Zweifel, Widersprüche und offene Fragen

Sie liefern keine neue Verschwörungstheorie, aber Mathias Bröckers und Christian C. Walther plädieren vehement für eine unabhängige Untersuchung der Katastrophe des 11. September

"Wir haben keine Theorie zu bieten, schon gar keine Verschwörungstheorie", stellen Mathias Bröckers und Christian C. Walther ihrem Buch voran, "aber wir können beweisen, dass es sich bei der offiziellen Theorie der Ereignisse um eine Verschwörungstheorie handelt: um eine Hypothese, die sich zwar auf Hinweise und Indizien stützen kann, aber nicht auf stichhaltige, eindeutige Beweise."

In "11.9. - Zehn Jahre danach. Der Einsturz eines Lügengebäudes" untersuchen die Autoren akribisch, konzentriert und dennoch spannend zu lesen all die Zweifel, Widersprüche und die offenen Fragen, die sich aus dem offiziellen Abschlussbericht der 9/11-Kommission der US-Regierung ergeben. Das beginnt bei Fragen nach der noch weitgehend ungeklärten Finanzierung der Anschläge, reicht über nicht geklärte Verbindungen zum pakistanischen Geheimdienst und endet nicht bei merkwürdigen Angaben zu den Identitäten des Anführers der Selbstmordattentäter Muhammed Atta. Obwohl sich die Autoren tatsächlich weitgehend hüten, eigene Theorien aufzustellen, wissen sie natürlich, dass sie sich auf unsicherem Terrain bewegen. Wenn es etwa darum geht, Indizien für ein "Vorauswissen" über die Anschläge oder den Erklärungen der offensichtlich hoffnungslos überforderten Luftabwehr der USA am 11. September nachzugehen, was sie dann doch zu der riskanten Vermutung bringt: "Streng genommen - und ,streng' ist an dieser Stelle entscheidend - fehlt damit also jeder eindeutige Beweis, dass die gestarteten Maschinen mit den abgestürzten Flugzeugen identisch waren."

Viele der in diesem Buch zusammengefassten und in einem ausführlichen Quellenanhang dokumentierten Zweifel sind nicht neu, haben oft auch schon Gegenargumente auf den Plan gerufen, auf die Bröckers und Walther teilweise eingehen. Jedes ihrer Kapitel endet mit einer Liste derer, die zu den Vorgängen am 11. September 2001 in einem unabhängigen Verfahren befragt werden sollten. Dies wäre wohl auch im Sinne der Opfer und ihrer Hinterbliebenen.

Ein lesenswertes Buch, mit dem man das Fragen lernen kann. Seine Lektüre wird lediglich vom letzten, allzu polemischen Kapitel getrübt. Die Ironie, mit der die Autoren dort ein "temporäres" Denkmal für "Dick und Don" (Cheney und Rumsfeld) und George W. Bush fordern, wird weder den Opfern des 11. September noch denen der diesem Tag folgenden Kriege gerecht.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...