Damit die Wohnung zum Alter passt

Jeder dritte Sachse wird 2030 älter als 65 sein. Bis dato müssten deshalb laut Wohnungswirtschaft mehr als 100.000 Wohnungen altersgerecht umgebaut werden. Doch wer soll das bezahlen, ohne dass die Mieten explodieren?

Dresden/Chemnitz.

Die Wohnungswirtschaft in Sachsen steht vor einer riesigen Herausforderung. Denn vor allem die Gruppe der über 80-Jährigen wird den Prognosen zufolge bis 2030 im Freistaat stark wachsen - und damit der Bedarf an Wohnungen, in denen diese älteren Menschen möglichst lange komfortabel und selbstbestimmt ihr Leben meistern können.

Hochrechnungen zufolge müsste die sächsische Wohnungswirtschaft in den kommenden Jahren deshalb Milliarden Euro in die Modernisierung investieren. Denn viele der 3-Raum-Wohnungen sind ab einem gewissen Pflegegrad völlig ungeeignet. Der Umbau einer einzigen Wohnung in eine geeignete 2-Raum-Wohnung mit Voreinrichtungen für Pflegeassistenzsysteme wie Bewegungsmelder und Notfallknopf verschlingt laut Verband der Sächsischen Wohnungsgenossenschaften (VSWG) aber schnell 30.000 Euro und mehr.

"Wenn wir diese Kosten für eine altersgerechte Modernisierung auf die Miete umlegen müssten, kämen wir auf 8 bis 8,50 Euro Kaltmiete je Quadratmeter", rechnet der VSWG--Vorsitzende Axel Viehweger vor. "6,50 Euro sind für den Großteil der Bevölkerung allerdings die absolute Obergrenze." Derzeit kostet nach VSWG-Angaben der Quadratmeter in einer der 275.000 Wohnungen der Verbandsmitglieder im Durchschnitt monatlich 4,72 bis 4,80 Euro kalt. 200 bis 300 Wohnungen haben die sächsischen Wohnungsgenossenschaften nach VSWG-Angaben bisher mit allen möglichen Assistenzsystemen ausgestattet. Fünf Pilotwohnungen in Leipzig und im mittelsächsischen Burgstädt sind jetzt hinzugekommen. Sie haben eine Ausstattung erhalten, die Basis für einen Standard sein soll, der im Bedarfsfall der Städtebau- und Wohnraumförderung zugrunde gelegt werden kann.

Mit 10.000 Euro pro Wohnung hat der Freistaat dieses Projekt gefördert. "Mit diesem Zuschuss können wir die Kaltmiete für diese Wohnungen zehn Jahre lang auf 6,50 Euro deckeln", sagt Viehweger. "Wie es jetzt weitergeht, wissen wir zwar noch nicht." Wenn die Politik es aber tatsächlich ernst meine mit ambulant vor stationär und künftig selbst die Reha zu Hause stattfinden solle, sollte die sächsische Wohnungswirtschaft eine Förderung in dieser Höhe erhalten, sagt Viehweger.

Die Assistenzsysteme selbst, die das selbstbestimmte Leben im Alter erleichtern oder sogar erst ermöglichen, sind allerdings Sache der Mieter. Diese technischen Helfer müssen in den dafür von den Genossenschaften vorbereiteten Wohnungen noch nachgerüstet werden. Verhandelt wird derzeit über die Aufnahme ausgewählter Systeme in den Leistungskatalog der Krankenkassen. "Wenn mir ein bestimmter Pflegegrad bescheinigt wurde, kann ich bis zu 4000 Euro für Maßnahmen beantragen, die mein Wohnumfeld verbessern", erklärt VSWG-Referent Sven Winkler. "Der Leistungskatalog der Krankenkassen ist aber 15 Jahre alt. Da sind technische Neuerungen wie zum Beispiel Sturzsensoren noch gar nicht drin."

Zudem wissen viele Pflegebedürftige in Sachsen offenbar nicht, dass sie einen Anspruch auf diese Leistung haben. "Nur etwa ein Prozent des Geldes, das die Krankenkassen dafür eingestellt haben, ist auch abgerufen worden", sagt Winkler.

Noch nie so viel investiert wie 2016

Knapp 400 Millionen Euro haben Sachsens Wohnungsgenossenschaften 2016 nach vorläufigen Zahlen in Modernisierung, Instandhaltung und Neubau investiert - laut Verband die größte Investition seit der Wiedervereinigung. Vor allem für Modernisierung wurden mit 141,9 rund 30,7 Millionen Euro mehr ausgegeben als 2015. Neue Genossenschaftswohnungen sollen 2017 vor allem in Dresden, Chemnitz und Leipzig entstehen. 2016 kamen für 61 Millionen Euro 300 bis 400 Wohnungen hinzu. Abgerissen wurden 2016 zwischen 400 und 600 Wohnungen - vor allem in Chemnitz, Leipzig, Aue, Zwickau. Görlitz, Delitzsch, Riesa oder Neuhausen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...