BMX fahren: Besser als am Handy spielen

Handys machen dick und hyperaktiv, sagt eine neue Studie - und der BMXer André Schäfer. Wer bei ihm im Skatepark zuviel am Telefon spielt, bekommt Stress.

Plauen.

Die alten, roten Plüschsitze aus dem Capitol stehen im Skatepark am Elsterufer. Zumindest ein paar davon. Auf der Terrasse, auf der sie stehen, darf man chillen. Neulich hockte ein Junge im Plüschsessel und jubelte über seinen Punkterekord, den er bei einem Handyspiel gerade geknackt hatte. "Zeig mal her", sagte einer der Großen. Er nahm das Telefon und drückte die Löschtaste.

Wer im Skatepark zu viel virtuell surft statt real BMX oder Scooter-Roller fährt, kann Stress bekommen. "Ich habe nichts gegen Modernes. Aber die Kids sind nicht hier, um nur am Handy zu zocken", sagt André Schäfer, 37. Er ist der Chef des Vereins "area241", der den Skatepark betreut. Im Park gibt es freies W-Lan. Man darf datteln am Handy - aber nicht nur. Viele Kinder dort sind zwischen 8 und 14 und besitzen eigene Smartphones. Wer ewig daran klimpert, muss mit einer Ansage rechnen.

Das dürfte Marlene Mortler gefallen, der Drogenbeauftragten der Bundesregierung. Die neue "Blikk-Studie" des Gesundheitsministeriums befasst sich mit den Folgen von Mediennutzung, und danach machen Tablet und Handy Kinder dick und hyperaktiv. Auch gebe es Zusammenhänge mit Lese-, Rechtschreibschwäche und Schlafstörungen. Im Skatepark versucht die alte BMX-Generation von André Schäfer, die junge Generation in der Realität zu halten. Schäfers Ehefrau ist auch im Verein "area241". Sie kümmert sich um die Finanzen. Eintrittsgelder, Vereinsbeiträge, städtischer Bewirtschaftungszuschuss. Damit muss sie haushalten.

André Schäfer war einer der ersten in Plauen, die ein BMX-Rad hatten. Sein Großvater brachte es ihm Anfang der 90er von der Westverwandtschaft mit. Heute hat der Szene-Verein rund 70 Mitglieder. Die meisten fahren BMX, manche Scooter. Skateboarder gibt es keine mehr. Vor zwei Jahren habe sich der letzte abgemeldet.

Die Skateanlage eröffnete die Stadt im Sommer vor zehn Jahren. Schäfer und seine Freunde hatten lange dafür gekämpft, einen Park für ihren Sport zu bekommen. Es geht um Geschicklichkeit und Körperbeherrschung und darum, dass die Kleinen von den Großen lernen. Die Rampen an der Elsteraue entstanden nach den Vorstellungen der damaligen Szene.

Heute ist Schäfer Familienvater und betreibt einen kleinen BMX-Laden neben dem Park. Ab und zu feiern Jungs Kindergeburtstage in der Anlage. Demnächst kommt eine Lehrerin mit ihrer Klasse. Gute Idee, findet der 37-Jährige: "Von alleine kommt man nicht auf dieses Hobby, das muss man sehen."

Er hatte früher "Die BMX-Bande", einen australischen Kinderfilm. Die Kids, die heute über die Rampen im Skatepark springen, drehen mit dem Handy ihre eigenen BMX-Filmchen.

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