Giganten fürs Bohren, Fräsen und Drehen

Die zehn größten Werkzeugmaschinen der Welt sind in der Lage, tonnenschwere und große Teile zu bearbeiten. Auch eine Anlage aus Chemnitz hat es in die Liste der Top 10 geschafft.

Chemnitz/Düsseldorf.

Für kleine Werkräume ist das nicht, die Fabrikhalle muss schon etwas größer sein, damit der Koloss aus Chemnitz darin Platz findet. Dieser hört auf den sperrigen Namen PR III 260 und ist eine sogenannte Horizontal-Bohr- und Fräsmaschine. Mit der Anlage hat es die Union Werkzeugmaschinen GmbH Chemnitz auf Platz acht in der Rangliste der zehn größten Werkzeugmaschinen der Welt geschafft - als einziger Hersteller aus dem Osten Deutschlands.

Die Baureihe PR III wird seit nunmehr acht Jahren bei Union gefertigt. In der Jumbo-Variante mit einer Bohrspindelgröße von 260 Millimetern allerdings erst seit 2015. Bislang seien erst zwei Bohrwerke dieses Typs hergestellt worden, heißt es. Eine davon ging nach China, die andere in die USA. Sie ist nach Angaben des Unternehmens die "größte und demnach wirtschaftlich attraktivste Maschine" im Sortiment von Union. "Um unseren Kunden unter anderem auch die Schwerstzerspanung anbieten zu können, war der Bau dieser Maschine ein logischer Schritt", heißt es bei dem Traditionsbetrieb, der einer der ältesten Werkzeugmaschinenbauer Deutschlands ist.

Doch wozu braucht man eigentlich so eine Riesenmaschine? Natürlich um besonders große Bauteile zu bearbeiten. Bis zu 250 Tonnen dürfen die Werkstücke dabei auf die Waage bringen, dafür ist das Plattenfeld der Maschine ausgelegt. Die drei Achsen sind demnach hydrostatisch geführt, sodass auch "bei schwerster Zerspanungsleistung" höchste Präzision erzielt wird. Neben der "stabilen Schwerzerspanung" sei auch eine "hochpräzise Finish- sowie Fünf-Seiten-Bearbeitung" möglich, schreibt das Unternehmen. Der Bearbeitungsraum beträgt 1200 Kubikmeter. Zum Vergleich: Ein olympisches 50-Meter-Schwimmbecken fasst 2500 Kubikmeter, also etwa das Doppelte an Volumen.

Es geht freilich aber noch viel größer bei Deutschlands Werkzeugmaschinenbauern. "Vorsicht Spoileralarm", schreibt der Ersteller des Rankings, der Düsseldorfer Gebrauchtmaschinen-Vermarkter Surplex GmbH. Platz eins in der Top-10-Liste der XXL-Maschinen ging an die Profimill 3 in Gantry-Ausführung des nordrhein-westfälischen Herstellers Waldrich-Siegen. Die sogenannte Gantry-Bauweise ist die Bezeichnung für ein spezielles elektromechanisches Bewegungssystem einer geometrischen Achse einer Werkzeugmaschine, bei dem zwei separate Vorschubmotoren eine gemeinsame Antriebsachse bewegen.

Die Portalfräsmaschine der Burbacher Firma, die sich als der weltweit führende Hersteller von Großwerkzeugmaschinen für die Bereiche Fräsen, Drehen, Schleifen, Texturieren und Bohren sieht, verfügt über einen Bearbeitungsraum von knapp 7800 Kubikmetern. "Vergleichbar ist dies mit 32 Wohnungen mit 2,4 Meter Höhe und 100 Quadratmeter Wohnfläche", zieht der Ranglistenmacher Surplex, ein Vermarkter von Gebrauchtmaschinen, einen Vergleich. Waldrich-Siegen gehört übrigens als "eigenständiges, mittelständisches Unternehmen" zur Siegener Herkules-Gruppe - ebenso wie Chemnitzer Union.

Zwar deutlich kleiner, aber ebenfalls ein Gigant ist das Portalbearbeitungszentrum Powertec-Gantry des oberfränkischen Konkurrenten Waldrich Coburg GmbH, das mit 3600 Quadratmetern Bearbeitungsraum Platz zwei belegt. Die Maschine besitzt eine Spannlänge von 36 Metern, eine Fräsbreite von zehn Metern und hat eine Durchgangshöhe von nochmals zehn Metern.

Die Coburger haben sich gleich mit drei Maschinen im Ranking platzieren können. Der Powertec-Tisch der Firma ist zwar mit 641 Quadratmetern zwar der Kleinste unter den Riesen. Doch auch das kann sich sehen lassen: Dies entspreche beispielsweise dem Volumen von drei Tankfüllungen eines Jumbo-Jets (Boeing 747-400) "oder auch acht üblichen Omnibussen", heißt es.


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