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Viele Jahre hat Astrid Bär ihre Mutter gepflegt, jetzt hat sie einen Pflegedienst gegründet.

Foto: Kindt-Matuschek

Pflegedienst "Sigi" - im Namen steckt ein Versprechen

Astrid Bär ist keine gelernte Altenpflegerin. Und doch hat sie jetzt einen Pflegedienst in Grünstädtel eröffnet. Dafür, so sagt sie, bringe sie allerdings zwei entscheidenden Voraussetzungen mit.

Von Beate Kindt-Matuschek
erschienen am 13.07.2017

Grünstädtel. "Sigi" ist schon ein recht ungewöhnlicher Name für einen Pflegedienst. Zumal dessen Inhaberin auch nicht "Sigi", sondern Astrid Bär heißt. Hinzu kommt, sie ist keine gelernte Altenpflegerin, sondern hat viele Jahre in einer Anwaltskanzlei gearbeitet.

Doch wie kommt jemand aus solch einem artfremden Beruf dazu, einen Pflegedienst zu gründen? Das geht nur über persönliche Betroffenheit. Und persönlich betroffen war Astrid Bär über viele Jahre, weil ihre Mutter - Sigrid - an einer sehr seltenen Erbkrankheit litt. Dem sogenannten Brooke-Spiegler-Syndrom. Diese Erkrankung geht damit einher, dass sich bei dem Patienten große Hauttumore entwickeln. "Bei meiner Mutti waren das zum Teil hühnereigroße Tumore am Kopf, auf der Kopfhaut. Das war echt schlimm", berichtet die 45-Jährige.

Vor sechs Jahren etwa hatten sie dann einen Arzt im Helios-Klinikum Aue gefunden, der es gewagt hat, die Kopfhaut zu entfernen und durch eigens gezüchtete Hautimplantate zu ersetzen. "Das hatte ihr unglaublich viel an Lebensqualität zurückgegeben. Sie konnte wieder eine Perücke tragen", so die Tochter. Sie hat sich in all den Jahren um ihre Mutter gekümmert. "Ich hab sie zu mir geholt und mich um sie gekümmert. Im Gegenzug hat sie auf meine Tochter Kim aufgepasst", erzählt die Firmengründerin. Später habe sich das "Betreuungsverhältnis" gedreht. Irgendwann habe mehr die heute neunjährige Enkelin auf die Oma aufgepasst. 2015 sei die Mutter - Spitzname Sigi - dann gestürzt, der Kopf wieder aufgeplatzt. Operationen folgten. Im Oktober 2016 starb die 72-Jährige infolge einer Lungenembolie.

"Ich hab ihr versprochen, dass ich weiter und es mal besser mache. Und daher auch der Name ,Sigi'", sagt Astrid Bär. Zunächst habe sie lange mit sich gerungen, den Schritt in die Selbstständigkeit wirklich zu wagen. "Und das war auch schwer", sagt Bär. Als Außenseiterin der Branche musste sie natürlich Fachkräfte verpflichten. Was ihr gelungen ist. Heute arbeiten vier Pflegefachkräfte in ihrem Team, dazu eine Hilfskraft. "Schwierig waren die Verhandlungen mit den Krankenkassen", berichtet die Neustarterin.

Aber was will sie nun anders machen als andere? "Ich weiß, was meine Mutter an unserem damaligen Pflegedienst gut fand und was nicht. Und da ich selbst viele Jahre im Angestelltenverhältnis gearbeitet habe, weiß ich, wie man als Mitarbeiter empfindet. Aus diesem persönlichen Erleben heraus, will ich versuchen, einiges anders und vielleicht besser zu machen. Vielleicht gelingt es mir ja", sagt Astrid Bär.

Als Beispiele dafür nennt sie dann Dinge wie: Möglichst feste Touren und feste Bezugspersonen zu den Patienten schicken. Das werde sich zwar nicht immer realisieren lassen, aber darauf soll ein Hauptaugenmerk liegen. Es werde für ihre Mitarbeiter keine Teildienste geben. Sondern entweder Früh- oder Spätdienst. "Und ich möchte versuchen, über Lob und Anerkennung von Leistung und persönlichem Engagement ein gutes Klima im Team zu halten", sagt sie. Motivierte Mitarbeiter, das gemeinsame Ziehen an einem Strang für den Erfolg, sei wichtig. Und Lob richtet auf, meint sie. "Wir sind klein, stehen ganz am Anfang, aber wir wollen es versuchen. Der Bedarf ist groß."

 
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