Marmorvorräte in Lengefeld erschöpft - Abbau verlagert

2028 hätte Lengefeld im Erzgebirge auf 500 Jahre Bergbau zurückblicken können. Doch das Jubiläum wird es nicht geben.

Lengefeld/Hammerunterwiesenthal.

Fast 500 Jahre wurde im erzgebrigischen Lengefeld Marmor abgebaut. Nun ist damit endgültig Schluss. Die Firma Geomin Erzgebirgische Kalkwerke GmbH hat die Gewinnung des "weißen Goldes" eingestellt - früher als ursprünglich geplant. Vor allem aus wirtschaftlichen Gründen, wie Geschäftsführer Achim Stöck der "Freien Presse" sagte. Lengefeld bleibt vorerst weiter Aufbereitungsort: für Rohmaterial, das in Hammerunterwiesenthal, dem Standort der Zukunft, gewonnen wird. Parallel werde die Grube in den nächsten Jahren so verwahrt, dass von dem Bergwerk keine Gefahren ausgehen. Das viele Jahre nach der Wende einzige verbliebene produzierende Bergwerk im Erzgebirge existiert damit nicht mehr.

Die Sanierung der Bereiche, in denen Geomin seit 1993 Marmor gewonnen hat, erfolgt mit Mitteln des Unternehmens. Bereiche, in denen früher Bergbau betrieben wurde, würden über einen Altlastenfonds gesichert. Die Gelder kommen vom Freistaat, sind aber für die in Lengefeld anstehenden Arbeiten noch nicht freigegeben. Die Sanierung der verschiedenen Grubenbereiche soll parallel laufen und werde vier bis fünf Jahre dauern, sagte Stöck.

Produktion soll sich verdoppeln

Geomin hat in Lengefeld bis in 150 Meter Tiefe bis zu 100.000 Tonnen Marmor pro Jahr abgebaut. In Summe seien es nach der Wende rund zwei Millionen Tonnen Rohstoffe gewesen, so Stöck. Die Grube war durch zwölf Sohlen erschlossen. Der untertägige Abbau erfolgte im sogenannten Kammer-Pfeiler-Verfahren. Dabei wurde das Gestein aus Kammern in der Größe von sieben mal sieben Metern herausgesprengt. Dazwischen blieben ebenso große Blöcke als Säulen stehen. Kammern und Pfeiler der einzelnen Sohlen mussten genau übereinander angeordnet sein, um die Standsicherheit des Gebirges zu gewährleisten. Dieses Verfahren hatte laut Geschäftsführer den Nachteil, dass nur 40 Prozent des gewinnfähigen Materials abgebaut werden konnte. Zudem musste alles über einen engen Schacht zu Tage gefördert werden.

Diesen Standortnachteil des einzigen Produzenten von hochreinem weißen Marmor in Deutschland gegenüber der Konkurrenz in anderen Ländern Europas ist in Hammerunterwiesenthal beseitigt. Dort führt eine schräge Rampe in den Berg - bis auf die fünfte Sohle in etwa 70 Meter Tiefe. Von dort wurden wendelartig zwei Sohlen nach oben erschlossen. Gegenwärtig werde eine weitere nach unten vorbereitet. Abgebaut wird auch hier im Kammer-Pfeiler-Verfahren. Schrittweise soll jedoch bis 2017 vollständig zum Tagebaubetrieb übergangenen werden.

In Hammerunterwiesenthal lagern rund 15 Millionen Tonnen verwertbare Rohstoffe. Bei einer geplanten Gewinnung von künftig 300.000 Tonnen pro Jahr würden die Vorräte rund 50 Jahre reichen. Das wäre zugleich eine Verdopplung der Produktionsmenge, die bisher an drei Standorten gefördert wurde: neben Lengefeld und Hammerunterwiesenthal auch in Hermsdorf im Osterzgebirge, wo 2017 Schluss ist.

Abbau demnächst im Tagebau

Perspektivisch kommt aller Marmor aus dem Fichtelberggebiet. "Liefersicherheit ist für unsere Kunden wichtig", betonte der Firmenchef. Etwa 800 Abnehmer in Ost und West werden derzeit bedient. Der Exportanteil liegt bei zehn Prozent.

Mitte 2016 werde mit der Auffahrung des Tagebaus begonnen, sagte Stöck. Die Tagebaufläche wird in den letzten Stufe etwa zehn Hektar groß sein. Vorbereitet würden jetzt erst einmal rund zwei Hektar. Durch eine frühzeitige Bürgerbeteiligung ab 2011 habe es gegen die Pläne keinen einzigen Einwand gegeben. "Ist der Tagebau in vielen Jahren erschöpf, gehen wir wie die Altvorderen wieder in den Berg."

Neue Aufbereitung geplant

Vorerst wird das in Hammerunterwiesenthal gewonnene Material nur vorgebrochen und von dort zur Aufbereitung nach Lengefeld gebracht. Das Firmenkonzept sieht vor, dafür künftig einen stillgelegten Steinbruch des zur Unternehmensgruppe gehörenden Splitt- und Schotterwerkes Richter in Hammerunterwiesenthal zu nutzen. Dieser Steinbruch wird mit Abraum verfüllt, bekommt eine Immissionsschutzwand und wird dann für die Marmoraufbereitung genutzt. Bis dahin werden noch sieben bis zehn Jahre vergehen.

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