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Für TV-Dreharbeiten fuhr im September ein historischer Ikarus-Bus im ganz normalen Linienverkehr. Für die "Freie Presse" lichtete Fotograf Toni Söll den Bus unter anderem an der Haltestelle an der Hartmann-Straße ab.

Foto: Toni SöllBild 1 / 2

Die Bus-Story

Als im September ein historischer Ikarus im Linienverkehr eingesetzt wurde, staunten nicht nur die Mitfahrer. Auch in der "Freien Presse" und bei freiepresse.de sorgte diese Geschichte für Aufmerksamkeit.

erschienen am 28.12.2016

Es war die Geschichte des Jahres: Ein knallig orangefarbener Ikarus-Bus sorgte am 19. September in Chemnitz für Aufsehen. Einen Tag später standen die Hintergründe dazu in der Zeitung. Die Resonanz auf den Artikel war riesig - auch im Internet.

Was war passiert? Statt eines der üblichen Niederflurfahrzeuge der CVAG pendelte zwischen Borna und Ebersdorf zum ersten Mal seit mehr als 15 Jahren wieder ein Ikarus-Bus. Das Fahrzeug, in der gelb-orangen Farbgebung des VEB Nahverkehr Karl-Marx-Stadt gehalten, war vor allem den Älteren noch aus DDR-Zeiten vertraut. Grund für den Einsatz des Busses war ein TV-Magazin des Mitteldeutschen Rundfunks. Die Redakteure der Sendung bereiteten einen Fernsehbeitrag über die Geschichte der Ikarus-Busse vor, die bis in die 1990er-Jahre hinein das Straßenbild in vielen ostdeutschen Städten prägten. "Nur in Chemnitz war es möglich, einen solchen Bus noch einmal im Linienbetrieb einzusetzen", sagt Michael Scheppe, der verantwortliche Autor.

Auch die "Freie Presse" klemmte sich hinter die Geschichte. Für Fotograf Toni Söll wurde die Reportage zum besonderen Einsatz. "Ich war beauftragt worden, mehrere Aufnahmen von der Fahrt in den Kasten zu bekommen", sagte er. Also fuhr er zunächst zum Startpunkt der Busfahrt ins Chemnitz-Center. "Dort bemerkte ich schon die einzigartige Atmosphäre dieses Termins." Denn der Bus war für die TV-Aufnahmen ohne Ankündigung im normalen Linienverkehr eingesetzt worden. Was bitte ist das denn jetzt? Das gibt's doch nicht! Will uns da jemand zum Narren halten? "So in etwa waren die Reaktionen vieler Fahrgäste, als an der Haltestelle statt eines modernen Busses plötzlich der alte Ikarus hielt", erinnerte sich Toni Söll. Er beobachtete die Resonanz der Menschen durch die Linse. Viel Zeit dazu blieb ihm allerdings nicht. "Wir wollten die Tour des Busses durch die Stadt festhalten", so Söll. "Deshalb sprang ich schnell in meinem Auto, um dem Ikarus zuvorzukommen und ihn an der nächstbesten Haltestelle ablichten zu können." Söll drückte also auf die Tube, fuhr die Leipziger Straße Richtung Innenstadt und postierte sich an der Ermafa-Passage. Dort stand er gerade rechtzeitig, um den Ikarus-Halt an der Hartmannstraße einzufangen. "Ich fühlte mich selbst in die Vergangenheit versetzt, als der Gelenkbus dann um die Ecke bog", erklärte Söll. "Schließlich bin ich früher selbst oft mit dieser Art Bus gefahren."

Genau wie Söll erinnerten sich auch viele Mitfahrer an die Zeiten, als der Ikarus noch zum Stadtbild gehörte. "20 Cent kam damals ein Ticket, erinnerte sich eine ältere Chemnitzerin während der Fahrt. "Ach nein, Pfennig waren das ja noch."

Für die jungen Berufsschülerinnen, die ein paar Sitzreihen weiter hinten saßen, eine gänzlich fremde Welt. Die jungen Damen kamen 1999 zur Welt - just in dem Jahr, in dem die letzten Ikarus-Busse der CVAG aus dem Linienbetrieb ausschieden. "Ein Glück, dass ich den Bus zuvor verpasst habe", freute sich Isabell Gerler über die auch für sie außergewöhnlichste Busfahrt des Jahres 2016, und schoss sogleich ein paar Fotos mit ihrem Handy. Andere, augenscheinlich noch Jüngere, ließen schon beim Betreten des Busses ihrer Überwältigung freien Lauf. Das klang dann so: "Ey Alter, voll Oldschool, das Teil!"

So richtig zog die Geschichte über den Bus jedoch im Internet die Aufmerksamkeit auf sich. Die von "Freie Presse" veröffentlichten Fotos und Texte über die Nostalgie-Tour wurden online zigtausendfach gelesen und im sozialen Netzwerk Facebook mehrere hundert Mal kommentiert - zum weitaus überwiegenden Teil positiv. "Ja wie geil ist das denn!!!! Das ist ja mal eine gute und schöne Nachricht", postete beispielsweise ein Facebook-Nutzer. "Da kommen Erinnerungen hoch. Tolle Idee", tippte eine Kommentatorin in ihre Tastatur. Ein anderer freute sich: "Bin als Kind ständig mitgefahren, echt klasse, sowas wieder sehen zu dürfen, echt super." Angesichts des Busses mit einer Drehscheibe über dem Gelenk zwischen Zugfahrzeug und Anhänger schrieb ein weiterer Facebook-Nutzer: "Toll, ein Schlenkie! In dem wollte ich immer in der Mitte stehen!" "Wie gerne stand ich als Kind in der Mitte....", bestätigte ein Anderer. Doch es gab auch weniger begeisterte Reaktionen: "30 Jahre alte Züge zwischen Chemnitz und Leipzig, Ikarus-Busse fahren wieder... Stadt der Moderne halt." Das war beispielsweise auch im Internet zu lesen. Ein anderer postete: "Alte Klapperkisten einsetzen, und dann wieder die Fahrpreise erhöhen ..." Zumindest für den ersten Teil dieser Befürchtungen bestand dem städtischen Nahverkehrsbetrieb CVAG zufolge allerdings kein Anlass. So erklärte Unternehmenssprecher Stefan Tschök in einem der weiteren Folgeartikel zur Ikarus-Geschichte in der "Freien Presse", die riesige Resonanz darauf habe ihn völlig überrascht, bleibe im Linienbus-Einsatz aber einmalig. Für Sonderfahrten seien dieser und ein zweiter Bus derselben Marke dagegen schon auf Monate im Voraus ausgebucht.

Der Artikel zeigte auch, wie aufmerksam die Leser die Geschichten in der Zeitung verfolgen. Und wie genau sie sich mit der Vergangenheit auskennen. Nachdem die Welle der Begeisterung über den Text Ende September allmählich etwas abgeebbte, meldete sich eine Dame in der Redaktion. Sie merkte an: Eine Busfahrkarte kostete in Karl-Marx-Stadt gar nicht 20 Pfennige, wie sich nach der Fahrt einer der Fahrgäste irrtümlich zu erinnern glaubte, sondern 25 Pfennige. Ausnahme: Für Buslinien, die stillgelegte Straßenbahnstrecken ersetzten, haben damals die niedrigeren Preise gegolten.

 
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