Görings Schatz gefunden - aber nicht hier

Goldsuche in Deutschneudorf erfolglos abgebrochen - Reichsgold-Experte: "Das war alles Humbug"

Deutschneudorf. Bohrstaub. Eine Wasserfontäne. Und ein Goldbarren aus Holz, den ein Witzbold im Baggerloch deponiert hatte. Das ist die Ausbeute einer weiteren Woche Schatzsuche am alten Bahnhof im Deutschneudorfer Ortsteil Deutschkatharinenberg (Mittlerer Erzgebirgskreis). 10.000 Euro hat Bürgermeister Heinz-Peter Haustein für die Suche auf dem Bahnhofsgelände ausgegeben - privates Geld, das meiste davon aus eigener Tasche.

In den nächsten Wochen sollen Geophysiker das Gelände nochmals vermessen. Melden sie, dass da ein Hohlraum sein muss, will Haustein am Bahnhof weitersuchen lassen. "Wenn nicht, war's das für diese Stelle", sagte er am Freitag. Immerhin: Die Leute, die er jetzt angeheuert hat, behaupten nicht, dass sie Kisten im Berg orten oder aus bunten Computerbilchen auf Gold schließen können. Sie suchen nach Bodenanomalien, die dann auf mögliche Hohlräume hinweisen. Was drin ist - wer weiß? Nach dem Fiasko in dieser Woche wäre schon eine Kiste mit rostigen Schaufeln ein Erfolg.

Der Münchner Publizist Karl Esser bezeichnete den Nazi-Schatz von Deutschneudorf am Freitag als Betrug. "Nichts von dem, was die Schatzsucher behauptet haben, kann stimmen." Da war zunächst der Goldbarren, den Hausteins Tippgeber Christian Hanisch schon vor einem Dreivierteljahr aus dem Berg geholt haben wollte. Mit eingeprägtem Reichsadler. Aber das Reichsgold wurde 1945 entdeckt. Später sprach Hanisch von Wertsachen aus Görings Besitz. Doch Görings Sammlung wurde ebenfalls gefunden.

Gold ohne Stempel und Beleg

Am Freitag präzisierte Hanisch nochmals: "Es geht um 1,9 Tonnen ungestempeltes Gold, das Göring und Himmler abgezweigt haben. Es war für die Refinanzierung der Wehrmacht nach dem Krieg gedacht."

Esser bezeichnet das als Humbug. Alles Gold, das die Nazis erbeutet oder gestohlen haben, sei an die Reichsbank weitergeleitet worden, selbst kleinste Mengen aus den Konzentrationslagern. Dafür gebe es sogar Eingangsbelege. "Es kann sein, dass einer mal einen Barren beiseite geschafft hat, aber keine zwei Tonnen." Esser hat den Verbleib des deutschen Goldes erforscht und eine wissenschaftliche Arbeit darüber verfasst. Mit Belegen, ohne Spekulationen. Das ist sein Problem. Wann immer ein Dokfilm über Nazigold entsteht, wird er als Experte kontaktiert - und dann negiert. Denn was er zu sagen hat, ist der Tod jeder Schatzgeschichte.

Auch Heinz-Peter Haustein will es nicht hören. "Niemand kann alles wissen", meinte er am Freitag, gab jedoch zu, dass er keinen Beweis für das Golddepot am alten Bahnhof hat. "Ich habe mich auf da Hanisch verlassen, ohne etwas zu überprüfen."

Der Mann aus Schleswig-Holstein aber gerät zunehmend ins Abseits. So kursieren mindestens vier Legenden über Hanischs persönlichen Hintergrund: Er sei ein ehemaliger Fremdenlegionär. Er arbeite im Landratsamt Dithmarschen (wo man ihn nicht kennt). Er sei Rettungsdienstler. Oder Frührentner. "Ich war beim Rettungsdienst, bin aber seit 2004 berufsunfähig", sagte Hanisch der "Freien Presse". "Derzeit mache ich eine Umschulung zum Verwaltungsfachangestellten."

Ralf Puschmann, Amateur-Schatzsucher aus Frankenberg (Kreis Mittweida) nennt den Holsteiner einen Blender. "Er legt keine Beweise vor, trägt kein Risiko, will bei einem Erfolg aber am Finderlohn beteiligt werden - so funktioniert Schatzsuche nicht. Man trägt Erfolg und Risiko gemeinsam oder lässt es bleiben."

"Irgendwo muss etwas sein"

Bezahlt wurde die Suche von Haustein. Hanisch hatte nur Fahrtkosten. "Wenn die neuen Messungen ergeben, dass ein Hohlraum da ist, werde ich einen Kredit aufnehmen und einen Teil der Kosten tragen", verteidigt sich Hanisch. Dass der Hohlraum mit dem Schatz existiert, davon sei er überzeugt: "Die Bohrerei diese Woche war Geldverschwendung. Wir hätten drei Meter tiefer baggern sollen, dann stünden wir nicht vor einem solchen Desaster."

Ob Hanisch und Haustein sich noch einmal zusammenraufen, ist ungewiss. Haustein hat die Goldsuche am alten Bahnhof und damit das "Kapitel Hanisch" so gut wie abgehakt. Bei den geplanten Messungen sollen vor allem fünf andere Stellen im Ort untersucht werden. "Irgendwo muss etwas sein", bleibt Haustein optimistisch. Bloß was?

Von Mario Ulbrich

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