Ein Drittel der offenen Stellen in Sachsen kommt aus Leiharbeit

Die Arbeitsagenturen boten in den letzten Jahren immer mehr Zeitarbeitsjobs an. Das stößt bei den Linken auf Kritik. Doch die Statistik täuscht möglicherweise etwas.

Chemnitz.

Sachsens Unternehmen suchen offenbar immer häufiger Leiharbeiter. Mehr als jede dritte bei den Arbeitsagenturen im Freistaat gemeldete offene Stelle (35 Prozent) kommt aus der sogenannten Arbeitnehmerüberlassung. Der Anteil ist in den letzten Jahren gestiegen, im Jahr 2011 lag er noch bei 27 Prozent, wie Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) belegen. Zugleich sind diese Jobs oft auch schlechter bezahlt als reguläre. Über alle Branchen hinweg verdiente ein vollzeitbeschäftigter Leiharbeiter im Mittel zuletzt 1623 Euro brutto im Monat und damit rund 700 Euro weniger als sein festangestellter Kollege.

Für die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken, Sabine Zimmermann, ist das eine Fehlentwicklung: "Viele Erwerbslose sind frustriert, dass ihnen oft nur Leiharbeit angeboten wird." Hartz-IV-Bezieher dürften solch ein Jobangebot gar nicht ablehnen, da ihnen sonst Leistungskürzungen drohten. Sie glaubt: Ein Sprungbrett in ein normales Arbeitsverhältnis sei Leiharbeit nur für wenige, für die meisten bedeute sie dauerhaft Niedriglöhne. Die Linken-Politikerin aus Zwickau plädiert deshalb dafür, in einem ersten Schritt das Prinzip "Gleiches Geld für gleiche Arbeit" ab dem ersten Einsatztag umzusetzen. Zudem müsse eine Flexibilitätszulage in Höhe von zehn Prozent des Bruttolohns eingeführt werden. Zimmermann: "Langfristig ist Leiharbeit zu verbieten."

Derzeit gilt, dass Zeitarbeiter zwar theoretisch ab dem ersten Arbeitstag Anspruch auf den gleichen Lohn wie Stammbelegschaften haben; wenn jedoch der Verleiher seine Zeitarbeiter nach einem Tarifvertrag bezahlt, kann davon abgewichen werden. Solche speziell auf die Branche zugeschnittenen Tarifwerke gibt es einige. Erst nach neun Monaten im selben Entleihbetrieb besteht Anspruch auf den gleichen Lohn. Davon dürfen Arbeitgeber und Gewerkschaften aber noch einmal für weitere sechs Monate abweichen, wenn es im Entleihbetrieb Tarifverträge gibt, in denen Zuschläge für Leiharbeiter geregelt sind.

Doch viele Leiharbeiter in Sachsen kommen nicht einmal auf die neun Monate. Laut Regionaldirektion der BA endete für 43 Prozent der Einsatz nach drei Monaten. Nur gut ein Viertel der Arbeitsverhältnisse hat ein Jahr und länger bestanden. Für die Behörde ist das zugleich ein Indiz dafür, "dass Zeitarbeit von Entleihern tatsächlich zum Ausgleich von Auftragsspitzen genutzt wird".

Frank Vollgold, Sprecher der Regionaldirektion, weist auf die positiven Aspekte der Zeitarbeit hin: Für Langzeitarbeitslose und Geringqualifizierte biete die Zeitarbeit gute Jobchancen. Berufseinsteiger könnten über sie Erfahrungen sammeln, sie sei ein Sprungbrett in feste Beschäftigung. Es gibt bei der BA jedoch keine Erhebungen darüber, wie groß dieser sogenannte Klebeeffekt ist. Das Institut der Deutschen Wirtschaft war 2011 zu dem Ergebnis gekommen, dass 14 Prozent der Zeitarbeiter vom Entleiher übernommen worden waren, andere Quellen gehen von gar keinem Effekt bis zu deutlich höheren Werten (30 Prozent) aus. Vollgold zufolge arbeiten die Arbeitsagenturen mit den Zeitarbeitsfirmen zusammen, um Arbeitslosigkeit zu überwinden. Zeitarbeit sei seit Jahren eine "feste, aber geringe Größe auf dem sächsischen Arbeitsmarkt". Aktuell (Stand März) zählte die Regionaldirektion 48.700 Zeitarbeiter, das sind 3,1 Prozent aller Beschäftigten im Freistaat. Der bisherige Höchststand war im Sommer 2011 erreicht worden - mit einem Anteil von 3,5 Prozent. Die meisten Leiharbeiter sind in der Lagerwirtschaft tätig, danach folgt die Metallbearbeitung. Sachsen sei dabei mehr von Zeitarbeit geprägt - bundesweit liegt der Anteil bei 2,7 Prozent. Doch weshalb sind in den Stellenangeboten der Arbeitsämter immer mehr Zeitarbeitsofferten? Vollgold weist auf ein statistisches Problem hin: Öfters meldeten verschiedene Zeitarbeitsfirmen freie Stellen für ein und denselben Entleiher. Da es aus Datenschutzgründen keine Verpflichtung gibt, den Namen der Firma zu nennen, seien Doppelmeldungen möglich.

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