"Identitätsgefühl weiter stärken"

IHK-Geschäftsführerinnen sehen im Welterbetitel einmalige Chance

Annette Schwandtke, Geschäftsführerin der IHK Regionalkammer Mittelsachsen, und Jana Dost, Geschäftsführerin der IHK Regionalkammer Erzgebirge, sprechen im Interview über die Bedeutung des Welterbetitels für die Unternehmen im Erzgebirge.

Freie Presse: Welche Chancen für die Region sehen Sie im Welterbetitel?

Annette Schwandtke: Er ist eine einmalige Chance, das Erzgebirge als eine lebendige, sich weiter entwickelnde Kulturlandschaft von außergewöhnlichem universellen Wert zu erhalten, weltweit bekannt zu machen und der Region neue Entwicklungsimpulse in Kultur und Tourismus zu verleihen.

Welche Risiken bringt der Welterbetitel mit sich?

Jana Dost: Die Bewerbung war ein über zwei Jahrzehnte dauernder aufwändiger Prozess, bei dem sich viele Akteure engagiert und eingebracht haben und dabei oft lokale Interessen hinter das gemeinsame Engagement zurückstellen mussten. Nun kommt es darauf an, auch in Zukunft weiter gemeinsam an einem Strang zu ziehen, damit die Region als Ganzes Nutzen aus dem Welterbe-Titel ziehen kann.

Worin liegen die größten Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Titel und wie können diese angegangen werden?

Annette Schwandtke: Insgesamt setzt sich die Welterbe-Montanregion aus 22 Bestandteilen zusammen. Dazu zählen 17 Teilgebiete in Sachsen und fünf in Tschechien. Bergwerke und Schächte, Wassermanagementsysteme und Transportwege bis hin zu Forstgebieten und Haldenzüge sowie Städte mit charakteristischer Architektur und Denkmale repräsentieren in ihrer Gesamtheit die wichtigsten Bergbaugebiete und Epochen des sächsisch-böhmischen Erzbergbaus. Diese große Region in ihrer Vielfalt zu schützen und zu erhalten und gleichzeitig gemeinsam davon zu profitieren, ist eine besonders anspruchsvolle Aufgabe für alle beteiligten Kreise und Kommunen.

Um den Ruf Sachsens ist es zur Zeit nicht sonderlich gut bestellt: Spüren die Tourismusbetriebe im Erzgebirge davon etwas?

Jana Dost: Die IHK Chemnitz beobachtet die Geschäftslage im Tourismus durch die halbjährlichen Saisonumfragen bei den Unternehmen im Kammerbezirk Chemnitz. Im April bewerteten die befragten Unternehmen ihre Geschäftslage besser als im Vorjahr. Anteilmäßig mehr Hotels und Pensionen berichten von einer guten Geschäftslage. In der Gastronomie ist jeder zweite Befragte mehr als zufrieden. Zu den Geschäftsrisiken zählen hauptsächlich der Fachkräftemangel und die Arbeitskosten.

Wie hat die IHK bisher die Bewerbung um den Welterbetitel begleitet und wie wird die weitere Unterstützung aussehen?

Jana Dost: Die IHK kooperiert eng mit allen beteiligten Akteuren. Für die Unternehmen ist es wichtig, das Erzgebirge als liebens- und lebenswerte Region nach innen und außen zu vermarkten und es damit weiter für den Zuzug von Fachkräften oder die Ansiedlung von Investoren attraktiv zu machen. Die IHK unterstützt die Unternehmen auch mit konkreten Angeboten, wie Weiterbildungen für Unternehmen des Hotel- und Gaststättengewerbes.

Annette Schwandtke: Unternehmen aus dem Hotel- und Gaststättenbereich haben schon gute Ideen entwickelt, um den Welterbetitel für sich zu nutzen. Wir möchten den Welterbe-Gedanken aber gern auch in Unternehmen ohne direkten Tourismusbezug bringen und damit auch das Identitätsgefühl in unserer Region weiter stärken.

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