So schützen Sie Ihr Auto vor Dieben

Mehr als 2000 Fahrzeuge werden in Sachsen pro Jahr gestohlen. Nur jedes 4. findet sich wieder. Was rät die Polizei?

Anfang dieser Woche haben Polizisten auf der A 13 einen 42-jährigen Autodieb mit einem Audi Q7 gefasst. Der in der Nacht zuvor in Braunschweig gestohlene SUV hatte einen GPS-Sender an Bord, was der Dieb wahrscheinlich nicht wusste. Oder er hatte das Gerät, das den Standort der Nobelkarosse ständig verriet, nicht im Auto finden und deaktivieren können. So konnten sich die Dresdner Fahnder an die Spur des Q7 heften und den Dieb samt Audi bei Radeberg stellen. Aber GPS-Tracker sind nur eine Möglichkeit von vielen. Eine Alternative sind Sicherheitssysteme, die das Auto noch vor dem Einbruch schützen.

Wie groß ist der Schaden durch Autodiebstähle?

In Sachsen gingen die Diebstahlszahlen zuletzt zurück. Im Jahr 2017 wurden laut Innenministerium 2503 Fälle erfasst (inklusive 594 Versuche). Das waren 13 Prozent weniger als 2016. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) beziffert die durchschnittliche Entschädigungssumme auf 16.416 Euro. Für Deutschland insgesamt verursachten Kriminelle demnach einen wirtschaftlichen Schaden von 520 Millionen Euro.

Welche Marken werden am häufigsten gestohlen?

Seit vielen Jahren führen die Fahrzeuge des VW-Konzerns die Diebstahlstatistik an. Tom Bernhardt, Sprecher des Landeskriminalamtes Sachsen (LKA), erklärt dies mit dem Fakt, dass VW auch am meisten gefahren wird und dadurch einen hohen Stellenwert auf dem Gebrauchtwagen- und Teilemarkt hat. Auf den vorderen Plätzen tauchen ihm zufolge auch Toyota, Mazda, BMW, Ford, Opel und Mercedes auf. Setzt man die Anzahl der gestohlenen Fahrzeuge in Relation zur Anzahl der zugelassenen Fahrzeuge, dann liegen allerdings exklusive Modelle auf den vorderen Plätzen. Besonders beliebt sind hochwertige SUV wie die X-Reihe von BMW, die Lexus-RX-Modelle und Boliden wie der Q7 von Audi.

Was weiß man über die Diebe?

Von den Fällen, bei denen der Weg der Diebe nachvollzogen werden konnte, tauchten viele Fahrzeuge in Osteuropa wieder auf, sagt LKA-Sprecher Bernhardt. "Zum Teil werden die gestohlenen Autos aber auch bereits in Deutschland zerlegt und dann abtransportiert. Ein Teil der Fahrzeugteile wird übers Internet vertrieben."

Wie gehen die Diebe vor?

Es seien mehrheitlich keine Einzeltäter, die einfach eine Scheibe einschlagen und losfahren, sagt LKA-Sprecher Bernhardt. Heutzutage würden Täter in Bandenstrukturen arbeiten und seien jeweils auf einen Arbeitsschritt spezialisiert: "Aufklärung, Öffnung, Überwindung der elektronischen Sperren, Abtransport und Verwertung." Um möglichst wenig Schaden beispielsweise durch Aufbrechen der Schlösser zu verursachen, sei Hightech das Mittel der Wahl. Auf Details will der LKA-Sprecher aus ermittlungstaktischen Gründen nicht eingehen.

Tun die Hersteller zu wenig für den Diebstahlschutz?

Der ADAC fordert, dass die Autohersteller zeitgemäße Sicherungstechnik einbauen und diese ständig in Zusammenarbeit mit dem Landes- oder Bundeskriminalamt weiterentwickeln. Das LKA verweist darauf, dass die Kriminellen komfortable Massenlösungen wie Keyless-Systeme (ohne Schlüssel) bevorzugen. "Die Täter versuchen, an Musterexemplaren die Technik zu überwinden oder zu manipulieren", erklärt Sprecher Bernhardt. Gelingt das, könnten sie ihr Wissen in großem Umfang einsetzen. Die Kriminellen investierten dafür durchaus viel Zeit und Geld. Wenn sie einmal das Know-how hätten, führe dies zum Zugriff auf bestimmte Fahrzeugmodelle im größeren Umfang. Das sei auch der Grund, warum regional meist baugleiche Typen gestohlen werden.

Warum sind gerade Keyless- Systeme so unsicher?

Der ADAC hat in Tests mit 180 verschiedenen Modellen zeigen können, wie leicht sich Autos mit Keyless-Systemen knacken lassen. Bei diesen Systemen brauchen die Fahrer zur Türentriegelung keine Tasten mehr auf dem Funkschlüssel drücken. Besonders problematisch: Mit einer selbst gebastelten Funkverlängerung kann das Signal des Schlüssels verlängert werden. Ein Dieb verstärkt dafür das Funksignal in der Nähe des Originalschlüssels, sein Komplize kann nun die Wagentüren öffnen und den Motor starten. Laut ADAC lässt sich das Funksignal des Schlüssels problemlos über mehrere hundert Meter verlängern.

Wie können sich Autobesitzer mit Keyless-Systemen schützen?

Der ADAC empfiehlt Strahlenschutzetuis oder -dosen. Diese sollen den Schlüssel so abschirmen, dass keine Funkverlängerung mehr möglich ist. Die Preise liegen zwischen zehn und 30 Euro.

Wie kann ich mein Auto ansonsten vor Diebstahl schützen?

Sicherheitskräfte raten, das Auto in einer Garage oder auf einem nichtöffentlichen Parkplatz zu parken. Ist das nicht möglich, dann sollte man gut beleuchtete und belebte Straßen wählen. Die Polizei empfiehlt außerdem, die vorhandenen Sicherheitsvorrichtungen im Auto durch individuelle elektronische und mechanische Vorrichtungen zu ergänzen. "Im Gegensatz zu serienmäßigen Einbauten sind diese dem Täter nicht bekannt. Er muss suchen, finden und überwinden. Das kostet Zeit und erhöht damit das Entdeckungsrisiko", sagt Tom Bernhardt. Selbst eine einfache Lenkradkralle könne diesen Effekt erzielen.

Welche elektronischen Diebstahlsschutz-Systeme gibt es?

Weit verbreitet sind GPS-Traccker. Dabei wird ein kleines Modul versteckt im Fahrzeug abgelegt. Es übermittelt auf Anfrage etwa per Smartphone den Standort des Fahrzeuges. Teilweise geben diese Systeme auch automatisch Alarm bei Erschütterung oder beim Verlassen einer bestimmten Geo-Zone. Das Problem: Die Systeme werden von den Dieben meist schnell entdeckt und wirkungslos gemacht, warnt der ADAC. Generell ist der Einsatz zusätzlicher Alarmanlagen möglich, die versteckt im Auto montiert werden und - je nach Sensor - bei Bewegungen im Fahrzeug, Erschütterung, Glasbruch und Neigungsänderung Alarm auslösen können.

Welche mechanischen Systeme gibt es?

Neben einer Lenkradkralle gibt es noch die Möglichkeit einer Parkkralle, Ventilwächter, Lenksäulen- und Schalthebelsperren. Sie haben eine abschreckende Wirkung und bringen zumindest einen Zeitvorteil, wie der ADAC erklärt. Aber sie haben auch Nachteile: Wegen ihrer umständlichen Montage werden sie oft vergessen. Außerdem sollten sie während der Fahrt sicher verwahrt werden, damit die schwere Metallkonstruktion bei einem Unfall oder einer Vollbremsung nicht zum gefährlichen Wurfgeschoss wird, warnt der ADAC.

Kasko zahlt nicht immer voll

Bei einem Autodiebstahl kommt die Teilkasko-Versicherung ins Spiel. Anders als bei den meisten Schäden in der Kfz-Versicherung haben Betroffene allerdings keine Woche Zeit, um den Verlust zu melden, warnt das Verbraucherportal Finanztipp. Sofort, nachdem der Diebstahl bemerkt wurde, muss Anzeige bei der Polizei erstattet werden. Gleich danach müssen die Betroffenen ihre Kfz-Versicherung informieren - am einfachsten telefonisch über die Schaden-Hotline. Außerdem ist es wichtig, das Fahrzeug bei der Zulassungsstelle abzumelden.

Taucht das Fahrzeug innerhalb eines Monats wieder auf, muss es der Besitzer zurücknehmen. Erst nach einer Frist von vier Wochen zahlt die Versicherung - allerdings nur den Wiederbeschaffungswert, der den Kauf eines vergleichbaren Autos mit ähnlich vielen Kilometern ermöglichen soll. Falls der Besitzer bei einem neuen Auto eine Neuwertentschädigungsklausel beantragt hat, bekommt er unter Umständen den vollen Preis erstattet.

Die Versicherung zahlt nur begrenzt bei grober Fahrlässigkeit des Fahrers. Das ist beispielsweise der Fall, wenn man den Autoschlüssel so aufbewahrt, dass die Diebe ihn leicht finden können. Die Zeitschrift Test der Stiftung Warentest führt beispielsweise einen Fall auf, bei dem eine Mitarbeiterin eines Pflegeheims den Schlüssel in einem Korb im Pausenraum liegenließ. Ihr Auto wurde gestohlen, und sie bekam 50 Prozent weniger erstattet.

Handelt der Fahrer nicht grob fahrlässig, ist es egal, wie einfach ein Fahrzeug gestohlen wurde. Wird ein Auto mit einem Keyless-System geknackt, finden sich auch keine typischen Einbruch- oder Diebstahlspuren. "Auf den Versicherungsschutz hat das keine Auswirkungen", sagt eine Sprecherin des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft. "Schließlich zahlt die Kaskoversicherung auch, wenn das Auto nicht wieder auftaucht und somit auf solche Spuren nicht untersucht werden kann." (rnw)

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