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Bitcoin war die Urversion der mehreren hundert Kryptowährungen, die es inzwischen weltweit gibt. Die seit 2009 fortgeschriebene Blockkette hat sich am 1. August zum ersten Mal dauerhaft gespalten. Die neu entstandene Währung Bitcoin Cash hat sich umgehend etabliert und wird an den einschlägigen Börsen gehandelt. Bitcoins sind digital, sie haben keinen inneren (Material-)Wert. Die Münze im Foto ist ein Sammlerobjekt.

Foto: Jens Kalaene/dpa

Bitcoin: Wundersame Geldvermehrung

Die wichtigste Kryptowährung der Welt hat einen Ableger bekommen. Bitcoin-Besitzer verfügten plötzlich über einen Geldbetrag in Bitcoin Cash, den sie für normale Euros verkaufen konnten.

Von Ronny Schilder
erschienen am 11.08.2017

Chemnitz. Nach der Abspaltung einer neuen Kryptowährung vom Klassiker Bitcoin vor zwei Wochen ist der Marktwert beider Währungen inzwischen größer als zuvor bei Bitcoin allein. Das ist bemerkenswert, weil selbst Experten erwartet hatten, dass Bitcoin durch die Abspaltung einen Teil seines Wertes verliert. Stattdessen hält sich der Bitcoin-Kurs bei mehr als 3000 Euro. Bitcoin Cash war zwischenzeitlich fast 1000 Euro wert. Inzwischen liegt der Kurs bei mehr als 200 Euro.

Erfahrungen zur Aufspaltung der Bitcoin-Kette lagen nicht vor: Die Abspaltung (hard fork) vom 1. August war die erste ihrer Art, sagte Andreas Ittner, Professor für Informatik und Verteilte Informationssysteme an der Hochschule Mittweida. Eine anders motivierte Abspaltung gab es bereits einmal bei Ethereum, der zweitwichtigsten Krypto-Währung, die allerdings eher für andere Anwendungen wie smarte Verträge konzipiert wurde. Mit der Abspaltung sollte ein Hacker-Angriff pariert werden. Eine Minderheit der Entwickler verweigerte sich der Reparatur und führte die Ursprungskette als Ethereum Classic weiter. "Von diesem Vorgang abgesehen, gab es das noch nie, dass zu einer bestehenden Währung eine Parallelwährung hinzutritt", so Ittner.

Es war wie ein Geldregen für die Inhaber von Bitcoin-Guthaben: Am 1. August sahen sie sich urplötzlich im Besitz eines zusätzlichen Guthabens in der Währung "Bitcoin Cash", ohne dass ihr Ursprungsguthaben an Wert verlor. Viele machten offenbar ihr neues Guthaben zu Euro-Geld, als der Bitcoin-Cash-Kurs binnen Stunden immer höher stieg. Die Kurse aller wichtigen Kryptowährungen verzeichnen zurzeit fortwährend Allzeithochs, sagt Andreas Ittner. Offenbar hat die Bitcoin-Abspaltung davon profitiert.

Bitcoin Cash entstand infolge eines Streits in der Bitcoin-Entwicklergemeinschaft. Im Mittelpunkt stand eine technische Vorgabe des Bitcoin-Erfinders Satoshi Nakamoto, dessen Name ein Pseudonym und dessen Identität bis heute unbekannt ist. Nakamoto hatte die Größe eines Datenblocks, der wie ein Container die einzelnen Transaktionsdaten aufnimmt, auf ein Megabyte begrenzt. Anfangs war das mehr als genug. Wegen des steigenden Handelsvolumens mit Bitcoin erwies sich die aktuelle Struktur zunehmend als hinderlich.Jene Gruppe, die Bitcoin Cash von Bitcoin abgespalten hat, entschied sich für die Lösung, die Containergröße zu erhöhen. Es soll sich dabei um Entwickler handeln, die sich um einen chinesischen Minerpool scharen. Miner sind Nutzer mit herausgehobener Stellung im Bitcoin-Netzwerk. Mit gewaltiger Rechnerpower gewährleisten sie die Funktionsfähigkeit des Systems. Chinesische Miner profitieren von niedrigen Energiekosten, günstigen Klima- und Standortbedingungen. So gelingt es ihnen, in dezentralen Netzwerken an Macht zu gewinnen und, wie bei Bitcoin Cash, Richtungsentscheidungen zu beeinflussen. "Die Abspaltung war angekündigt und erfolgte in geplanter Art und Weise - wie bei einer Scheidung im gegenseitigen Einvernehmen", sagt Ittner.

Andreas Ittner - Informatikprofessor Hochschule Mittweida
 

Bei Bitcoin Cash soll ein Block nun nicht mehr ein Megabyte, sondern bis zu acht Megabyte umfassen. Darin lassen sich mehr Transaktionsdaten verstauen, was einen Effizienzgewinn verspricht. Allerdings erschwert die Blockgröße die Verbreitung und Verarbeitung im Netzwerk, hebt Professor Ittner hervor. "Außerdem werden selbst Acht-Megabyte-Blöcke nicht genügen, den weltweiten Zahlungsverkehr in Bitcoin Cash abzuwickeln", sagt Professor Ittner. Dafür bräuchte man Container von mehreren hundert Megabyte, die nach derzeitigem Stand im dezentralen Netzwerk nicht zu verarbeiten wären. Ittner hält daher den Ansatz für sinnvoll, den die Bitcoin-Gemeinde im Gegensatz zur Bitcoin-Cash-Gruppe verfolgt: die Software zu verbessern und dadurch mehr Transaktionen in die Ein-Megabyte-Container zu verpacken.

Bei Bitcoin Cash sind bisher Blöcke von bis zu 4,6 Megabyte Größe aufgetaucht. Die Höchstkapazität wird längst nicht ausgeschöpft. Viele Container erreichen nicht einmal ein Megabyte. Trotzdem ist der Markterfolg der Neuschöpfung erstaunlich. Offenbar ist das Vertrauen vieler Menschen in Kryptowährungen so groß, dass ihr Siegeszug weltweit anhält.

Andreas Ittner schließt nicht aus, dass die erfolgreiche Abspaltung weitere Aktivitäten dieser Art auslöst: "Man schart entsprechende Rechenpower um sich und macht das wieder." Ein Kursgewinn wie bei Bitcoin und Bitcoin Cash ist allerdings nicht immer zu erwarten. "Wie Papiergeld haben Kryptowährungen keinen inneren Wert. Ihr Kurs ist ganz extrem, einzig und allein von der Nachfrage abhängig. Die Zahl der Bitcoins und auch der Bitcoins Cash ist begrenzt, auf 21 Millionen, wie von Nakamoto festgelegt. Solange die Leute den Währungen vertrauen, steigt ihr Kurs. Alles könnte aber auch ganz schnell einmal ins Rutschen kommen."

Wer sich trotz allem nicht scheut, in Bitcoins zu investieren, sollte laut Ittner darauf achten, welche Entwicklergemeinschaft hinter einer Währung steht. Scharlatane könnten eine eigene Währung starten und durch gutes Marketing dafür sorgen, dass man sie für fundierter hält, als sie ist.

Bitcoin-Nutzer, die bereits ein "Wallet", also eine elektronische Geldbörse mit Bitcoins hielten, lernten Anfang August dazu: Nach der Abspaltung von Bitcoin Cash kamen sie unter Umständen nicht an diesen zweiten Strang heran, weil ihre Software die größeren Blöcke nicht verarbeiten konnte. Andreas Ittner rät, in einer solchen Situation die privaten Schlüssel für die eigenen Bestände auszudrucken und sicher zu verwahren. Sie ließen sich dann später wieder importieren und können nicht verloren gehen.

An Ittners Hochschule in Mittweida ist für Herbst ein Workshop zu jener Technologie geplant, die dem Bitcoin-System und damit letztlich dem Erfolg der Kryptowährungen zugrunde liegt: Blockchain. Ein für Herbst angekündigter Workshop der Hochschule stößt laut Ittner auf weltweites Interesse. Mit Fachkollegen und Partnern aus Forschung und Wirtschaft hatte Ittner im Juli ein Kompetenzzentrum gegründet, das die Möglichkeiten und Risiken von Blockchain untersucht.

https://www.bitcoincash.org/

 
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