Der Kapitän verlässt das Schiff

16 Jahre hielt Volker Uhlig die Mannschaft zusammen und Boot auf Kurs

Als die Unesco Anfang Juli auf ihrer 43. Sitzung in Baku die Montanregion Erzgebirge/Krušnohorí in ihre Welterbeliste aufnahm, war das für Volker Uhlig Ende und Anfang zugleich. "Ich habe immer gesagt, ich stehe sowohl dem Förderverein als auch dem Welterbeverein Montanregion Erzgebirge/Krušnohorí solange als Vorsitzender vor, bis wir den Welterbetitel haben. Das wir es in dem Jahr geschafft haben, in dem ich 70 werde, macht mich sehr dankbar", sagt der ehemalige Bürgermeister von Lichtenberg und Ex-Landrat der Landkreise Freiberg und Mittelsachsen.

In der zweiten Jahreshälfte gelte es nun, die beiden Positionen als Vorsitzender in neue Hände zu übergeben. Der 69-Jährige legt dabei Wert auf die Feststellung, dass er kein sinkendes Schiff verläßt. Ganz im Gegenteil: "Das Schiff hat den Hafen sicher erreicht und angelegt, jetzt wird die Mannschaft gewechselt und wieder in See gestochen." Die Gewässer, in der sich die neue Mannschaft künftig bewegen wird, werden sich sehr von denen unterscheiden, in denen Uhlig bisher mit seinem Team kreuzte. Während es bisher darum ging, den Welterbetitel von der Unesco zu erhalten, müsse dieser nunmehr gewinnbringend für alle Beteiligten in der Region verankert werden.

Als er das erste Mal davon hörte, dass sich ein kleines Grüppchen von engagierten Menschen auf den Weg mache, um für das Erzgebirge den Welterbetitel zu holen, da stand für ihn schnell fest, dass er als Landrat in Freiberg das Steuer übernehmen müsse. Dass die Reise anschließend 16 Jahre dauern würde, die See mitunter stürmisch und manche das Schiff auf seiner Reise schon als verschollen bezeichnen würden, war seinerzeit freilich noch nicht abzusehen. "Natürlich haben wir uns untereinander auch einmal gefetzt. Natürlich gab es auch Zeiten, in denen wir uns besonders motivieren mussten, aber das große Ziel haben wir nie aus den Augen verloren", erinnert sich der 69-Jährige. Er sieht sich dabei durchaus in Tradition der Bergleute, die unter Tage mitunter viele Gänge anlegen mussten, bis sie auf eine Erzader stießen. Dann hieß es: "Glück auf, der Erzgang tut sich auf. Auch wir hatten am Ende dieses Glück auf." Die Bewerbung um den Titel sei ein Mannschaftsspiel gewesen und als Kapitän habe er die Aufgabe gehabt, die Mannschaft zusammenzuhalten. Sehr dankbar ist er, dass er mit Prof. Helmuth Albrecht und dessen Institut jemanden an seiner Seite wusste, der die Koordinaten bestimmte, um den Welterbetitel sicher in den Hafen zu bringen.

Motiviert habe ihn immer wieder der Anspruch, mit dem Titel für die Nachwelt zu erhalten, welche großen Leistungen die Bergleute einst im Erzgebirge vollbrachten. "Mit ihrer Arbeit haben sie das Land vorangebracht und Sachsen in den Bereichen Montanwesen, Bauwesen, Kunst, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft in Mitteleuropa einst einen Spitzenplatz gesichert. Das wird heute leider oft vergessen", sagt der gebürtige Lichtenberger. Besonders wichtig sei es ihm und seinen Mitstreitern deshalb gewesen, die Schüler und die Lehrer der Region für die Besonderheiten der Welterbestätten zu sensibilisieren. An den Projekten mit den Schulen solle auch in Zukunft festgehalten werden. Schließlich gibt es nur wenige Regionen in der Welt, in der Schüler vor ihrer Haustüre Gebäude finden, die mit der Chinesischen Mauer oder der Akropolis auf einer Liste stehen.

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