Eisentradition im Erzgebirge

Mitten im erzgebirgischen Idyll bei Jöhstadt ist eines der letzten Zeugnisse der hiesigen Eisenproduktion zu bestaunen. Das Hammerwerk mit dem noch erhaltenen Hochofen.

Jöhstadt.

Unweit der Grenze zwischen sächsischem und böhmischem Erzgebirge liegt im waldreichen Preßnitztal die Naturherberge Hammerwerk Schmalzgrube. Der Verein, der eine großzügig angelegte Ferien- und Freizeitanlage mit Erholungs-, Freizeit- und Sportmöglichkeiten betreibt, trägt in seinem Namen die Hauptattraktionen von Schmalzgrube: die idyllische Landschaft und den alten Schmelzofen, der auf dem Gelände steht.

Vereinschef Torsten Uhlig, von Beruf Polizeibeamter, hat zum "Hammerwerk" eine besondere Beziehung, schließlich lebt er in Schmalzgrube, einem Ortsteil von Jöhstadt. Als 2014 klar wurde, dass die Herberge nicht mehr wirtschaftlich arbeitete, zog er gemeinsam mit anderen Vereinsmitgliedern die Notbremse. Das Kiez Schneeberg hatte für den bereits schlecht laufenden Betrieb unter der Führung des Vereins bis dahin die finanziellen Risiken übernommen und so eine komplette Bauchlandung der Herberge verhindert. Nach einer Neuausrichtung begann der Verein, an der Wiederherstellung der Wirtschaftlichkeit zu arbeiten und startete neu durch. Auf der Wiese rund um den alten Hochofen sind jetzt hin und wieder Campingzelte zu sehen.

Die Eisenhütte Schmalzgrube mit Schmelzofen, Herrenhaus und weiteren Produktionsstätten stand einst für die frühindustrielle Verarbeitung von Eisen im Erzgebirge. Ein erstes Hammerwerk in Schmalzgrube ist wohl schon um 1400 gegründet worden. Die Quellen dazu sind aber spärlich - infolge von Kriegen und Bränden. Um die Zeit von 1400 sollen aber bis zu 26 Frischfeuer in der Gegend in Betrieb gewesen sein. 1570 brannte das Hammerwerk bis auf die Mahlmühle ab und wurde anschließend wieder aufgebaut, während des Dreißigjährigen Krieges 1632 aber erneut zerstört. Im Jahr 1656 erfolgte unter der Leitung von Gottfried Rubner der Wiederaufbau.

Bis dahin war das Hammerwerk eine Hammerhütte mit Rennherd und mechanischen Hämmern. Gottfried Rubner ließ einen Holzkohlehochofen bauen - eine Eisenhütte mit Hochofen, Frischwerk, Stab-, Zain- und Drahthammerwerk sowie mechanischen Hämmern. Dort wurde Roheisen produziert, das in einer Frischhütte in Schmiedeeisen umgewandelt wurde.

Eines der Hauptprodukte im 17. Jahrhundert waren Platinen für Gewehrläufe, die nach Olbernhau geliefert wurden. 1766 entstand das Hammerherrenhaus. Zu dieser Zeit war das Geschlecht derer von Elterlein bereits am Hammerwerk Schmalzgrube beteiligt. Bis 1773 kam es ganz in den Besitz von Hans Heinrich IV. von Elterlein.

Neben der Produktion von Holzkohleeisen und gefrischtem Eisen wurde in der Mitte des 18. Jahrhunderts das Drahtziehen aufgenommen. In Folge der Napoleonischen Kriege verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation des Hammerwerkes. Nach verschiedenen Ausbaumaßnahmen wurde die Anlage dann 1870 stillgelegt. Zahlreiche Gebäude des Ensembles verfielen. 1935 wurde das leerstehende Herrenhaus von der Stadt Glauchau erworben und als Kinderheim genutzt. Im Zweiten Weltkrieg diente es unter anderem als Waisenhaus und Flüchtlingslager. Ab 1946 wurden die verbliebenen Gebäude für die Kinderbetreuung genutzt.

Schmalzgrube war bis 1837 Ortsteil von Grumbach. Da rund um den Ort viel Bergbau betrieben wurde, lag nichts näher als die Eisenerze auch in unmittelbarer Nähe zu verhütten. Alles war da: Wasser in reichlicher Menge, dazu das Erz, Holz satt für die Köhlerei und Kalk als Zusatzstoff für den Schmelzprozess und als Baustoff.

Hochöfen wurden bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts mit Holzkohle betrieben. Gegenüber dem früher im festen Zustand erzeugten Eisen war das erstarrte Roheisen wegen seines hohen Kohlenstoffgehaltes nicht schmiedbar. Man konnte dieses rohe Eisen erst einsetzen, wenn es "gereinigt" oder "aufgefrischt" worden war. Diesen Vorgang bezeichnete man daher damals wie heute als "Frischen". Hierbei wurden unter der Einwirkung von Luftüberschuss in der Hauptsache Kohlenstoff und weitere Begleitelemente herausgebrannt. Zur Herstellung ei- nes geeigneten Fertigproduktes waren also nunmehr zwei Arbeitsgänge erforderlich, nämlich die Reduktion der Eisenerze zu Roheisen und anschließend das Frischen zu schmiedbarem Eisen.

Mit Gottfried Rubner ging es aufwärts mit der Produktion. Rubner hatte in Annaberg Kaufmann gelernt und sich später sein Vermögen durch den Eisenhandel erarbeitet. Rubner erhielt 1659 das Privileg für einen Schmelzofen, einen Blechhammer und ein Zinnhaus. Zudem ergatterte er Waldzuteilungen und das Recht, Eisen aus Böhmen zu beziehen. Zu dieser Zeit besaß Rubner bereits den Frohnauer Hammer sowie die in Mittelschmiedeberg und in Pleil-Sorgenthal.

Der in Schmalzgruben war der größte. Rubner fertigte Stab- und Bergeisen zum Betrieb der Bergwerke. Die Hauptproduktion dieser Zeit in Schmalzgrube waren aber Weißbleche. Das erzgebirgische Blech hatte damals Weltruf erlangt - aufgrund der Reinheit des erzgebirgischen Zinnes und der sauberen Hammerschmiedearbeit.

Der heute noch bestehende Hochofen wurde zwar schon Mitte des 17. Jahrhunderts gebaut, das Futter wurde aber oft erneuert. 1819 soll es einer Generalreparatur unterzogen worden sein, was der Stein mit der Inschrift H.A.v.E.E. (Hans August von Elterleins Erben) beweist.

Zum Gebäudeensemble des Hammerwerks gehörten neben dem noch erhaltenen Herrenhaus und Hochofen ein Faktorhaus, eine Hammerschmiede, ein Kohlschuppen, später ein Drahtwerk sowie eine Mühle nebst Bäckerei und Schankwirtschaft. Auf der "Blechwiese" am nördlichen Ortsausgang standen die Gebäude des Blechhammers.Der Hochofen Schmalzgrube, das Prunkstück des Geländes, wurde 1991/92 von Lothar Hering und Mitarbeitern des Christlichen Jugenddorfes restauriert. So steht er heute noch für die jahrhundertealte Eisenproduktion in Schmalzgrube.

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