Schmidts Revier ist die Autobahn

Blitzereinsatz, Lkw-Kontrolle oder Abstandsmessung: Im Autobahnpolizeirevier Reichenbach ist Oberkommissar Marcel Schmidt für die Verkehrsüberwachung auf der A 72 zuständig. Tenor: Tempo runter, Sicherheit hoch.

Reichenbach.

Wenn der Oberkommissar auf einem Autobahn-Parkplatz anhält, sieht er auf den ersten Blick, ob ein zweiter und vielleicht ein dritter nötig sind. "Ich gucke, ob Ross und Reiter zusammenpassen", erzählt Marcel Schmidt über eine Einsatzfahrt in der Verkehrsüberwachung. Oft liegt er mit seinem Bauchgefühl richtig. Das stellt sich bei der Kontrolle der Papiere, der Fahr- und Lenkzeiten, der Ladung und des Lasters selbst schnell heraus. "Mit der Zeit entwickelt man einen speziellen Blick, der nicht nur der Fahrzeugtechnik gilt. Das ist in allen Bereichen bei uns so. Wir sind nicht dazu da Geld einzuspielen, sondern mit dem Durchsetzen der Verkehrsvorschriften die Sicherheit zu erhöhen. Ich mache das gerne, meine Arbeit hat Sinn."

Marcel Schmidt arbeitet im Autobahnpolizeirevier Reichenbach, das für die A 72 von Stollberg bis zur Landesgrenze nach Bayern zuständig ist. In der Abteilung Verkehrsüberwachung ist der 40-Jährige seit Jahresanfang hinter und vor den Kulissen im Einsatz: Dienstaufsicht, Einteilung der mobilen Kräfte, Protokolle und natürlich Streifendienst. Das Einmaleins der Polizeiarbeit hat der Vogtländer von der Pike auf gelernt. Als Vorgesetzter die Arbeit der Basis zu kennen, das ist ein Riesenvorteil. Revierleiterin Claudia Walter-Thümmler: "Er hat klein angefangen und dann die Liebe zu unserem Beruf entdeckt, das ist ideal."

Marcel Schmidt war nach dem Abi Zeitsoldat und kam über eine Werbekampagne zur Polizei. Zunächst im mittleren Dienst und vier Lehrjahren bei der Bereitschaftspolizei Chemnitz. Das stählt. Er hatte Feuertaufen bei Fan-Randalen zu bestehen, beim G8-Gipfel 2007 sorgte er mit für die Sicherheit der Regierungschefs. Dann folgten ein Studium für den gehobenen Dienst, Streifendienst in Plauen und bei der Autobahnpolizei, bei der er rasch zum Dienstgruppenführer aufstieg.

Auf der A 72, da deckt sich der Eindruck des Oberkommissars mit dem der Revierleiterin, hat der Verkehr in den letzten Jahren stark zugenommen. Mit Auswirkungen etwa auf den Sicherheitsabstand, Überholmanöver, Geschwindigkeitsvorgaben und das Verhalten bei Unfällen. Das Einhalten der Regeln überwachen die Reichenbacher mit einem Blitzgerät, für dessen Einsatz es ein Verzeichnis mit 30 Messstellen gibt. "Generell registrieren wir eine leichte Zunahme der Geschwindigkeitsverstöße." Zudem erfolgen an zwei Stellen (Brücken) Abstandsmessungen mit einem speziellen Gerät. Dieses registriert auf der Lastspur mit ihren vielen Brummis ebenso eine leichte Zunahme derartiger Verstöße. "Im Pkw-Verkehr geht die Anzahl aber eher zurück."

Wer öfter die A 72 fährt, kennt die Messstellen. Was auch Ortskundige nicht kennen, ist das zivile Einsatzfahrzeug des Reviers, das auch auf angrenzenden Bundesstraßen quasi als mobiler Blitzer mit angeschlossener Video-Beweistechnik unterwegs ist. "Auch damit registrieren wir eine leichte Zunahme von Tempoverstößen und Fahren bei Rot. Nach wie vor wird auch gerne am Steuer telefoniert", sagt Marcel Schmidt. Und Claudia Walter-Thümmler ergänzt: "Wie die Rettungskräfte, so ist auch für uns das Zustellen der Rettungsgasse ein zunehmendes Problem. Das muss nach und nach in alle Köpfe." Verkehrsteilnehmerschulungen oder der beliebte, vom Revier regelmäßig mit Experten bestückte Fernfahrerstammtisch sollen für eine Sensibilisierung sorgen.

Generell, sagt Marcel Schmidt, gibt es eine Faustregel für mehr Sicherheit: Tempo runter. Mit der Drosselung auf Tempo 130 und vielen Messungen hat die Autobahnpolizei in Nähe des Rastplatzes Waldkirchen und damit an einem für Blitzeis anfälligen Unfallschwerpunkt gute Erfahrungen gemacht. "Vorher wurde dort gerast, es gab viele Unfälle." Bei der Aufnahme eines Unfalls dort war vor Jahren ein Polizist des Reviers ums Leben gekommen. Tempo 100 bewährt sich auch am Freitag und Sonntag im Pendlerverkehr von Plauen-Ost bis zur Landesgrenze. "Die Anzahl der Unfälle ging stark zurück. Es wird nicht mehr so von Lücke zu Lücke gesprungen. Die Leute kommen entspannter zu Hause an."

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