Wo zauberhafte Welten entstehen

Bunt geht es auf dem Kunsthof in Eibenstock schon lange zu. Für den neuesten Farbtupfer sorgt eine Künstlerin aus Aue.

Eibenstock.

Innig umschlungene Paare, mit Bäumen verwachsene Menschen, ein Gesicht, das einer Blüte entwächst, Feen in zauberhaften Landschaften - wer sich die Bilder im Atelier von Elena Hatzel anschaut, wähnt sich in eine Traumwelt versetzt. Erklären mag die 45-Jährige das von ihr Gemalte nicht. "Wenn ich ein Bild fertiggestellt habe, ist für mich damit alles gesagt", erzählt sie. Schon als sie als Schülerin ihre erste Ausstellung hatte, damals noch in ihrer russischen Heimat, war für sie "die ganze Fragerei einfach komisch." Danach wollte sie eine Zeit lang erst einmal nichts mehr von ihrer Malerei der Öffentlichkeit präsentieren. Auch heute noch gilt für Elena Hatzel: "Es sollte jedem freigestellt sein, was man darin sieht. Für mich ist interessanter, was andere Leute dazu sagen."

Seit diesem Jahr hat die Künstlerin ihr Atelier auf dem Kunsthof in Eibenstock. Dort gibt sie Malkurse, und in wenigen Wochen wird sie dort auch hinziehen. Das Häuschen mitten auf dem Kunsthof war mal ein Schuppen, eins von vielen Gebäuden der ehemaligen Sticktex Eibenstock, die Kerstin und Wolf-Dietrich Schreier nach und nach ausbauen, seit sie 2007 das gesamte Gelände erworben haben. War die Fassade vom künftigen Zuhause von Elena Hatzel ursprünglich grau, so wird sie nach Fertigstellung orange sein und sich damit einfügen in das bunte Gebäudeensemble, das vor allem geprägt ist durch das Hundertwasser-Haus an der Ludwig-Jahn-Straße.

Unvermeidlich tauchen im Gespräch mit der Künstlerin Naturgeister und Märchenfiguren auf. Sie bekennt, dass sie als Kind fasziniert war von den Illustrationen zu Alexander Wolkows "Der Zauberer der Smaragdenstadt" und Antoine de Saint-Exuperys "Der kleine Prinz". Auch Puschkin, E. T. A. Hoffmann und Andersen haben sie inspiriert. Elena Hatzel hat den Beruf eines Modegestalters erlernt. Das war noch in Russland, wo sie später auch in Textilbetrieben arbeitete. Dass sie 1991 nach Deutschland kam, lag wiederum an der Mutter, die vor ihr hier sesshaft geworden war. Nach verschiedenen Wohnorten kam sie schließlich nach Aue. Während der Zeit, die sie wegen ihrer Kinder zuhause blieb, kam ihr der Gedanke, sich als Künstlerin selbstständig zu machen. Das ist sie nun seit 2005.

Und ist es nun eine brotlose Kunst? "Es ist nicht leicht, genauso viel mit Arbeit verbunden. Wenn man überleben will, muss man immer da sein, immer klappern", sagt sie. Sie sehe die Malerei eher als Berufung. "Ich sehe, wie viel Freude meine Bilder machen. Ich will damit zeigen, dass die Welt auch schön ist, wenn schon alle anderen immer nur davon reden, dass sie hart ist und Kampf bedeutet. Meine Aufgabe sehe ich darin, die Menschen an den Zauber, der uns umgibt, zu erinnern."

In ihren Malkursen hat die 45-Jährige die Erfahrung gemacht, dass man über die Bilder ins Gespräch zu seelischen Befindlichkeiten kommt. Daraus hat sie ein weiteres berufliches Standbein entwickelt, sie bietet Lebensberatung an. Die Zusatzausbildung habe sie auch gemacht, um den eigenen Horizont zu erweitern und "um helfen zu können".

Für ihr zukünftiges Leben, das seinen Mittelpunkt dann in Eibenstock haben wird, stellt sich die Künstlerin vor, ihr Angebot an Kursen zu erweitern. Auf dem Kunsthof gibt es Ferienwohnungen. "Wer hier Urlaub macht, kann ganz spontan bei mir anfragen, dann könnte man sich in seiner freien Zeit auch kreativ betätigen", sagt sie. Auch Workshops an Wochenenden wären möglich.

Was sie tut, ist gedacht "für Menschen, die ihrer Weltensicht und ihrer Fantasie trotz schmalen Geldbeutels gestalterisch Ausdruck geben wollen". Atelier und Wohnhaus am gleichen Ort bieten ihr optimale Bedingungen.

Gut möglich, dass sich in Eibenstock eine Künstlerkolonie entwickelt. Elena Hatzel würde das begrüßen. "Je mehr verschiedene Angebote es hier gibt und je lebendiger alles ist, umso mehr Leute kommen her", ist sie überzeugt.

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