Bio-Heumilch aus der Agrargenossenschaft

Im vorigen Jahr haben in Sachsen fast 50 Betriebe den Umstieg auf die Öko-Landwirtschaft gewagt. Einer davon ist die Eppendorfer Genossenschaft. Dort hat man den Schritt bislang nicht bereut.

Eppendorf.

Andreas Vogel ist zufrieden. "Schauen Sie", sagt er und zeigt auf das Getreidefeld. "Das sieht doch gut aus", fügt der Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Eppendorf hinzu. Wie am Schnürchen aufgereiht sprießen die Pflanzen aus dem Boden, eine neben der anderen. Unkraut? Weitgehend Fehlanzeige. Und das ohne den Einsatz von Pestiziden. Schließlich befindet sich der Betrieb im Landkreis Mittelsachsen gerade in der Umstellung auf Öko-Landbau, die chemische Keule ist damit tabu. "Man kann das Unkraut durchaus in den Griff bekommen. Das hätten wir nicht gedacht. Hat aber funktioniert", berichtet Vogel.

Vor einem Jahr haben die Eppendorfer damit begonnen, die Genossenschaft auf ökologische Bewirtschaftung umzustellen. Seitdem ist der Betrieb mit zwölf Mitarbeitern Mitglied bei der Gäa, einem der insgesamt neun Öko-Anbauverbände, die die Höfe betreuen und nach dessen Vorgaben die Bauern arbeiten müssen. Der heute 32-jährige Vogel hatte 2015 die Leitung des Betriebes übernommen - mitten in der Milchkrise. Dies und der Fakt, dass die Genossenschaft mit 540 Hektar Fläche und 180 Kühen relativ klein ist, ließen die Entscheidung reifen, sich von der konventionellen Landwirtschaft zu verabschieden. "Wenn man 2000 Kühe hat, kann man sicher anders wirtschaften", meint Vogel. Die Entscheidung umzustellen, sie war am Ende von wirtschaftlichen Überlegungen getrieben.

Der Eppendorfer Betrieb stand damit nicht allein. 2016 verzeichneten die Anbauverbände einen regelrechten Run auf ihre Geschäftsstellen. Ein Grund dafür dürfte die Milchkrise gewesen sein, die viele konventionelle Betriebe mit dem Rücken zur Wand stehen ließ. Bio-Bauern indes hatten und haben keinen Grund zum Klagen. Der Öko-Landbau in Sachsen bekam 2016 so einen Schub. Fast 50 Betriebe kamen neu hinzu, die Öko-Fläche, für die Förderung beantragt wurde, wuchs um ein Fünftel auf 40.800 Hektar. Doch Boom hin oder her: Vogel stieß mit den Umstellungsplänen im Betrieb, aber auch im Ort nicht nur auf Zustimmung, sondern auch auf Skepsis. Nun hofft er, dass die Bedenken weichen, "wenn die Leute sehen, dass es funktioniert."

Der Firmenchef weiß aber auch: Die Umstellungszeit hat es in sich. Die Fruchtfolgen auf den Feldern mussten umgestellt werden, sie fallen nun breiter aus. Vom Rapsanbau hat sich der Betrieb vorerst verabschiedet, dafür nimmt das Kleegras größeren Stellenwert ein. Ein Striegel musste für die Bodenbearbeitung angeschafft werden. Damit der Kälberstall die Gäa-Anforderungen erfüllt, mussten Auslaufbereiche geschaffen werden. "Da sind schnell mal 15.000 Euro weg", so Vogel. Auf die Umstellungsprämie, die der Freistaat zahlt, sei man angewiesen.

Denn die Eppendorfer haben zwar schon nach den Öko-Kriterien zu arbeiten, dürfen die Produkte aber noch nicht zu Bio-Preisen verkaufen. Heißt: Den höheren Arbeitsaufwand und die kleineren Erträge bekommt der Betrieb nicht refinanziert. "Wir müssen noch zwei Jahre überstehen", sagt Vogel. Die erste Ernte, die der Betrieb als Bio-Ware vermarkten darf, gibt es 2019. So sind die Regeln: Zwei Jahre dauert die Umstellung, erst danach haben Getreide und Co. Bio-Status.

Bei den Tieren geht es schneller: Seit Mai 2017 sind Kühe in der Umstellung, ab November ist die Milch bio. Dann geht sie in die Gläserne Molkerei im brandenburgischen Münchehofe. In Sachsen selbst gibt es keine größere Bio-Molkerei. Spätestens im Frühjahr 2018 werden die Eppendorfer Heumilch liefern. Das ist die natürlichste Form der Milcherzeugung. Sie stammt von Höfen mit Weidehaltung, die überwiegend Gras und Heu an ihre Kühe verfüttern - im Sommer frisch, im Winter als Heu. Silage ist nicht erlaubt. Seit einigen Tagen müssen die Kühe nun auf die Weide. Vogel hofft, dass sich alles einspielt, die Milchleistung wieder etwas ansteigt und der Tierarzt seltener kommen muss. Das hat er in anderen Bio-Betrieben oft gehört: Der Gesundheitszustand verbessere sich durch Weidehaltung und Heu. Öko bedeutet aber auch: Die Tiere geben etwa durch Reduzierung des Kraftfutters weniger Milch. Statt im Schnitt 29 bis 30 Liter pro Kuh und Tag seien es derzeit nur noch 20 Liter, berichtet Vogel.

Die Eier der gut 250 Legehennen kann der Betrieb bereits in einigen Wochen als Bio-Freiland-Ware anbieten. Dafür finde man auch Abnehmer. Und überhaupt passe das gut zur Direktvermarktung. Seit gut zwei Jahren gehört ein Hofladen zum Betrieb. Damit habe man gute Erfahrungen gemacht, sagt Vogel.

Ob am Ende alles wie geplant aufgeht? Vogel zuckt mit den Schultern. "Bisher siehts ganz gut aus. Wir bereuen den Schritt nicht", meint er und gibt sich optimistisch. "Auch früher, als wir die Felder noch konventionell gespritzt haben, hat ja nicht immer alles geklappt."

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