Wahrzeichen wird weiterhin gebraucht

Der Wasserturm in Limbach-Oberfrohna wurde vor 90 Jahren gebaut. Seine Bedeutung für die Versorgung der Stadt hat abgenommen, verzichtbar ist er aber nicht. Sogar Pinguine profitieren von ihm.

Limbach-Oberfrohna.

Wassertürme sind nichts Ungewöhnliches, es gab und gibt sie fast in jeder größeren Stadt. In kaum einem anderen Ort hat eines dieser Bauwerke aber eine solche identitätsstiftende Wirkung wie in Limbach-Oberfrohna. Der markante Wasserturm mit achteckigem Grundriss, dessen Fertigstellung sich 2017 zum 90. Mal jährt, ist das Wahrzeichen der Stadt. Das gesamte Plattenbau-Wohngebiet, das zu DDR-Zeiten südlich der Innenstadt hochgezogen wurde, trägt im Volksmund seinen Namen. Genauso verhält es sich mit dem benachbarten Pflegeheim, einer Kita und der Grundschule, die 2014 geschlossen wurde und demnächst abgerissen werden soll. Die ideelle Bedeutung des Wasserturms ist also groß. Und die funktionale?

"Es gab eine kurze Diskussion, ob wir den Wasserturm noch brauchen", erinnert sich Volker Ratz, Abteilungsleiter beim Regionalen Wasserzweckverband Lugau-Glauchau. Das war Mitte der 1990er Jahre. Damals wurde ein sogenannter Hochbehälter auf dem Krämerberg in Betrieb genommen, der sich zwischen Pleißa und Chemnitz-Rabenstein befindet. Dort wird seitdem aufbereitetes Wasser aus der Talsperre Eibenstock gesammelt und anschließend auf die Haushalte in Limbach-Oberfrohna verteilt. Der Wasserturm wurde damit obsolet - zumindest fast. Denn nach wie vor werden im Turm 400 Kubikmeter Trinkwasser vorgehalten - "zur Sicherheit, falls die Leitung vom Krämerberg mal kaputt ist", erklärt Ratz.

In einem solchen Fall könnte der Behälter, der unter dem Dach des Wasserturms untergebracht ist, aber nur kurz für Entlastung sorgen. Denn pro Tag verbrauchen Privathaushalte und Unternehmen in der Stadt ein Vielfaches des Fassungsvermögens, nämlich 2700 Kubikmeter. "Als der Wasserturm 1926/27 gebaut wurde, waren die 400 Kubikmeter üppig bemessen", beschreibt Ratz die Entwicklung beim Wasserverbrauch.

Die Trinkwasser-Reserve für den Notfall ist aber nicht die einzige Daseinsberechtigung des Wasserturms. Etwa 20 Meter weiter unten, im Keller des Gebäudes, befindet sich ein weiterer Behälter, der allerdings mit Brauchwasser gefüllt ist. "Dessen Nitratgehalt ist für die strengen Trinkwasser-Standards zu hoch", erläutert Ratz. Das Brauchwasser findet einige Abnehmer, weil es nach Angaben des 59-jährigen gelernten Bergbauingenieurs günstiger als Trinkwasser und zudem nicht gesundheitsgefährdend ist, wenn man damit in Kontakt kommt oder versehentlich doch einen Schluck trinkt. So fließen 100 Kubikmeter des Brauchwassers täglich zur Firma Noon (ehemals Riedel Textil), wo es unter anderem zum Färben von Stoffen zum Einsatz kommt. "Auch der Tierpark nimmt Wasser von uns, um damit das Pinguinbecken zu füllen. Pinguine benötigen kein Trinkwasser", stellt Ratz fest.

Nachdem der Beschluss gefallen war, den Wasserturm zu erhalten, investierte der Wasserzweckverband große Summen. "Die Natursteinverblendung am Sockelgeschoss war eingestürzt, das Dach war undicht", verdeutlicht der Experte. In mehreren Etappen wurde das Bauwerk ab 1998 saniert, dabei erhielt die Fassade auch ihren originalgetreuen lachsfarbenen Anstrich zurück. Wenn Ratz den Wasserturm betrachtet, ist er begeistert von der Architektur, die auch Verzierungen aufweist. So sind an der Dachkante des Sockelgeschosses mehrere Tierköpfe angebracht, darunter Pferd, Fisch, Hund und Hirsch. Den Ort für den Bau hätten die Stadtväter mit Bedacht gewählt, sagt Ratz. Es handele sich um den höchsten Punkt des Ortes Limbach, der vor 90 Jahren noch nicht mit Oberfrohna vereinigt war. Deshalb seien kaum Pumpen nötig gewesen, um das Wasser zu den Verbrauchern zu bringen.

Die Geschichte des Wasserturms wird auch in einer Ausstellung beleuchtet, die sich im Erdgeschoss befindet, also zwischen den beiden Wasserbehältern. Hier sind sowohl geografische Skizzen zur Wasserversorgung als auch historische Geräte wie Zangen, Wasserzähler und Wasserrohre zu sehen. Ein Fest zum 90.Jahrestag der Fertigstellung, bei dem diese Schau gezeigt wird, ist allerdings nicht geplant. "Wir öffnen den Wasserturm manchmal zum Tag des Wassers im März oder zum Tag des offenen Denkmals im September", sagt Ratz. In diesem Jahr sei aber bislang kein solche Besuchsmöglichkeit vorgesehen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...