Kreativer Kopf unter der Bahnermütze

Der Lunzenauer Matthias Lehmann ist bekannt - ob für die Erlebniskneipe "Zum Prellbock", als Museumsbetreiber, Hotelbesitzer oder Lyriker. Einige seiner wahr gewordenen Ideen haben nun Jubiläum.

Lunzenau.

Wenn Matthias Lehmann die Eisenbahnermütze zum Gruß hebt, so ist es mehr als eine Rolle, in die er schlüpft. Die Bahn - sie gehört untrennbar zum Leben des 59-jährigen Lunzenauers. Verbunden sind damit mehrere Jubiläen in diesem und im nächsten Jahr.

Lehmann arbeitet als Fahrdienstleiter. Bundesweit bekannt geworden ist er aber nicht durch den Beruf, sondern durch sein kreatives Schaffen und manch verrückte Idee.

Im Herbst vor 20 Jahren holte er das Gebäude des ehemaligen Haltepunktes von Obergräfenhain auf sein Grundstück an der Zwickauer Mulde. Im Ganzen wurde das Bahnhäuschen am 20. September 1997 umgesetzt, darin richtete er sein Eisenbahnmuseum ein. Namhafte Zeichner, Maler, Karikaturisten, Illustratoren und Fotografen haben dort bereits ausgestellt und tun es bis heute. In der ersten Schau zeigte der Rochsburger Wiegand Sturm, der viele Jahre als Fotograf für die "Freie Presse" tätig war, seine Grafiken.

"Es müssen seitdem weit über 100 Ausstellungen gewesen sein", sagt Matthias Lehmann. Mit vielen Künstlern ist er befreundet. Darunter sind Kunstschaffende, die sonst in Satiremagazinen wie "Eulenspiegel" und "Titanic" veröffentlichen.

Ihr 20-jähriges Bestehen wird im nächsten Jahr die Erlebniskneipe "Zum Prellbock" feiern, deren Inhaberin Lehmanns Frau Maritta Trommer-Lehmann ist. Zahlreiche Bahnutensilien gehören zum Inventar, darunter viele Eisenbahnermützen aus aller Welt. Lehmann sammelt gern, neben Kunst eben auch Mützen seines Berufsstandes. "Ich habe um die 200 Stück", sagt er. Zuletzt sind bei einer Balkanreise durch Montenegro, Albanien, Mazedonien, Kosovo, Serbien 2016 fünf hinzugekommen. Weil Schnee und Berge Lehmanns Wanderpläne zunichte machten, wurde aus der Tour eine Autoreise auf den Spuren der Bahn.

Um Bahnkollegen zu überzeugen, helfe es, wenn er ein Foto seiner Kneipe zeigt und einige Wörter in der Landessprache beherrscht, so Lehmann. "Nur in Belgrad habe ich leider keine Mütze bekommen."

Anfang Juli wird der Lunzenauer von jener Reise berichten, in seinem Vortrag mit dem Titel "Zum Friseur nach Priština". Es ist zugleich der Anlass, zwei weitere Jubiläen zu begehen. So gründete Matthias Lehmann am 7. Juli 2007 auf seinem Grundstück die Satire-Kommune "Frohe und Hanselstadt Groß-Mützenau", ist bis heute selbst ernannter Bürgermeister der Fantasiestadt. Zugleich erschien die erste Ausgabe des satirischen "Lokpfogels", seinem amtlichen Mitteilungsblatt.

Die Liste realisierter Ideen von Matthias Lehmann ist noch lang. Eine Auswahl: Seit 2004 bietet er Übernachtungen im "Kofftel" (kurz für Kofferhotel) - dem weltweit kleinsten Hotel - an. Er fertigt selbst Collagen und satirische Objekte aus allem, was er in die Finger bekommt - vom Baumpilz bis zur Fischgräte. Jährlich im September lädt er zum wohl frühesten Weihnachtsmarkt Deutschlands ein. Und jetzt hat er auch noch einen Lyrikband unter dem Alias Ludhardt M. Nebel veröffentlicht, mit Gedichten (siehe rechts), ergänzt um Zeichnungen von befreundeten Künstlern.

Warum nur macht Lehmann das alles? Seine Antwort fällt authentisch aus: "Ich will niemandem etwas beweisen, ich schreibe und mache das alles für mich." Und dann verrät er noch etwas: Die Bahn benutze er als "Transportvehikel" - das dürfe man gern mehrdimensional verstehen.

Aus Lehmanns Feder

Vom Sinn des Lebens

Mich quält des Lebens Sinn
Wer bin ich
wo gehe ich einst hin
ist mein Leben reine Lust
letztendlich
plagt mich nur noch Frust
was kann ich hier
bewegen
außer Eier legen
wer braucht mich denn
und überhaupt
ist mein Leben eh versaut
ein letztes Zucken
schon bin ich hin
weil ich
eine
Eintagsfliege
bin ...


Mit Mückenmordgedanken niedergeschrieben in lauer Novembernacht 2015, aus dem Buch "Wenn ich Flügel hätt‘" von Ludhardt M. Nebel, 2016, Mironde Verlag Niederfrohna.

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