Bahn lehnt Weiterführung von Intercity bis Chemnitz vorerst ab

Künftig rollen IC-Züge aus dem Ruhrgebiet bis nach Gera. Die Linie nach Chemnitz zu verlängern, sei nicht vertretbar, sagt die Bahn - gibt aber zugleich ein Versprechen.

Chemnitz.

Ende 2018 wird Gera wieder an das IC-Netz angebunden. Die ostthüringische Stadt wird dann täglich von drei IC-Zugpaaren angesteuert, die aus Dortmund kommen beziehungsweise via Erfurt und Kassel dorthin fahren. Theoretisch könnte die Deutsche Bahn diese Intercitys auch bis in die nächst gelegene Großstadt weiterrollen lassen - nach Chemnitz. Eine solche Forderung hatte der Grünen-Verkehrspolitiker Stephan Kühn kürzlich aufgemacht - und Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) aufgefordert, sich dafür einzusetzen.

Für die Bahn ist das derzeit allerdings kein Thema. Sie lehnt eine Verlängerung ab - vorerst. Eine Anbindung von Chemnitz sei wirtschaftlich nicht vertretbar, erklärte ein Bahnsprecher auf Anfrage. Die Kosten stünden in "keinem vertretbaren Verhältnis zur potenziellen Kundennachfrage". Das liege im Wesentlichen am Mehrbedarf an Zügen, der sich aus einer Weiterführung der Linie ergebe.

Das Unternehmen sicherte jedoch zu: "Sobald die Elektrifizierung der Strecke steht, werden wir drei Zugpaare bis Chemnitz verlängern." Für die DB ist die Fahrt in das knapp 95.000 Einwohner zählende Gera noch umständlich, weil mit einem Lokwechsel verbunden. Zwischen Weimar und Thüringens drittgrößter Stadt fehlt noch der Fahrdraht, sodass auf Dieselloks umgespannt werden muss. Thüringen hatte sich jedoch für die IC-Verbindung eingesetzt - letztlich mit Erfolg.

Laut dem Verkehrsministerium in Erfurt wird mit den Planungen für die Elektrifizierung aber noch 2018 begonnen. Und auch für Eckart Fricke, Konzernbevollmächtigter der Bahn für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, ist die Ausrüstung der Strecke als Teil der sogenannten Mitte-Deutschland-Verbindung (MDV) "gesetzt", wie er dieser Tage erklärte. Der Auftrag dafür sei da. Das Geld für den Ausbau sei auch gesichert. Doch bis zur Realisierung werde es noch mehrere Jahre dauern. Man müsse ein klassisches Planfeststellungsverfahren mit öffentlicher Anhörung durchführen. Eine Aussage, wann die Strommasten auf der Strecke bis nach Gößnitz an der Grenze zu Sachsen stehen, will Fricke daher im Moment nicht wagen. Thüringens Verkehrsministerin Birgit Keller (Linke) hatte zuvor erklärt, sie rechne damit, dass die elektrifizierte Strecke 2025 in Betrieb geht. DB-Manager Fricke bezeichnete die Jahreszahl allerdings als "sehr sportlich".

Derzeit gibt es gar keine durchgehende Zugverbindung von Chemnitz nach Thüringen. Bis Ende 2011 existierte noch eine Regionalexpress-Linie, die über Gera bis nach Göttingen führte. Diese endet seitdem aber in Glauchau. Dort müssen Weiterreisende umsteigen.

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