Herr Poitschkes stählerner Arbeitsplatz

Heute endet für den Marienberger Soldaten eine Nato-Militärübung in Estland. Doch schon bald erwartet ihn auch sein erster Auslandseinsatz. Vorab berichtet er über seinen Beruf - und nennt Gründe, warum er unbedingt dienen wollte.

Marienberg.

21,4 Liter Hubraum, 600 PS, 35 Tonnen Gewicht, 50 km/h Spitze und ausgestattet mit einer 20mm-Bordmaschinenkanone - das sind die Zahlen zum stählernen Arbeitsplatz von Sebastian Poitschke. Der Soldat der dritten Kompanie des Panzergrenadierbataillons 371 gehört zu den Panzerfahrern der Marienberger Erzgebirgskaserne. Er selbst sagt zu seinem "Marder", in dem bis zu acht weitere Kameraden Platz finden: "Ein geiles Gefühl, ihn zu steuern. Unglaublich, welche Steigungen im Gelände möglich sind. Es ist auch eine verantwortungsbewusste Aufgabe. Ich muss meinen Schützenpanzer selbst warten, bin früh der Erste, der kommt, und abends der Letzte, der geht."

Der Oberstabsgefreite liebt und lebt seinen Beruf. Direkt nach dem Abitur meldete sich der Mann aus der Region Aue-Schwarzenberg für 23 Monate freiwillig bei der Bundeswehr. "Zivildienst war keine Option für mich. Ich wollte unbedingt eine kleine Zeit dienen. Jeder sollte die Erfahrung Bundeswehr sammeln", sagt der 26-Jährige. Warum? Poitschke wollte unbedingt selbstständiger werden, Ordnung, Sauberkeit, Disziplin erlernen.

Doch aus einer kurzen Phase sind inzwischen Jahre geworden. "Der Grundwehrdienst in Erfurt hat mir so gefallen, dass ich mich zunächst für vier und später sogar für neuneinhalb Jahre verpflichtete." Über einen Zwischenstopp in Frankenberg kam Poitschke 2013 erstmals zu den Marienberger Jägern. Er half das Chaos zu beseitigen, welches das Hochwasser in der Region angerichtet hatte. Helfen, mit anpacken - genau diese Aufgaben schätzt der Oberstabsgefreite am Leben als Soldat: "In Frankenberg war ich im Büro eingeteilt. Das war nichts für mich. Ich will raus mit der Truppe."

In seiner Zeit im Erzgebirge wurde er zum Panzer- und Kraftfahrer ausgebildet, lernte schwere Waffen wie Panzerfaust und MG bedienen. Als Teil der schnellen Einsatzgruppe der Bergstädter nahm er an mehreren Nato-Übungen im Ausland teil - etwa in Österreich und Norwegen. Heute endet sein aktueller Aufenthalt in Estland, wo sich rund 100 Marienberger Soldaten an einer Verteidigungsübung der Esten gemeinsam mit 15 Nationen beteiligten. "Es wurde simuliert in Ortschaften und an Flüssen gekämpft. Als unsere Gegner dienten die Briten. Straßenmärsche gehörten ebenfalls zum Programm. Wir konnten außerdem Kenntnis vom Gelände in Estland gewinnen", sagt Presseoffizier Oberleutnant Sebastian Grünberg.

Schon in zwei Monaten geht es für Poitschke erneut ins Baltikum. Dann unterstützen die Marienberger Jäger für rund sieben Monate die Nato in Litauen. Der erste, richtige Auslandseinsatz für den 26-Jährigen: "Ich bin schon aufgeregt. Aber ich reise mit meinen Kameraden dort hin, kann mich auf jeden einzelnen verlassen. Wir sind eine eingespielte Truppe." Poitschke freut sich auf die Herausforderung, die Eindrücke und die Erfahrungen, obwohl er Weihnachten nicht in seiner Heimat bei seinen Eltern verbringen kann. "Am meisten aber werde ich Privatsphäre vermissen."

Obwohl sich der junge Mann trotzdem aktuell keinen besseren Beruf vorstellen kann, hat er sich schon mit der Zeit nach der Bundeswehr auseinandergesetzt: "Ich habe ein wenig Angst, dass ich in den Zivilbereich nichts mitnehmen kann, schließlich bin ich direkt nach der Schule zum Bund." Ihm schwebt vor, Englisch zu studieren oder Polizist zu werden: "Das steht aber noch völlig in den Sternen."

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