Mystik liegt über dem Meisterwerk

Damit die Gottfried-Silbermann-Gesellschaft das außergewöhnliche Wirken des Orgelbauers modern zeigen kann, kam sie auf eine findige Idee.

Freiberg.

Visionen brauchen manchmal viel Zeit - wenn sie überhaupt Wirklichkeit werden. Dass es gelingen kann, beweist die Silbermanngesellschaft in Freiberg. Denn für jene, die Leben und Wirken des Orgelbauers Gottfried Silbermann bewahren, verehren und erforschen, erfüllt sich in ein paar Wochen ein großer Traum: "Wir werden in vier Räumen den neuen Silbermann-Rundgang eröffnen", sagt Kristine Schmidt-Köpf, Geschäftsführerin der Silbermanngesellschaft.

Und diese aktuelle Schau entsteht in eben jenem Haus am Freiberger Schlossplatz, in dem der größte mitteldeutsche Orgelbauer der Barockzeit, der 1683 in Kleinbobritzsch bei Frauenstein geboren wurde und 1753 in Dresden starb, 1711 seine Orgelwerkstatt eröffnete. Mehr noch, in dem historischen Gebäude, das Sitz der Gesellschaft ist, soll auch die Touristinformation die Besucher Freibergs empfangen. Dies ist aus Sicht der Geschäftsführerin ein Glücksumstand.

Die Gesellschaft bekommt für die Silbermann-Vorführung Räume im Erdgeschoss gegenüber der Tourismus-Information. In einem Zimmer - es ziert eine Wandbemalung aus dem Jahr 1601 - erfahren Besucher künftig aus Filmen mehr über den Orgelbauer, eine Computerstele werde interaktive Infos bieten. In der historischen Umgebung wird auch der Film "Schlüssel zum Klang" zu sehen sein. Über allem steht die Frage: Warum klingen Silbermanns Orgeln auch 300 Jahre nach ihrem Bau so besonders?

Bereits eingerichtet ist die Orgelwerkstatt, in der Kurse und Workshops einladen. "Dort kann man abends den Meister selbst arbeiten sehen", sagt Kristine Schmidt-Köpf mit einem Augenzwinkern. Eine lebensgroße Figurine steht in der Werkstatt, und der beleuchtete Raum ermöglicht Vorübergehenden einen Blick hinein. Tagsüber können Gäste in der Werkstatt erfahren, wie Orgelpfeifen entstehen. Ein Orgelmodell im ersten Ausstellungsraum zeigt die Funktionsweise des Instruments, Tafeln erläutern den Silbermannschen Orgelbau.

"Wir wollen Gästen auch die einmalige Orgellandschaft des Erzgebirges vermitteln", sagt Kristine Schmidt-Köpf mit Hinweis auf einen weiteren Museumsraum. In ihm werde gezeigt, wo welche Orgel steht und wer sie erbaut hat. Für die Geschäftsführerin ist der Blick auf den August - am 19. August wird die Ausstellung eröffnet - zugleich der Gedanke an die Zukunft. Denn zunächst soll das Museum mittwochs bis samstags von 11 bis 17 Uhr und sonntags von 13 bis 17 Uhr geöffnet sein. "Mehr ist personell nicht zu leisten, aber wir müssen auch erst Erfahrungen sammeln", sagt sie. In der Silbermanngesellschaft sind derzeit zwei festangestellte Mitarbeiter und eine Mitarbeiterin über den Bundesfreiwilligendienst tätig.

Damit das moderne Museum in der jetzigen Form überhaupt von der Vision zur Realität werden kann, sind neben den Räumlichkeiten zahlreiche Exponate nötig.

Um sie zu finanzieren, kam die Silbermanngesellschaft auf eine findige Idee. Sie nutzte die sogenannte Crowdfunding-Methode - warb für sechs Wochen im Internet um Spenden. "Wir hatten uns 8000 Euro als Ziel gesetzt, glaubten, dass das über Spenden erreichbar wäre", erzählt Kristine Schmidt-Köpf. Das Bauchgefühl war sogar fast richtig - es kamen 9400 Euro an Spenden zusammen. "Wir haben natürlich intensiv auf die Aktion aufmerksam gemacht, und es gab wirklich eine große Spendenbereitschaft", sagt die Geschäftsführerin.

Die Silbermanngesellschaft ist dankbar, dass die Stadt Freiberg den noch laufenden Umbau des Hauses finanziert, in dem künftig Touristen und Silbermann-Liebhaber gleichermaßen aus- und eingehen.

"Es liegt eine Mystik über dem Meister, er ist keinesfalls angestaubt", so die Chefin. Silbermann habe zu Lebzeiten mit dem Zar zu tun gehabt, ebenso wie mit August dem Starken und Johann Sebastian Bach. So ist sie überzeugt, dass die Forschungen über den Orgelbauer noch lange nicht beendet sind. "Vielleicht findet sich ja eines Tages wirklich ein Bild von ihm", meint Kristine Schmidt-Köpf.

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