Chemnitzer bringen chinesische Windkrafträder zum Rotieren

Das private Unternehmen EAAT begann vor 20 Jahren als Firma mit nur sechs Mitarbeitern. Heute fertigen 37 Beschäftigte unter anderem Bausätze für Fernost.

Wenn sich im fernöstlichen China die Flügel von Windkraftanlagen drehen, könnte es durchaus sein, dass Technologie aus Chemnitz in ihnen steckt. Denn das private Forschungsunternehmen Elektrische Automatisierungs- und Antriebstechnik (EAAT) entwickelt seit 2003 besondere elektrische Antriebe, mit denen die Winkel der Windräder-Flügel verstellt werden können. Von diesem speziellen Bausatz werden jährlich 3000 bis 5000 Stück hergestellt und zu einhundert Prozent über eine Partnerfirma nach China exportiert. Die Technologie dazu wurde in der vor 20 Jahren gegründeten Firma entwickelt.

Neben Antrieben für chinesische Windkrafträder zählen außerdem verschiedene Spannungs- und Stromquellen für unterschiedliche Anwendungsbereiche sowie sogenannte Frequenz-Umrichter für Lüfter zu den Fertigungsschwerpunkten. Frequenz-Umrichter sind elektronische Geräte, die aus Wechselstrom eine veränderbare Spannung erzeugen, mit der Drehstrommotoren betrieben werden können. Diese werden beispielsweise in Lagerhallen als Regler für die Belüftung verwendet.

Gegründet wurde das Unternehmen 1993 von Peter-Klaus Budig und dem promovierten Ingenieur Heinz Gräf. Budig war viele Jahre Professor an der Technischen Hochschule Chemnitz und später an der Universität. Gräf arbeitete im Forschungszentrum des Werkzeugmaschinenbaus Karl-Marx-Stadt. Ziel der beiden Ingenieure war es, die Entwicklung auf dem Gebiet der elektrischen Antriebstechnik voranzutreiben.

EAAT gehört den Firmen-Angaben zufolge zu den 20 Ausgründungen, die aus dem Forschungszentrum des Werkzeugmaschinenbaus Karl-Marx-Stadt hervorgegangen sind. Mittlerweile wurde das Unternehmen vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie als private Forschungseinrichtung anerkannt.

Anlässlich des Firmen-Jubiläums zog Mitbegründer Heinz Gräf gestern eine positive Bilanz der 20-jährigen Entwicklung. Gestartet war die Firma mit sechs Mitarbeitern. Heute beschäftigt sie 37 Angestellte sowie bis zu zehn Studenten jährlich. Laut Geschäftsführer Professor Heinz Steinbach wird ein Jahresumsatz von etwa fünf Millionen Euro erwirtschaftet - eine Zahl, die auch in Zukunft angestrebt wird. Gräf ist inzwischen 72 Jahre alt und arbeitet noch immer als Projektingenieur in der Firma. Mitbegründer Peter-Klaus Budig verstarb im November vergangenen Jahres.

Die Zusammenarbeit mit der Technischen Universität ist ein wichtiger Baustein des Erfolgs von EAAT. Seit der Firmengründung haben etwa 200Studenten auf diese Weise die Ausbildung durchlaufen, angefangen vom Praktikanten bis hin zum Diplomanden, meinte Steinbach. "Sie sind unser Rekrutierungspotenzial, darum unter- stützen wir die Universität und arbeiten mit Professuren wie der für Elektrische Energiewandlungssysteme und Antriebe zusammen", sagte Steinbach. In den TU-Laboren würden beispielsweise Experimente durchgeführt. Diese Zusammen- arbeit will EAAT künftig noch ausbauen.


Der Vater des Elektro-Trabis: Nach dem Ruhestand folgte die Firmengründung

Neustart: Mit 65 Jahren startete Professor Peter-Klaus Budig noch einmal durch. Nach seiner Emeritierung von der Technischen Universität (TU) 1993 gründete er die Firma Elektrische Automatisierungs- und Antriebstechnik (EAAT), die ihren Sitz seit 20 Jahren an der Annaberger Straße hat. Bis ins hohe Alter war er dort als Geschäftsführer tätig, bis er mit 84 Jahren nach schwerer Krankheit im November 2012 verstarb. Von 1966 bis zu seinem Ruhestand leitete Budig den Lehrstuhl für Starkstromtechnik, später Elektrische Maschinen und Antriebe an der Technischen Hochschule bzw. TU Chemnitz.

Pionierarbeit: Bereits 1968 wurde unter Budigs Leitung an der TH Karl-Marx-Stadt das erste Elektroauto der DDR, ein Trabant, entwickelt. Ab 1970 entstanden acht Barkas-Kleintransporter und mehrere Baumaschinen mit Elektromotoren unter der Leitung Budigs und seines Teams. Den letzten Barkas seiner Art übergab der damals 67-Jährige 1995 dem Industriemuseum.

Minister der Modrow-Regierung: Auch politisch war Peter-Klaus Budig engagiert. In den Jahren 1989 und 1990 war er in der Modrow-Regierung Minister für Wissenschaft und Technik - der einzige Minister einer DDR-Regierung aus der Stadt. Zudem war er seit 1949 in der Liberal-Demokratischen Partei, nach der Wende in der FDP tätig. (frkö)

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