Warum ein Paar in das 18. Jahrhundert entführt

Bei der Greenfield-Reihe werden Besucher mit einer Theatergruppe durch den Grünfelder Park in Waldenburg geführt. Ist das nur der Spaß an Kostümen oder doch etwas mehr?

Waldenburg.

Das lange Kleid, die blonde Perücke, der Strohhut - wer Alexandra Thümmler am Samstagabend im Grünfelder Park in Waldenburg begegnet ist, fühlte sich entweder underdressed oder in eine andere Epoche versetzt. Erst recht, als dann noch ein Fürst samt Hofgesellschaft des Weges kam. Einige Spaziergänger und Jogger jedenfalls wirkten irritiert.

Die kleine Reise in die Zeit um 1780 war das erklärte Ziel von Alexandra Thümmler. Seit sieben Jahren findet unter ihrer Leitung die Reihe "Greenfield - Ein Sommernachtstraum" statt, bei der Besucher durch den Grünfelder Park geführt werden, den Fürst Otto Carl Friedrich von Schönburg zwischen 1780 und 1800 anlegen ließ. Wie sich der Fürst die Anlage vorstellte, das erfahren die Besucher von ihm selbst, genauer gesagt von Norman Köhler, der den Schönburger spielt. Denn die Führung ist eigentlich keine Führung, sondern vielmehr ein Freilufttheater mit wechselnden Orten - inklusive Publikumsbeteiligung. Da wird der junge Familienvater schon mal in die Garderobe des Dieners gesteckt und darf die Anweisungen von Hofrat Christian Wilhelm Walther ausführen.

Wie es zu der speziellen Parkführung gekommen ist? "Ich habe Führungen durch das Gelände schon vorher gemacht", sagt die Waldenburgerin. In Leipzig nahm sie mit ihrem Freund Thomas Lang an einem Kurs für Renaissance-Tanz teil und gründete darauf eine eigene Gruppe in Waldenburg. "Da kam die Idee auf: Wieso machen wir nicht eine Kostümführung im Park dazu?", so Thümmler.

Seit bei der Premiere 2010 mehr als 60 Leute kamen, ist die Veranstaltung fast ein Selbstläufer. "Die Kleider kommen zum Teil aus dem Kostümverleih, zum Teil aus unserem eigenen Besitz", sagt Thümmler. "Auch meine Mutter hat viel genäht." Jedes Jahr gibt es einen neuen Text. "Das Stück und die Personen sollen aber dennoch so nahe wie möglich an der Realität sein."

Wenn es um historische Korrektheit geht, ist Thümmler die Expertin. Die Historikerin, die im Waldenburger Museum arbeitet, hat jahrelang zur Grafenfamilie Schönburg geforscht. Im Mittelpunkt stand der Grünfelder Park und die Frage, wie dieser früher aussah. Viele Monumente von einst sind inzwischen verschwunden. Auch das Sommerschloss steht nicht mehr. Welchen Farbanstrich das Badehaus früher hatte? Bei der Parkführung werden solche Themen aufgegriffen. "Schwarze Farbe? Was hat er sich dabei gedacht?", fragt Fürst Schönburg seinen Hofgärtner Eichen. "Also ... das war vorhin noch nicht so", sagt dieser nicht nur einmal an diesem Abend. Die Geschichte des Parks den Besuchern näher zu bringen, das ist das eigentliche Anliegen von Thümmler und den mitwirkenden Laiendarstellern. Und Unterhaltung ist dabei neben der Information ausdrücklich erlaubt. "Ich will nicht, dass meine Forschung in einer Kiste verschwindet", sagt die 36-Jährige. Wer Geschichte vermitteln will, muss eben auch mal raus aus dem Elfenbeinturm. Und rein in den Park. Und ins Kostüm. Für letzteres hat Thümmler einen Faible, wie sie zugibt. "Die Porträts von Victoria Albertine, einer Tochter von Otto Carl Friedrich, und ihre Kleidung darauf haben mich schon fasziniert." Und so genießt es Thümmler auch etwas, ein paar Mal im Jahr als Dame des 18. Jahrhunderts durch den Park zu flanieren. Ein Vergnügen, dem Fürst Otto Carl Friedrich von Schönburg übrigens nur kurz nachgehen konnte. Er starb im Alter von 42 Jahren, nur wenige Jahre nachdem das Gros der Anlage fertiggestellt war.

Die nächste Führung der Greenfield-Reihe findet am 25. August um 19 und 21 Uhr statt. Karten gibt es beim Tourismusamt Waldenburg, Ruf 037608 21000.

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