Paketdienste fordern Extrageld für Lieferungen bis zur Haustür

Der stark wachsende Onlinehandel bereitet den Firmen zunehmend Probleme. Das Weihnachtsgeschäft verschärft die Probleme.

Chemnitz.

Für Lieferungen bis zur Haustür sollen Paketkunden nach Ansicht mehrerer Lieferdienste künftig einen Aufschlag zahlen. "Es kann so kommen, dass die Paketdienste standardmäßig an den Paketshop liefern und die Lieferung zur Haustür dann zum Beispiel 50 Cent kostet", sagte der Geschäftsführer des Paketdienstes DPD, Boris Winkelmann. Grund ist eine wachsende Paket- und Päckchenflut, weil die Verbraucher immer häufiger im Internet einkaufen. Wurden damit 2005 noch 6,4 Milliarden Euro umgesetzt, so sind es mittlerweile 48,7 Milliarden Euro. In den kommenden Jahren wird sogar noch mit einer weiteren Zunahme gerechnet.

Zu bewältigen sind dabei neben den Zustellungen der Pakete auch die Retouren. Weil diese größtenteils kostenlos sind, kaufen zahlreiche Kunden mehrere Produkte, wählen das für sie passende aus und schicken die nicht gewünschten zurück. Vor allem bei Bekleidung liegt die Retourenquote deutlich über 40 Prozent. Bei jungen Frauen zwischen 18 und 24 Jahren soll sie sogar bis zu 80 Prozent betragen.

Vor allem in der Weihnachtszeit steigt das Paketaufkommen jedoch noch einmal stark an. An normalen Tagen werden etwa zehn Millionen Pakete von den Dienstleistern transportiert. Zum Jahresende in diesem Jahr werden es wahrscheinlich 15 Millionen Pakete täglich sein.

Um diese Menge bewältigen zu können, haben die Paketdienste stark investiert. Es wurden zusätzliche Fahrzeuge angeschafft und auch massiv Personal eingestellt. Insgesamt plant die Branche in diesem Weihnachtsgeschäft mit bis zu 25.000 befristet Beschäftigten. Das reicht aber offenbar nicht. "Wir brauchen dringend große Paketshops und Mikrodepots in den urbanen Räumen, die alle Paketdienste nutzen können", sagte der Chef von DPD-Konkurrent Hermes, Frank Rausch.

Die bundesweite Nummer zwei bei der Paketlieferung erwartet in diesem Jahr ein Weihnachtsgeschäft, das die gesamte deutsche Logistikbranche vor eine Kraftprobe stellen wird. Hermes selbst rechnet dabei mit dem mengenstärksten Weihnachtsgeschäft der Firmengeschichte. An den dichtesten Tagen werden rund 2,2 Millionen Pakete ausgeliefert. Das Unternehmen hat deshalb mit den großen Onlinehändlern Obergrenzen ausgehandelt. Sind diese erreicht, werden keine weiteren Pakete mehr angenommen.

Viele Internetversender haben ihrerseits Vorsorge getroffen und arbeiten mit mehreren Paketdienstleistern zusammen. "Für unsere Kunden haben solche Obergrenzen keine Bedeutung", sagt denn auch ein Sprecher des weltweit größten Onlinehändlers Amazon. Die Mehrzahl der Amazon-Pakete wird von DHL geliefert. Der bundesweit größte Paketdienst rechnet an den Tagen direkt vor Heiligabend mit über 8,5 Millionen Paketsendungen täglich und hat dafür etwa 10.000 zusätzliche Aushilfskräfte eingestellt. "Einen Zuschlag für das Weihnachtsgeschäft oder Obergrenzen für unsere Großversender haben wir aktuell nicht geplant", sagte Sprecherin Dunja Kuhlmann.

Die Verbraucherzentrale sieht Maßnahmen wie Obergrenzen kritisch und will diese auf ihren Nutzen für die Verbraucher überprüfen. "Wir raten unabhängig von der diskutierten Obergrenze in jedem Fall, so früh wie möglich entsprechende Bestellungen aufzugeben", sagt eine Sprecherin.

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