Schlecht gelaunt ins schöne Schottland

In seinem Roman regnet es recht oft. Bernhard Blöchl, Redakteur der "Süddeutschen Zeitung", hat gute Gründe dafür.

Wunderbar, wenn die Sonne nicht scheint und es aus Kannen schüttet. Dann ist die Welt so schön erwartungslos. Du kannst mies gucken, und keiner fragt, was los ist. Du kannst in deinem Auto losfahren, und keiner meckert, dass das Wetter dafür viel zu schade ist. Und wenn du dann doch deinen Fuß auf grünen Rasen stellst, kommt dir niemand in die Quere, der dir quietschvergnügt den letzten Nerv raubt. Dieses Wunderbar-wenn-die-Sonne-nicht-scheint funktioniert natürlich in aller Regel nur dann, wenn du schlechte Laune hast. Und wer in solch einem Zustand das in diesem Monat erschienene Buch mit dem Titel "Im Regen erwartet niemand, dass dir die Sonne aus dem Hintern scheint" in die Hände bekommt, dürfte einen neuen Bruder im Geiste gefunden haben - Knoppke.

Knoppke ist die Hauptfigur in Bernhard Blöchls zweitem Roman. Und Bernhard Blöchl, 1976 geboren, ist Redakteur der "Süddeutschen Zeitung". Zudem betreibt er im Internet das schöne Museum der schönen Sätze: Dort sammelt er Lieblingssätze aus Literatur und Musik. Und weil es in seinem Roman so viel regnet, kommt er selbst zu einem schönen ersten Satz: "Am Ende des Regenbogens beginnen die Probleme." Wie kommt man denn an das Ende des Regenbogens? Wer kommt dorthin? Wieso? Welche Probleme? Also lesen wir weiter.

Knoppke, Mitte 40, will seine Ruhe. Die Gründe: verletzte Träume, verpasste Chancen, verlorene Liebe. Regen passt da prima. Knoppke macht sich in seinem Ford Transit für eine Auszeit auf den Weg nach Schottland in die Highlands. Oder wie es im Buch heißt: "Der Mann, der es gemütlich mochte, bretterte in Richtung Norden, sein Ziel war der nördlichste Norden im Norden des Nordens." Auch so ein schöner Satz. Von denen gibt es im Buch etliche. Jedenfalls wird das mit der Ruhe nix, weil Knoppke die Anfang 20-jährige, redselige Sam in die Quere kommt. Sie haben unter anderem mit einem Hund in einer Dose zu tun, mit dem Club der leeren Beutel und mit Sams Geheimnis. Knoppke dämmert zudem, dass sich die Lebensbilanz doch blöd lesen würde, stünde da nur: Ich hatte meine Ruhe.

Blöchl schreibt fluffig, lakonisch, mit Liebe zu Knoppke und Co. Er hält den Leser beim Lesen, auch weil er ihn direkt anspricht: "Wer schon einmal durch die Highlands gereist ist, der kennt das Phänomen, wer nicht, der darf das hier ruhig glauben: Einigen Touristen begegnet man immer wieder ..." Er präsentiert mehrere Roman-Enden und erklärt, warum das nicht das Ende sein kann. Zwar verirren sich auch Frauenzeitungsweisheiten in die Geschichte, etwa wenn Sam Knoppke fragt, wann er zum letzten Mal etwas zum ersten Mal gemacht hat. Ein ausgelatschter Psycho-Tipp für mehr Schwung im Leben. Sei's drum, Anfang 20-Jährige wie Sam wissen es eben auch nicht immer besser. Letztlich jedenfalls geht es darum, Träume zu heilen, Chancen zu sehen, Liebe wiederzufinden. Und damit ist das Buch natürlich nicht nur eines für schlechte Laune.  » lieblingssaetze.wordpress.com

Das Buch Bernhard Blöchl: "Im Regen erwartet niemand, dass dir die Sonne aus dem Hintern scheint"
Piper Verlag
272 Seiten
14 Euro
ISBN 978-3-492-06075-2

Dieser Beitrag erschien in der Wochenendbeilage der "Freien Presse".

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