545.000 Liter Sachsen-Wein sind belastet

15 Prozent der Weine, die 2015 im Elbtal gekeltert wurden, sind unverkäuflich, weil in ihnen Insektengift gefunden wurde. Bei der Aufklärung des Skandals sind die Behörden nun einen Schritt weitergekommen.

Dresden.

Schwierige Zeiten für Sachsens Winzerschaft: Seit dem Bekanntwerden von Insektengift-Rückständen im Wein Ende Januar steckt die Branche in den Schlagzeilen. Fest steht, dass diverse Weine von drei Kellereien betroffen sind, darunter mit der Winzergenossenschaft Meißen ein Großbetrieb. Allein aus dem Jahrgang 2015 sind gut 380.000 Liter Wein vom Dornfelder über Goldriesling bis zum Weißburgunder belastet. Und somit unverkäuflich, denn der Wirkstoff Dimethoat - ein hochwirksames Insektengift - ist im Weinbau hierzulande verboten. Hinzu kommen knapp 165.000 Liter 2014er Wein, wie aus einer Antwort von Agrarminister Thomas Schmidt (CDU) auf eine Kleine Anfrage der Linken-Abgeordneten Jana Pinka hervorgeht. In Summe sind damit 545.000 Liter betroffen, von denen die Lebensmittelüberwachung mit Stand 23. März "Kenntnis hat" hat, wie es heißt.

Um möglicherweise verloren gegangenes Verbrauchervertrauen zurückzugewinnen, hat das Verbraucherschutzministerium ein Überwachungsprogramm aufgelegt. In den nächsten Wochen sollen bei etwa 40 Erzeugern Proben entnommen werden. Die Ergebnisse sollen bis Ende September vorliegen. Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfUG) hat zudem angekündigt, seine Pflanzenschutzkontrollen auszudehnen, vor allem in der Zeit vor der Lese. "Es muss jeder damit rechnen, dass wir vor seiner Tür stehen", sagte Jörg Müller von Berneck, Referatsleiter im LfUG. Man wolle so Druck aufbauen, damit sich auch alle Betriebe "rechtskonform" verhalten.

Die Affäre ist Mittwoch auch Thema im Landtag - auf Antrag der Linken. Die fordern das Land auf, ein Hilfsprogramm für betroffene Winzer und Betriebe aufzulegen. Auch soll das Land einen Ursachen- und Folgenbewältigungsbericht erstellen. Man wolle erreichen, dass der Landtag "der Regierung ins Stammbuch schreibt, was sie zu tun und nachzuholen hat, damit der sächsische Wein bald wieder den ihm zustehenden guten Ruf genießt", erklärte Fraktionschef Rico Gebhardt und übte Kritik an den Behörden, die sich aus seiner Sicht nicht rechtzeitig um Schadensbegrenzung bemüht hätten. Weder Weinbauverband noch Ministerium wollten sich dazu äußern. Ein Ministeriumssprecher verwies auf die Landtagssitzung, wo man das tun werde.

Das LfUG ist derweil bei der Aufklärung einen Schritt weitergekommen. Bei Kontrollen wurden erstmals auch Proben aus der Rinde der Rebstöcke entnommen. Damit sollte der Beweis erbracht werden, dass die in Keltertrauben gefundenen Dimethoat-Rückstände nicht durch Abdrift verursacht wurden. Bei zwei Traubenerzeugern konnten die Behörden "sehr hohe Rückstandswerte" nachweisen. Das sei nur durch eine direkte Anwendung erklärbar. Im Wein der Betriebe waren bereits Spuren nachgewiesen worden. Diese hätten sie laut LfUG aber damit erklärt, dass das Gift auf benachbarten, nicht für den Weinbau benutzten Flächen versprüht worden sei. Da auch dies unzulässig ist, war gegen beide Weinbauern bereits ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet worden. Das habe man nun um den Vorwurf "der Anwendung eines im Weinbau verbotenen Pflanzenschutzmittels erweitert".

Weinbau im Elbtal: Belastete Weine liegen teilweise über dem zehnfachen Grenzwert

Bei dem Insektizid Dimethoat handelt es sich um ein Nervengift. Rückstände lassen sich laut Verbraucherschutzministerium im Labor ab einem Wert von 0,01 Milligramm nachweisen. Da der Wirkstoff im Weinbau aber verboten ist, dürfen Weine, die diesen Wert überschreiten, nicht in Verkehr gebracht werden. Bei den betroffenen Weinen wurden demnach Werte gemessen, die teilweise deutlich über dem Zehnfachen lagen. Es bestehe dennoch keine Gesundheitsgefahr, hieß es. Ins Rollen kam der Skandal, nachdem am 10. September bei einer Stichprobenkontrolle im Weingut Jan Ulrich bei Goldriesling-Trauben von einem Zulieferer Rückstände von 0,75 Milligramm Dimethoat pro Kilogramm festgestellt wurden. Öffentlich wurde das erst im Januar.

Sachsens Winzer haben 2015 rund 2,47 Millionen Liter Wein gekeltert. Die 464 Hektar Weinberge werden sehr kleinteilig bewirtschaftet. 99 Prozent der 2368 Winzer sind Kleinwinzer, die meist an größere Betriebe wie die Genossenschaft liefern.

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2Kommentare
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  • 0
    6
    aussaugerges
    16.04.2016

    Sind das aber nicht die westdeutschen Besitzer an Gund und Boden ? ? ?

  • 0
    0
    MoritzvonMax
    15.04.2016

    Aber hallo, .... Betrüger subventionieren?!



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