Chemnitz: Das große Aufräumen nach der Flut

Hochwassergeschädigte können Möbel abfahren lassen - 400 Polizisten helfen in anderen Notgebieten

Chemnitz. In Chemnitz hat am 14. August das große Aufräumen nach dem Hochwasser begonnen. Eine genaue Schadensbilanz kann die Stadtverwaltung erst am 16. August ziehen, aber angesichts der Zustände an der Elbe und der Mulde, ist schon jetzt sicher, dass es in der Stadt hätte noch schlimmer kommen können. Trotzdem hatten Feuerwehr, Stadtwerke und Entsorgungsbetrieb alle Hände voll zu tun.

Die Feuerwehr musste am 14. August 120 vollgelaufene Keller auspumpen. Nachdem am Abend des 13. August zeitweise noch über 4000 Haushalte ohne Strom waren, konnten die meisten in der Nacht zum 14. August wieder ans Netz geschaltet werden. Bis auf zehn Kunden waren bis ges-tern Abend auch alle betroffenen Haushalte wieder an die Wärmeversorgung angeschlossen. Noch am Vormittag blieben die Heizungen in 600 Haushalten kalt. Die Trinkwasserversorgung in Chemnitz war jedoch zu keiner Zeit beeinträchtigt.

Der Entsorgungsbetrieb war am 14. August pausenlos im Einsatz, um verschlammte Straßen zu reinigen. Ab 15. August soll an den Ufern angeschwemmtes Treibgut weggeräumt werden. Bürger, deren Kellereinrichtungen oder Möbel durch das Hochwasser unbrauchbar geworden sind, oder auf deren Grundstücken Treibgut angeschwemmt wurde, können sich wegen der Entsorgung an den ESC wenden und einen Abholtermin vereinbaren.

Nachdem die Chemnitzer Schüler am 12. und 13. August aufgrund des Hochwassers schulfrei hatten, läuft der Schulbetrieb in der Stadt ab 15. August wieder regulär. Einzige Ausnahme bildet die Grund- und Mittelschule Harthau.

Schlimmer als befürchtet ist die Situation im 1. Chemnitzer Kabarett im Keller der Markthalle. "Wir müssen uns wahrscheinlich neue Büroräume suchen", so Silke Koppe. Im Zuschauerraum seien zum Glück nur wenige Reihen betroffen. Nach wie vor aber gilt die Parole: "Wir spielen jeden Tag in der Schönherr-Kulturfabrik und freuen uns über alle, die uns dort den Rücken stärken. Beginn immer um 21 Uhr".

Völlig unter Wasser stand auch der Innenhof des Wasserschlosses Klaffenbach - innerhalb von zwei Stunden war alles vollgelaufen. Folge: Bis zum 16. August um 10 Uhr bleibt das gesamte Areal geschlossen. Besonders betroffen ist das Sächsische Fahrzeugmuseum. "1,10 Meter stand das Nass im Erdgeschoss unseres Museums", beschreibt Mitarbeiterin Regine Reichel die Situation. "Viele der Maschinen sind angegriffen, die Motoren vollgelaufen, so dass wir die Leihgeber bitten mussten, die Fahrzeuge erst mal zur Reparatur zurückzunehmen. "Am Samstag wollen wir unser Museum wieder für unsere Besucher öffnen", so Regine Reichel.

Überhaupt war Klaffenbach einer der Stadtteile, die von den Fluten am meisten in Mitleidenschaft gezogen wurden. Neben dem Wasserschloss hätten auch das Birkencenter und die Firma Baufeld Schäden gemeldet, so Ortsvorsteher Armin Donner. "75 Familien und Gewerbetreibende sind vom Hochwasser betroffen", so Donner. Neben der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr seien auch Blauröcke der Berufsfeuerwehr und aus Mittelbach im Einsatz gewesen.

Ortsvorsteher Peter Ulbrich aus Einsiedel war dagegen auch am 14. August im Rathaus noch nicht zu errreichen: Stromausfall, dafür Wasser im Keller. Über Schadenszahlen konnte er noch keine Auskunft geben, aber "etliche Häuser aus dem 19. Jahrhundert wurden arg beschädigt", so Ulbrich. 30 Feuerwehrleute seien zudem im Einsatz gewesen.

In ganz anderem Einsatz waren die Mitarbeiter des Agrarunternehmens Kleinolbersdorf eG. Sie mussten etwa 70 Kühe den Hang hinauftreiben, damit kein Tier bei den Überschwemmungen zu Schaden kam. Doch das ist nur die eine Seite: In Sachen Getreide schätzte der Geschäftsführer Günter Sieber, dass es wegen der miserablen Witterung bis zu Totalverlusten kommt. Eigentlich sei das Getreide schon lange reif, aber es könne noch nicht geerntet werden, weil es zu feucht sei. "Das Korn fängt schon an zu keimen."

Mit 400 Polizisten einschließlich der Auszubildenden unterstützt derzeit die Chemnitzer Bereitschaftspolizei die Einsatzkräfte im Landkreis Freiberg, in Pockau, Dippoldiswalde und in Heidenau. Wie Reinhard Rädler vom Einsatzstab erklärte, helfen die Chemnitzer bei der Evakuierung und sichern Straßen sowie einsturzgefährdete Objekte. 35 Beamte sicherten noch die Aufräumarbeiten in Chemnitz ab. (ULI/ER/JOE/reh)

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