Herr Rudolph gibt die Richtung vor

Als Fahrer im Vordergrund stehen wollte er nie. André Rudolph agiert lieber im Hintergrund. Wie zum Finale der Enduro-WM in Zschopau.

Zschopau.

Wenn sich die Zuschauer in Börnichen ums Schlammloch drängeln, dann zieht sich André Rudolph am liebsten in sein Büro zurück. Wenn dort dann noch das Telefon stumm bleibt, ist die Welt in Ordnung. Dann kann auch der Fahrtleiter die Geländefahrt "Rund um Zschopau" genießen. "Wenn die Fahrer erst einmal auf der Strecke sind, kann ich eh nichts mehr machen", sagt der Chemnitzer. "Außerdem bin ich nicht der typische Enduro-Fan, eine Schlammdurchfahrt kann mich nicht begeistern."

Rudolph hat seine Sonderprüfungen - bürokratischen Hürden und Behördengräben sowie viele andere knifflige Passagen - bereits gemeistert, bevor die ersten Motorräder in den Parc fermé kommen. Mittlerweile hat der 32-Jährige bereits Routine darin, dem Enduro-Klassiker im Erzgebirge den Weg zubereiten. Sein Wissen hat er in einer Art "Arbeitsanleitung für Ausrichter von Meisterschaftsläufen" zusammengefasst.

Dabei hatte Rudolph zunächst wenig mit Motorsport am Hut. In Kunnersdorf aufgewachsen, jagte er bei Eintracht Erdmannsdorf/Augustusburg dem runden Leder hinterher. Bis zur A-Jugend. "Das mit den Spielgemeinschaften hat mir dann nicht gefallen." Als 16-Jähriger trat er dem MSC MZ Zschopau bei. Sein Opa hatte dort bereits Geschichte geschrieben. "Meine Mutter war auch Mitglied und hat mich oft mitgenommen", erinnert sich das heutige Vorstandsmitglied des MSC Rund um Zschopau. "Ich habe beim Classic-Enduro mit geholfen." In der Folge beschäftigte er sich dann immer intensiver mit dem Geländesport.

So richtig Lust, selbst am Gasgriff zu drehen, habe er aber nie verspürt. In aller Frühe aufs Motorrad zu steigen und bei Wind und Wetter durchs Gelände zu hämmern, war einfach nicht sein Ding. Ihn reizte es mehr, Geländefahrten "zu machen", die Härtetests für Mensch und Maschine zu organisieren - mit allem, was dazu gehört. Neben seinem Maschinenbaustudium in Zwickau bildete er sich deshalb auch motorsportlich weiter, wurde 2005 Sportkommissar und mit 20 Jahren einer der jüngsten Fahrtleiter überhaupt.

Ab 2006 nahm Gunter Illgen den jungen Funktionär an die Hand. Illgen, dessen Funktionärslaufbahn 1975 begonnen hatte, war Endurobeauftragter des ADAC Sachsen, Mitglied der DMSB-Endurokommission und 17 Jahre Fahrtleiter bei "RumZ". Beim WM-Lauf 2004 im Erzgebirge hatte der Chemnitzer ebenfalls den Hut auf. "Von ihm habe ich viel gelernt", blickt Rudolph zurück. 2011 trat der 72-Jährige die Fahrtleitung von "Rund um Zschopau" an seinen "Erben" aus dem Augustusburger Ortsteil ab.

Zu diesem Zeitpunkt war die Vorbereitung der Six Days 2012 längst angelaufen - und Rudolph mittendrin. Um die Doppelbelastung - Beruf und Berufung - meistern zu können, fuhr er zweigleisig: Eine Wochenhälfte arbeitete er als Maschinenbaukonstrukteur bei einem Hersteller für Schienenfahrzeuge, in der anderen stellte er die Weichen für die immer näher rückenden Mannschafts-WM. Von Juli bis September stellte ihn sein Arbeitgeber dann gänzlich frei. So konnte Rudolph auch noch die letzten Baustellen auf der 1500 Kilometer langen Strecke beheben, bevor sie von 480 Fahrern aus 36 Nationen unter die Stollen genommen wurden.

Das sechstägige Spektakel, das 150.000 Zuschauer nach Sachsen gelockt hatte, war für Rudolph nicht nur der "absolute Höhepunkt", sondern zugleich auch eine erstklassige Empfehlung. Denn 2014 - nach "dem schwierigen Jahr 2013" mit dem Tod Illgens und der Neuaufstellung des Zschopauer Vereins - wurde ihm vom ADAC Sachsen eine Stelle angeboten. "Da musste ich nicht lange überlegen", so Rudolph, der in der Sportabteilung des Automobil-Clubs für die Betreuung der Ortsvereine sowie Genehmigungen und Sportförderung zuständig ist.

Nun geht es wieder rund. Das Finale der Enduro-WM in Zschopau (20. bis 22. Oktober) steht an. "Noch ist es zwar relativ ruhig, aber Langeweile kommt trotzdem nicht auf", sagt Rudolph. Erst wenn alle Puzzleteile auf dem Tisch liegen und zusammengefügt werden müssen, gehe es ans Eingemachte. Aber er sei guter Dinge. Der MSC Rund um Zschopau mit seinem Vorsitzenden Jan Kolomaznik als Ausrichter des Finales sowie die Partnervereine aus der Region seien ein eingespieltes Team: "Jeder weiß, was zu tun ist."

Den nötigen Ausgleich findet Rudolph, der seit 2014 in Chemnitz wohnt, zu Hause bei seiner Frau Nina und der gemeinsamen Tochter Annika. Dass es bei einem Familienausflug mal mit Motorrad ins Gelände gehe, schließt Rudolph nicht aus. Schließlich kommt seine Frau, geborene Oppenländer, aus dem Metier. Sie wurde bei den "Six" 2012 mit der Damen-Trophy Vize-Weltmeister.

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