Taura/Burgstädt: "Traurig und enttäuscht" über Doping-Geständnisse

Trainer Steffen Haslinger vom RSC Sachsenblitz Burgstädt 1953: Für Erik Zabel hätte ich die Hand ins Feuer gelegt

Taura/Burgstädt. Ratlosigkeit und Unmut - Die Doping-Geständnisse von Erik Zabel, Rolf Aldag und Bjarne Riis haben auch die Burgstädter Radsportler sehr beschäftigt. "Was soll man sagen?", meinte Steffen Haslinger, Trainer und Mitglied der Abteilungsleitung des über 60 Mitglieder zählenden Radsportclubs Sachsenblitz Burgstädt 1953 (RSC). "Der ganze Skandal hat mich traurig gestimmt, und ich bin maßlos enttäuscht."

Besonders bitter sei, dass jetzt Namen von gedopten Sportlern auftauchen, "für die ich die Hand ins Feuer gelegt hätte", so Haslinger. Gerade von Erik Zabel hätte er das nicht erwartet: "Das ist doch immer so ein Sympathieträger gewesen", schüttelt der RSC-Trainer den Kopf. "Und jetzt ist er der erste noch aktive Sportler, der Doping zugegeben hat. Die anderen Sportler haben ihre aktive Laufbahn ja schon beendet." Andererseits müsse man aber auch zwischen Zabel und Aldag differenzieren. "Der erste hat nur eine Woche lang gedopt, der zweite über sieben, acht Jahre hinweg", so Haslinger. Bei Rolf Aldag könne nicht mehr die Rede von einem einmaligen Fehler sein.

"Im Profiradsport wird seit Beginn der Tour de France gedopt - das war uns eigentlich klar. Nur die Mittel haben sich geändert", meinte der 44-jährige Trainer. "Aber dass es in so großem Stil praktiziert wird, hat uns überrascht", erzählt er von den Diskussionen unter den Radsportlern im Burgstädter Raum.

Schade findet Steffen Haslinger vor allem, dass es bei den Debatten jetzt gar nicht mehr um die sportlichen Leistungen und das extrem harte Training geht, das auch die Doping-Radsportler absolviert haben. "Das tritt jetzt alles in den Hintergrund", sagt er.

Um so mehr sucht er heute das Gespräch mit den Nachwuchssportlern. Denn den Rad-Talenten müsse vor allem eins vermittelt werden: "Sportliche Leistung ist an intensives Training gekoppelt", so Haslinger. "Wenn bei den jungen Leuten jetzt rüberkommt: ,Ohne Doping kein Sieg‘, dann wird ihnen etwas Falsches mit auf den Weg gegeben", meint der Trainer. Ob man gedopten Tour-de-France-Siegern den Titel aberkennen sollte? "Davon halte ich gar nichts", so Steffen Haslinger. "Dann würde ja der Zweite nachrutschen. Und wer weiß, ob dieser vielleicht 14 Tage später gesteht, dass er gedopt hat?" Nichtsdestotrotz hofft der Trainer, dass der Skandal dem Interesse am Radsport keinen Abbruch tut.

Von Heike Hubricht

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