Schlossbräu löste einst Bierstreit aus

Bier ist in Deutschland ein sehr beliebtes Getränk. Zu den bekanntesten Produzenten in der Region gehörte einst die Feldschlösschen-Brauerei in Werdau. Doch es gibt eine weitere, die über die Grenzen hinaus bekannt war - und für Ärger sorgte.

Blankenhain.

Das Deutsche Landwirtschaftsmuseum in Blankenhain mit seinen 80 Gebäuden und mehr als 100 thematischen Ausstellungen ist ein gefragtes Ausflugsziel. In der Einrichtung wird auch ein Kapitel beleuchtet, das eng mit der Geschichte des Ortes sowie des Rittergutes verbunden und dennoch fast in Vergessenheit geraten ist: das "Blankenhainer Schlossbräu". Dabei kann das Rittergut auf eine fast 400-jährige Brauereigeschichte zurückblieben. "Bereits beim Schlossbrand 1661 wurde ein Brauhaus erwähnt, das durch die Flammen mit vernichtet wurde. Folglich muss es schon viel früher auf dem Gut eine Brauerei gegeben haben", sagt der Chef des Museums, Jürgen Knauss. Mit dem Wiederaufbau des Rittergutes wurde auch die Brauerei wieder zum Leben erweckt. "Zwei Etagen auf dem Boden dienten als Lagerraum für Gerste und Hopfen. Beides wuchs auf den gutseigenen Feldern. Das klare Wasser kam aus dem Brunnen am Hellerteich", erzählt Jürgen Knauss. Den Bergkeller nutzte man als Gär-, Lager- und Eiskeller. Natureis vom Schlossteich kühlte den Eiskeller bis weit nach den Wintermonaten.

Das Bier, das einst in Blankenhain gebraut wurde, war obergärig und ist mit dem heutigen Weizen vergleichbar gewesen. Typisches Merkmal ist das trübe Aussehen. Das Braurecht gehörte im Mittelalter zu den Vorrechten der Grund- oder Landesherrschaft. In Blankenhain hatten die Gutsherren dieses Privileg. Allerdings durfte das auf dem Anwesen hergestellte Bier nur dort beziehungsweise in den Wirtschaften im Ort sowie auf den zum Gut gehörenden Ländereien ausgeschenkt werden. "Dass das Blankenhainer Bier von besonderer Qualität war, beweist der Bierstreit von 1766. Trotz des geltenden Bierzwangs, brachte man das Schlossbräu auf Umwegen heimlich nach Crimmitschau, wo es sich großer Beliebtheit erfreute. Die städtischen Brauer gingen auf die Barrikaden und pochten zornig auf ihr Recht des alleinigen Ausschankes im Stadtgebiet. Letztendlich gingen sie als Sieger hervor", berichtet Knauss.

Zwischen 1872 und 1889 modernisierte Rittergutsbesitzer Gustav Münch-Ferber die Brauerei im Gut, die damals im Bereich des heutigen Torhauses untergebracht war. 1900 entstand das Maschinenhaus. Dampfmaschinen trieben Rührwerk, Pumpen und Aufzüge in Brauerei sowie Brennerei an. "Noch bis zum Ersten Weltkrieg war die Brauerei in Betrieb. 1914 erlosch die Produktion. Das Inventar wurde an die Feldschlösschen Brauerei Ferdinand Geidel in Werdau verkauft."

Die Gegenstände, die heute im Museumsbereich "Brauerei" zu sehen sind, stammen von verschiedenen Getränkeproduzenten in Sachsen und Thüringen. "Sie sind ein Sammelsurium aus diversen Brauereien und erfüllen musealen Charakter", sagt der Chef. Doch ein paar Flaschen, in einer Vitrine aufbewahrt, stammen noch aus der Zeit, als im Gut Bier gebraut wurde. Die tragen, in das Glas eingebrannt, den Schriftzug "Schlossbräu".

Interessantes und Wissenswertes rund um den Gerstensaft

In Deutschland wurde erstmals 736 im bayerischen Geisenfeld von einem besonderen Gerstensaft berichtet. 764 wurde in der ersten Bierurkunde der Welt eine Lieferung von Biergetreide in das Kloster St. Gallen von Geisingen beglaubigt.

Klöster spielten bei der Bierherstellung im Mittelalter eine große Rolle. Einige heute bekannte Biermarken sind nach Ordensgemeinschaften benannt, wie zum Beispiel Paulaner und Franziskaner.

Obwohl nach deutschem Reinheitsgebot nur Malz, Hopfen, Wasser und Hefe erlaubt sind, bringen Zusammensetzung und Führung des Prozesses unterschiedliche Produkte hervor. Zu den bekanntesten Sorten gehören Pils, Lager, Weizen, Helles, Starkbier.

Das meiste Bier im Pro-Kopf-Verbrauch pro Jahr wird deutschlandweit in Brandenburg konsumiert (120 Liter), gefolgt von Thüringen (114 Liter) und Sachsen-Anhalt (110 Liter).

Der Marktanteil an Pils ist in Deutschland am größten. Weit dahinter kommen Export und Weizen, gefolgt von Biermixgetränken und Hell. Wobei es starke regionale Unterschiede gibt. So liegt der Absatz an Pils im Norden bei knapp 70 Prozent, während er im Süden bei unter 30 Prozent liegt. Alt und Kölsch haben ihre Hauptabnehmer in Nordrhein-Westfalen, wo sie zusammen einen Anteil von mehr als 14 Prozent haben.

Die fünf größten Bierproduzenten in Deutschland sind Krombacher, Oettinger, Bitburger, Veltins, Beck's. (umü)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...