Dampf, Diesel, Elektro: Lokführer bändigt selbst Tausende PS

Erst Hobby, dann Beruf - Lars Fiedler ist Eisenbahnfan mit Leib und Seele. Doch auch so jemand hat eine Lieblingslok.

Steinbach/Jöhstadt.

Rauchwolken steigen auf. Es faucht und zischt. Schon rollt der Nachbau der Sächsischen IK dampfend in den Bahnhof Jöhstadt. Mit rußverschmierten Gesicht steigen Heizer und Lokführer von der Maschine. Lars Fiedler hat als Heizer fleißig Dampf gemacht. Er ist Eisenbahner mit Leib und Seele. Bereits seit 20 Jahren ist er Mitglied der Interessengemeinschaft Preßnitztalbahn. "Mit zwölf Jahren bin ich in den Verein eingetreten", berichtet der Steinbacher. Eisenbahnfan ist er seit seiner frühesten Kindheit.

Vor allem die Technik interessierte ihn schon immer. "Es ist faszinierend, welche Kraft Feuer und Wasser entfalten können." So kam, was eigentlich kommen musste. Der 31-Jährige hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Von 2005 bis 2008 erlernte er den Beruf eines Triebfahrzeugführers. Dampf, Diesel, Elektro - Lars Fiedler ist auf allen Traktionen zu Hause. "Alles was anliegt, wird gefahren", sagt der Steinbacher, der seit 2008 bei der Press-GmbH beschäftigt ist. Mit Güterzügen ist er deutschlandweit unterwegs. Besonders stolz ist er, wenn er auf der Schnellzugdampflok der Press-GmbH als Heizer fährt. Die formschöne, ölgefeuerte und fast 2500 PS starke Lok der Baureihe 01 509 ist das Paradepferd des Transportunternehmens und war es auch schon unter den Schnellzugloks der Deutschen Reichsbahn. Auf dem schnittigen Gefährt hat Fiedler bereits bei Sonderfahrten zu Veranstaltungen nach Nürnberg, Bochum oder zum Bahnhofsfest in Putbus für ausreichend Dampf gesorgt. Überhaupt fährt der Lokführer auch sehr gerne als Heizer, wie er verrät. Dampf- oder Diesellok? Was bewegt Lars Fiedler lieber über die Gleise? "Jede Traktion hat ihren Reiz. Wenn du lange Diesel gefahren bist, willst du gerne wieder mal auf die Dampflok und umgekehrt".

Zwischen Hobby und Beruf gibt es eine strikte Trennung. Wenn der junge Mann auf der Museumsbahn Steinbach/Jöhstadt unterwegs ist, steht ausschließlich Hobbypflege auf dem Programm. Sprich: Die Vereinsarbeit findet in seiner Freizeit oder eben im Urlaub statt. Dann widmet er sich natürlich auch ganz besonders seiner Lieblingslok, der knapp 500 PS starken 99 715. Er zeichnet sich als Brigadelokführer für die Pflege des bulligen Kraftpaketes verantwortlich. Doch egal mit welcher Dampflok er gerade durch das romantische Preßnitztal faucht: "Jede Maschine ist anspruchsvoll und auch eine Schmalspurlok ist kein Spielzeug", stellt Lars Fiedler klar. Der Betrieb, die Unterhaltung und natürlich die Pflege einer solchen Lokomotive sind aufwendig. Der Steinbacher spricht von einem "Vollzeithobby". Bekohlen, Wasser nehmen, Abschmieren - das alles geschieht bei jedem Wetter im Freien. "Zudem sind wir auch für die Sauberkeit im Lokschuppen und der Bahnanlagen verantwortlich", so Fiedler. Außerdem betont der Lokführer, dass so eine Maschine, wenn sie angeheizt ist, rund um die Uhr betreut werden muss. "Die kaste net afach hiestelln un zuschließen", sagt er schmunzelnd. Wichtig ist: "Das alles muss Spaß machen, auch wenn es im Winter zu kalt und im Sommer zu warm auf der Lok ist." Aber der Steinbacher ist Erzgebirger mit Leib und Seele. Und so freut er sich, wenn zu den Fahrtagen - ob nun in der Adventszeit oder über Pfingsten - viel Andrang herrscht und den Gästen eine echt "arzgebirgische Bimmelbah" mit allem Drum und Dran geboten wird.

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