Schnappt dieser Mann den Reifenstecher?

Keiner scheint den Täter aufhalten zu können. Seit zwölf Jahren treibt er in Lichtenstein sein Unwesen. Der Schaden geht in die Zehntausende. Aber Spurensicherer Andreas Voigt ist zuversichtlich.

Zwickau/Lichtenstein.

Andreas Voigt (57) hat ein feines Gespür. Seit 30 Jahren ist er Polizist. Die längste Zeit davon hat er als Spurensicherer gearbeitet. Bis heute. "Wir sind die letzten am Tatort. Und die letzten, die gehen", sagt der Kriminalhauptkommissar von der Polizeidirektion Zwickau vom Kommissariat 41. Was die Spurensicherung nicht entdeckt, ist meistens unwiederbringlich verloren. Voigt: "Wir müssen den Tatort lesen wie ein Buch."

Manchmal handelt es sich dabei um ein Rätselbuch. Andreas Voigt ist seit Langem auch an dem Reifenstecher-Fall von Lichtenstein dran. Seit dem Jahre 2005 treibt ein Unbekannter in der Stadt sein Unwesen, zersticht scheinbar wahllos, ohne erkennbares System die Reifen von abgeparkten Autos. Inzwischen sind die Tatorte fast über ganz Lichtenstein verteilt. Allein in diesem Jahr hat der Täter bis Ende April bei 36 Autos einen oder mehrere Reifen zerstochen. Diese Zahl gab die Polizei gestern bekannt. Im Laufe der Jahre hat der Reifenstecher von Lichtenstein einen Schaden von rund 50.000 Euro angerichtet, über 500 Autos beschädigt. Die Polizei scheint ohnmächtig. Viele Einwohner zweifeln seit längerer Zeit, ob die Ermittler den Täter jemals schnappen werden. Die Polizeidirektion hat vor eineinhalb Jahren eine Belohnung in Höhe von 3000 Euro ausgesetzt für Hinweise, die zur Ergreifung des Reifenstechers führen. Doch bislang gab es keinen einzigen ernst zu nehmenden Tipp.

"Auch als Spurensicherer können wir dazu beitragen, dass der Bürger zu seinem Recht kommt", sagt Voigt und fügt hinzu: "Es vergeht kaum ein Tag, an dem wir nicht an dem Fall sitzen." Was im Klartext auch heißt: Obwohl die Sache inzwischen fast aussichtslos scheint, hat die Polizei die Hoffnung noch nicht aufgegeben, den Täter zu schnappen. Zwar gibt es keine Zeugenhinweise. "Aber durchaus verwertbare Spuren", so Kriminalhauptkommissar Voigt. Die müssen nicht automatisch zum Täter führen - aber sie können ein wichtiges Teil im Puzzle sein. Jede dieser Spuren wird gründlich ausgewertet, mit anderen verglichen und archiviert. Andreas Voigt war an mehreren Tatorten der Lichtensteiner Reifenstechereien. Spuren vergessen nicht, sagt er, irgendwann werden sie den Täter verraten. Wie viele verwertbare Spuren, ob Fingerabdrücke, Fasern oder Schuhabdrücke bisher gesammelt wurden, verrät er allerdings nicht. Aber er sagt: "Wir bleiben hartnäckig. Früher oder später werden wir den Täter ermitteln. Es ist eine Frage der Zeit."

Die Polizei appelliert noch einmal an geschädigte Autobesitzer, nachdem sie einen Schaden am Fahrzeug festgestellt haben, das Fahrzeug nicht zu berühren. Voigt: "Das kann wertvolle Spuren vernichten."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...