Wenn die Leser fröhlich feiern

Das Pressefest auf der Küchwaldwiese ist untrennbar mit der Geschichte der "Freien Presse" verbunden.

"Wenn das Pressefest ein Gesicht hätte, dann stünde Ihr Bild auf Seite eins." So eröffnete "Freie Presse"-Journalistin Marianne Schultz vor einigen Jahren ein Interview mit Eberhard Rohrscheidt. Die Moderatoren-Legende spielte den Ball charmant zurück und machte daraufhin dem Leserfest eine Liebeserklärung: "Es ist ein ursächsisches Fest, eine Tradition über Jahrzehnte. Pressefest und Publikum sind fest miteinander verwachsen. Für mich war es in Chemnitz immer etwas besonderes, mag sein, weil ich hier zu Hause bin."

Jahrelang war der in Röhrsdorf lebende Moderator der Conférencier beim großen Sommerfest auf der Küchwaldwiese, zehn Jahre lang an der Seite seiner Kollegin Katrin Huß, anschließend im schlagfertigen Doppel mit Moderatorin Victoria Herrmann.

Er sei immer für das Brimborium, für das Spontane, für den roten Faden in den Ansagen zuständig, betonte er in dem Interview. "Alles, was wir auf der Bühne tun, wird nicht probiert. Trotzdem sind wir uns immer darin einig, wie wir es draußen machen", so Rohrscheidt weiter. Wenn er Unterlagen mit Infos zu den Künstlern bekam, die er auf der Bühne begrüßen oder ankündigen sollte, dann lagen die dicken Briefe stets ungeöffnet auf seinem Schreibtisch. Aber weder aus Faulheit noch aus Größenwahn habe er da nicht reingeguckt, sondern um spontan zu bleiben. Außerdem: "Die meisten Künstler kannte ich persönlich von der Bühne, die anderen lernte ich dort kennen." Im Leben habe es ihm zwar schon oft die Sprache verschlagen. Aber: "Auf der Bühne - toi-toi-toi - noch nie."

Das Pressefest: Schon in der DDR war die Fete auf der Küchwaldwiese Kult. Mehr als 30 Mal wurde sie zu Ostzeiten zelebriert. Wenn Pressefest war, gab es die begehrten Spreewaldgurken zu kaufen - und mit etwas Glück einen Trabi zu gewinnen. "Manchmal wurden da sogar grüne Bananen vertickt", erinnert sich Gastronom Matthias Polster. Nach der Wende war vorerst Schluss mit lustig. Erst 1999 wurde die Tradition neu belebt. Mit bis zu 160.000 Besuchern avancierte die Freiluftparty im Herzen der grünen Küchwald-Lunge zu einem der größten Volksfeste Sachsens. Fest-Caterer Matthias Polster besorgte jedes Jahr mehr als 20.000 Roster, die seine Mitarbeiter an einem Pressefest-Wochenende auf die Grills legten. Zudem schenkten sie bis zu 25.000 Liter Bier aus.

Für den Erfolg sorgte auch der Eibenstocker Pyrotechniker und Laser-Künstler Enrico Oswald. Wenn er an den Samstagabenden bunte Böller und fantasievolle Strahlengemälde an den Himmel über der Freilichtbühne zeichnete, dann ging auf der Wiese untendrunter kein Stein zu Boden. Dicht an dicht standen die Besucher gedrängt, egal ob am Horizont dicke Gewitterwolken aufzogen oder es wie aus Kübeln goss oder die Hitze vom Tag noch über dem Festplatz dräute. Was so federleicht aussah, war harte Arbeit: "Da darf kein Stecker fehlen und kein Kabel zu kurz sein", pflegte der Mann aus Eibenstock vor jedem Fest zu sagen.

Im Jahr 2015 pausierte das Pressefest. Die künstlerische Auszeit wurde genutzt, um am Konzept zu feilen. Am 13. August 2016 kehrt das Pressefest nun auf die Küchwaldwiese zurück. Gefeiert wird einen Tag lang - mit nationalen und internationalen Künstlern.

Und einem Bandwettbewerb. Noch einem? Bei dem man am Ende doch wieder durch irgendein Raster fällt? Weil die Songs zu lang, der Altersdurchschnitt zu hoch oder die Preisrichter von weit hinterm Mond sind? "Keineswegs", wehrt Judith Fröhlke, Marketingleiterin des Verlages, ab. "Bei unserem Bandcontest sind die Regeln frei und der Preis ist nützlich." Mitmachen könne jede Band und jeder Solokünstler aus den Regionen Chemnitz, Erzgebirge, Vogtland, Mittel- und Westsachsen. Das Alter der Musiker sei egal. "Antreten kann man mit eigenen Stücken wie auch mit Coverversionen." Zu gewinnen gibt es 2500 Euro. Punkt und aus. Ohne weitere Bedingung. Natürlich soll auch wieder geschlemmt werden und der Gaumen kitzeln. "Die Idee dahinter ist, eine Vielzahl unterschiedlicher Speisen zu zeigen, fernab des üblichen Volksfest-Einerleis", sagt Fröhlke.

Bliebe nur noch, gutes Wetter zu bestellen. Obwohl: Pressefestler, egal ob Besucher oder Ausrichter, sind da hart gesotten. Das Wort "Pressefestwetter" hat auch schon Kultstatus.

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