Der Mann, der mit 3-D-Kunst Säle füllt

Bilder und Videos von exotischen Reisezielen machen, Vorträge halten und so die nächste Reise finanzieren - der Dresdner Stephan Schulz hat diesen Traum wahr gemacht. Abstriche macht er anderswo.

Dresden.

Der "Gucki" ist schuld. Schon als kleiner Junge wollte Stephan Schulz wissen, wie man in dem Kleinbild-Diabetrachter diesen 3D-Effekt hinbekommt. "Das hat mich richtig fasziniert, das sah so lebensecht aus", sagt der heute 43-jährige Dresdner. Als mit der Wende die Kosten für Fotoapparate erschwinglicher wurden, begann er zu experimentieren.

Er montierte zwei Kameras in einem Abstand von etwa 6,5 Zentimetern - also etwa im Augenabstand - auf eine Schiene und synchronisierte das Auslösen. "Der 3D-Effekt war für mich von Anfang an Motivation fürs Fotografieren", sagt Schulz. Diese ganz besondere Art, die Welt um sich herum festzuhalten - das tut er auch bei seiner zweiten großen Leidenschaft, dem Reisen.

Mittlerweile hat er aus beiden Hobbys seinen Beruf gemacht. Er reist in die exotischsten Gegenden der Welt. Er hält seine Erlebnisse dreidimensional auf Fotos und Videos fest. Wieder zu Hause sichtet er das Material und komponiert aufwendige Shows. Mit diesen schließlich zieht er immer von Oktober bis April durch Säle im gesamten deutschsprachigen Raum. Die Einnahmen reichen, um sein Leben und die nächsten Reisen finanzieren zu können. Klingt nach dem Traum vieler Abenteurer.

"Stimmt, ich lebe meinen Traum", sagt Schulz. Er weiß aber auch, dass seine Art zu leben nicht jedermanns Sache wäre. Seiner Wohnung sieht man an, dass er nur ab und zu mal da ist. Die Möblierung ist eher spartanisch, im Flur steht sein Mountainbike, im Wohnzimmer mehr Technik als Möbel. Familie - Fehlanzeige. "Das würde nicht funktionieren, meine Freiheit ist mir einfach zu wichtig", sagt Schulz.

Die Freiheit zum Beispiel, seinen Beruf als Vermesser aufzugeben und als Fahrradkurier zu arbeiten. "Das war so ums Jahr 2000 herum, als ich versucht habe, von meinen Vorträgen zu leben", erzählt er. Zehn Jahre war er da schon rein hobbymäßig mit seiner 3D-Technik weltweit unterwegs. Die erste große Reise hatte ihn 1994 nach Pakistan geführt. "Ich wollte den K2 sehen - und die geile Berglandschaft eignete sich ideal, um dreidimensional fotografiert zu werden." Den Durchbruch mit seinen Vorträgen brachte 1999 die Peru-Reportage. Er hatte - wie seinerzeit möglich - halb Dresden mit seinen knallgelben A1-großen Plakaten vollgepflastert. "Damals plakatierten alle wild drauf los - unter all den bunten Ankündigungen, fielen meine einfachen gelben richtig gut auf", erzählt er. Für den Peru-Vortrag hatte er den großen Mathe-Hörsaal der TU Dresden gemietet und die nötige Technik. Würden sich die nicht gerade geringen Vorleistungen auszahlen? Wenn der Saal mit den 700 Plätzen einigermaßen gefüllt werden könnte, dann schon ... Es kamen 1000 Interessenten, 300 mussten draußen bleiben.

Heute wollen nicht mehr ganz so viele seine Vorträge sehen. Aber Säle füllt er immer noch. Allerdings lädt er nicht mehr selbst ein, sondern arbeitet mit Veranstaltern zusammen. "Die wilden Zeiten sind halt vorbei, einfach Plakate aufhängen - das würde heute teuer werden", sagt er und grinst. Je nach Saalgröße kommen zwischen 100 und 500 Leute. Die Tickets kosten zwischen 10 und 14 Euro. Er selbst ist entweder an den Einnahmen beteiligt oder bekommt ein festes Honorar. Technik muss er nicht mehr mieten, die hat er sich nach und nach selbst angeschafft.

"Sein Alleinstellungsmerkmal, die dreidimensionalen Vorträge, ziehen", sagt Olaf Schubert, der seit 20 Jahren unter dem Titel "Blickwinkel - die Welt im Focus" Dia- und Filmvorträge in Zwickau und anderen Städten organisiert. Eigene oder die anderer Weltenbummler. Mit Stephan Schulz arbeitet er "schon ewig" zusammen. Er schätze dessen Professionalität. "Schulz ist Perfektionist." Die 3D-Vorträge seien wahnsinnig aufwendig, das würden die Leute spüren und honorieren. "Den Besuchern bleibt oft der Mund offen stehen, wenn quasi der Hai durch den Kinosaal schwimmt", sagt Schubert. Die derzeit aktuelle Show "Süd-Afrika - von Kapstadt zum Kilimanjaro" sei "absolut irre".

Vier Jahre hat Schulz an dieser Show gearbeitet. Die Touren auf dem schwarzen Kontinent dauerten mal drei Monate, mal zwei Wochen. Luxusreisen sind das eher nicht. Mit seinem Gepäck - unter 60 Kilogramm ist da kaum was zu machen - nutzt er in der Regel Backpacker-Hostels, mietet ein eher praktisches als schickes Auto. Meist reist er allein. Welcher Mitreisende würde es auch mögen, wegen eines Motivs einen Umweg von 600 Kilometern zu fahren? "Viel hängt auch vom Wetter ab", sagt Schulz. Wenn sich die Lichtquelle ändert, macht der Schatten bei 3D-Aufnahmen oft "komische Sachen". Also müsse man Geduld haben und warten. Das richtige Motiv ist halt wichtig für seine Show. "Und die Recherche der Fakten vor Ort." Da müsse alles stimmen, darauf hätten die Besucher seiner Vorträge einen Anspruch.

Vier Jahre Arbeit an einer Show, zigtausend Kilometer quer durchs Land, viel Geduld, ehe der Hai das Maul aufreißt und der Leopard in die richtige Richtung schaut, dann zu Hause die Auswahl aus mehreren 10.000 Bildern und x Stunden Videomaterial treffen - ganz schön viel Aufwand für eine einzige Show. "Stimmt, aber das ist halt so", sagt Schulz und zuckt mit den Schultern. Die Vorträge liefen dann auch bis zu zehn Jahren. Wer also bisher die Afrika-Show verpasst hat, hat ab Oktober gute Chancen, dass sie wieder in einem der Kinos in der Region laufen wird. Stephan Schulz feilt derweil schon am nächsten Projekt, das ab Herbst 2018 zu erleben sein soll: Island und Grönland. Fünf Reisen auf die Inseln hat er schon im Kasten. The show must go on.

Mehr zu Stephan Schulz und seinen Projekten lesen Sie unter www.schulz-3d.de

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