Energieversorger forciert Ausbau des Gasheizwerks in Altchemnitz

Für zehn Millionen Euro soll die Anlage an der Annaberger Straße bis 2018 komplett erneuert werden. Der Schritt des kommunalen Stromkonzerns Eins hat seine Ursache in einer Havarie im Heizkraftwerk Nord.

Altchemnitz.

Eigentlich sollte das mehr als 40 Jahre alte Heizwerk an der Annaberger Straße längst aufs Altenteil. Bereits vor zehn Jahren hatte der damalige Eigentümer, die Chemnitzer Stadtwerke, angekündigt, die gasbetriebene Anlage vom Netz zu nehmen und den mit 225 Meter zweithöchsten Schornstein der Stadt abtragen zu wollen. Die Entwicklung des Wärmemarktes und ein relativ stabiler Klimatrend legten einen Verzicht auf das Heizwerk nahe, sagte eine Unternehmenssprecherin damals.

Mittlerweile haben sich die Zeiten geändert. Die Stadtwerke Chemnitz gibt es nicht mehr, sie sind im neuen, mehrheitlich kommunalen Energieversorger Eins aufgegangen. Und für das Heizwerk in Altchemnitz hat Eins große Pläne: Die Anlage soll bis Ende 2018 komplett erneuert werden; drei neue Kessel mit jeweils 33 Megawatt Leistung sollen installiert werden. Geschätzte Kosten: zehn Millionen Euro. Wie Eins-Geschäftsführer Roland Warner sagte, habe man die Planungen für die Investition beschleunigt. "Wir stecken da im Moment alle Energie rein", fügte er hinzu.

Grund für die Eile sind die Folgen einer Havarie im Heizkraftwerk Nord: Mitte Mai musste dort der gasbetriebene Block A außer Betrieb genommen werden: Nach einer Wartung war beim Wiederanfahren der Anlage der Dampfkessel wegen eines Bedienfehlers geborsten. Schaden: rund eine Million Euro. Eins-Geschäftsführer Warner nennt die Umstände der Havarie "mehr als ärgerlich" und fügt wörtlich hinzu: "Das tut uns richtig weh." Wegen ihres Alters könne die Anlage zudem nicht wieder repariert werden - das Heizkraftwerk müsse daher auf die beiden Blöcke beschränkt bleiben, die mit Braunkohle befeuert werden.

Nach Angaben von Eins sind die beiden Kohle-Blöcke des Heizkraftwerks ohnehin die Hauptlieferanten für Strom und Fernwärme. Der gasbetriebene Block A war demnach vor allem immer dann zugeschaltet worden, wenn die Kohle-Blöcke gewartet wurden oder wenn es einen zusätzlichen Wärmebedarf gab - etwa bei strengem Frost oder bei einer lang andauernden Kälteperiode.

Langfristig soll der Ausfall mit dem Heizwerk in Altchemnitz ausgeglichen werden. Aber auch kurzfristig müsse sich niemand sorgen, dass er im Falle eines kalten Winters in einer ungeheizten Wohnung sitzen muss, sagt Eins-Geschäftsführer Warner. Zum einen bleibe das Heizwerk in Altchemnitz trotz des Umbaus weiter am Netz, zudem soll in Spitzenzeiten ein sogenannter mobiler Heißwassererzeuger zum Einsatz kommen. Die Anlage mit einer Leistung von 20 Megawatt hat Eins für dreieinhalb Jahre gemietet, sie soll bis Dezember auf dem Gelände in Furth installiert werden.

Warner begegnet Befürchtungen, der Gewinn von Eins könnte wegen des Havarieschadens geringer ausfallen. Man dürfe die Schadenssumme nicht dramatisieren, sagte er, sie entspreche letztlich einem Promille des Jahresumsatzes des Konzerns. Durch Einsparmaßnahmen in anderen Bereichen werde Eins sein Jahresergebnis dennoch erreichen - Warner rechnet weiter mit einer Gewinnsumme von rund 81 Millionen Euro für 2016. Ein Viertel dieses Betrages steht der Stadt Chemnitz zu; die Kommune hält ein Viertel der Anteile an Eins. Das Geld aus den Gewinnen von Eins ist bisher vollständig für die Mitfinanzierung der Bus- und Bahnlinien der CVAG verwendet worden.


Fernwärmenetz - 280 Kilometer lang und über 80 Jahre alt

Im Heizwerk in Altchemnitz bringen zwei erdgasbetriebene Heißwassererzeuger das Wasser auf eine Temperatur von 125 Grad, das direkt in das Chemnitzer Fernwärmenetz eingespeist wird. Die Abgase werden über einen 225 Meter hohen Schornstein abgeführt - es ist das zweithöchste Bauwerk dieser Art in der Stadt.

Fernwärme wird in Chemnitz vor allem im Heizkraftwerk Nord erzeugt - gleichzeitig mit Strom. Das Fernwärmenetz in der Stadt ist rund 280 Kilometer lang und erstreckt sich über mehrere Stadtgebiete. Mehr als 2600 Gebäude sind an die städtische Zentralheizung angeschlossen, die es bereits seit mehr als 80 Jahren gibt. (fp)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...