdwörterbuch in das Duden-Standardwörterbuch zu schaffen. 2017 ist es für das mit Handy oder Tablet aufgenommene Selbstporträt endlich soweit.

Selfie ist "schon tief verwurzelt in unserem Wortschatz" Damit ein Wort aufgenommen wird, muss es möglichst häufig benutzt werden - am besten in Zeitungen, Büchern oder dem Internet. Denn aus diesen Quellen speist sich das "Dudenkorpus", ein riesiger Datenspeicher, in dem zahllose Texte aus den Medien gesammelt, digitalisiert und verbreitet werden. "Im Dudencorpus befinden sich derzeit rund 5,8 Milliarden Wortformen, die regelmäßig daraufhin geprüft werden, wie verbreitet sie sind ist und wie häufig und dauerhaft sie vorkommen", sagt Laura Neuhaus von der Dudenredaktion. Auf Basis dieser Daten trifft die Redaktion die Entscheidung über eine Aufnahme. Anschließend wird ein Wörterbucheintrag gestaltet, der je nach Werk im Umfang variiert. Neben der Rechtschreibung mit richtiger Worttrennung (Sel-fie) können unter anderem die Bedeutung ("mit der Digitalkamera (des Smartphones oder Tablets) meist spontan aufgenommenes Selbstporträt einer oder mehrerer Personen") sowie Informationen zum Genitiv (des Selfies) und Plural (die Selfies) dazugehören. Bemerkenswert: "Das Selfie findet sich auch im Grundschulwörterbuch. Das zeigt, wie tief verwurzelt das Selfie in unserem Wortschatz schon ist", sagt Laura Neuhaus. Erstmals schriftlich verwendet wurde das Selfie 2002 in einem australischen Internetforum. Mittlerweile gibt es sogar einen "Internationalen Tag des Selfies", der in diesem Jahr am 22. Juni stattfand. Passend dazu veröffentlichte der Digitalverband Bitkom eine Umfrage, nach der 79 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer von Smartphones Selfies machen.

Doch zurück zum Duden. Weil zumindest in dessen gedruckten Versionen der Platz begrenzt ist, fallen bei jeder Neuauflage auch ein paar Wörter aus dem markanten gelben Nachschlagewerk heraus. In der aktuellen 28. Auflage, die im August 2020 erschien, wurden 300 veraltete Wörter wie zum Beispiel die Kammerjungfer gestrichen. 3000 neue Wörter kamen dazu. Mit 148.000 Stichwörtern handelt es sich um die bisher umfangreichste Ausgabe. Zum Vergleich: Als am 7. Juli 1880 in Leipzig die erste Ausgabe des Dudens unter dem Titel "Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache" erschien, kam Konrad Duden noch mit 27.000 Stichwörtern aus.

Zahlen rund ums Selfie Bitkom Research hat im Auftrag des Digitalverbandes Bitkom von April bis Mai 2021 eine Umfrage durchgeführt. Dabei wurden 1004 Personen in Deutschland ab 16 Jahren telefonisch befragt. Das sind die wichtigsten Ergebnisse: 79 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer von Smartphones machen Selfies. Vor allem zur Erinnerung werden solche Selbstporträts aufgenommen (74 Prozent).

Drei von fünf derjenigen, die Selfies machen (63 Prozent), schicken die Bilder per Messenger an ihren Freundeskreis und Bekannte. Über die Hälfte (52 Prozent) teilt sie in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram.

Selfies haben Anhängerinnen und Anhänger in jeder Altersgruppe: Drei Viertel (75 Prozent) der 16- bis 29-Jährigen machen mindestens einmal pro Woche ein Foto von sich. Mehr als ein Viertel (28 Prozent) davon sogar täglich. Damit sind sie am aktivsten bei der Aufnahme von Selbstporträts. Zwei Drittel (67 Prozent) der Menschen im Alter zwischen 30 und 49 Jahren greifen dafür mindestens einmal pro Woche zur Smartphone-Kamera sowie jeweils drei von fünf der 50- bis 64-Jährigen (61 Prozent) und über 64-Jährigen (63 Prozent).

21 Prozent derer, die Selfies in sozialen Netzwerken oder Messengern teilen, verschicken diese täglich. Auch hier sind die 16- bis 29-Jährigen am aktivsten mit 34 Prozent. Nur vier Prozent der Menschen ab 65 Jahren teilen ihre Selfies mindestens einmal pro Tag. Insgesamt landen Selbstporträts überwiegend auf wöchentlicher Basis (44 Prozent) in Messenger-Chats oder auf Social Media.

52 Prozent der Befragten mit Smartphone geben bei der Umfrage an, ihre Selfies im Nachhinein zu bearbeiten. Dabei setzen Frauen eher auf Natürlichkeit als Männer: Knapp die Hälfte der Frauen (49 Prozent) behält ihre Bilder im Ursprungszustand, Männer zu 43 Prozent. (cw)

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