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Diese "Träumende" hat elf Schwestern. Denn für "Sachsens Unternehmer des Jahres" wird sie im zum zwölften Mal überreicht. Ihre Schöpferin ist die aus Polen stammende Bildhauerin Malgorzata Chodakowska.

Foto: Michael Rothe

Sachsens Unternehmer des Jahres: Und einer macht das Dutzend voll

Oder doch zwei? Heute wird in Dresden in der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen zum zwölften Mal "Sachsens Unternehmer des Jahres" gekürt. Von 57 Startern ist ein Quintett im Finale. Für die Jury war es keine leichte Entscheidung, denn die Bewerber führen erfolgreiche Unternehmen in anspruchsvollen Branchen.

Von Michael Rothe
erschienen am 19.05.2017

Dresden. Coswig, Freiberg, Oederan, Ehrenfriedersdorf - oder doch Sohland an der Spree? Wo steht demnächst "Die Träumende" und kündet von "Sachsens Unternehmer des Jahres"? Nicht als Wanderpokal, sondern dauerhaft. Für die Statue von Malgorzata Chodakowska gab es 100 Vorschläge. 57 davon erfüllten die Kriterien und nahmen am Wettbewerb teil. Bedingung waren zum Beispiel zehn Mitarbeiter, 500.000 Euro Jahresumsatz, fünf Jahre am Markt, eigene Firmenanteile und die besondere Leistung. Ein Quintett ist übrig.

Gut jeder siebente beteiligte Unternehmer ist eine Frau. Und der älteste Teilnehmer, Jürgen Felgner (74) von gleichnamiger Sicherheitstechnik in Dresden, könnte vom jüngsten, Nicolas Beier (33) vom Omnibus- und Mietwagenservice Nictours in Mülsen, der Opa sein. Giuseppe Pasini stellt mit 324 Millionen Euro der ESF Elbe-Stahlwerke Feralpi GmbH den Umsatzprimus.

Sachsens bedeutendster Wirtschaftspreis wird heute bereits zum zwölften Mal vergeben - und erstmals auch ein Sonderpreis für den oder die besten Gründer. Hier wird der Sieger nicht von der Jury gekürt, sondern per Stimmkarte von den rund 250 Gästen in der VW-Manufaktur. Die fünf Finalisten aus zuvor 73 Nominierten haben zuvor auf einer Bühne exakt drei Minuten Zeit, um beim Publikum für sich zu werben. Dem Sieger winken Medialeistungen für 50.000 Euro, eine Auslands-Unternehmerreise mit der Wirtschaftsförderung Sachsen und ein berufsbegleitendes Masterstudium "Strategische Unternehmensführung" des Instituts für Mittelstandskooperation der Hochschule Mittweida für 21.000 Euro. (sz)

"Sachsens Unternehmer des Jahres" ist eine Initiative von Sächsischer Zeitung, Freier Presse und MDR sowie von Volkswagen Sachsen, der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft PwC, der LBBW-Sachsen Bank, der Sparkassen-Versicherung Sachsen und des Eventausrüsters Congressteam in Dresden.

www.unternehmerpreis.de



Foto: Landmaxx

Stephan Namokel

Baumarktchef Stephan Namokel (65) sagt: "Der Name Landmaxx sollte die Standorte auf dem Land und ein Maximum an Kundennähe verbinden." 2005 hörte er, der 1984 nach Ausreiseantrag "rübergemacht" war, auf seine innere Stimme und kaufte in der Heimat 14 insolvente Raiffeisen-Märkte. "Wir sind die innovativsten und emotionalsten Märkte", sagt er. Seine Personaldichte sei dreimal höher als bei Obi & Co, und es gebe ein Sortiment für Selbstversorger. Alle 126 Mitarbeiter lebten den Slogan "Einer für uns" und würden am Erfolg beteiligt. 2016 bilanzierten die elf Standorte in Sachsen und Südbrandenburg 28,4 Millionen Euro Umsatz. "Was andere über Kostenverzicht aufgegeben haben, sind die Stärken, die Stephan Namokel für sich definiert: Individualität und Beratungsqualität", sagt Carsten Dietmann, Chef der DDV-Mediengruppe und Jurymitglied. Haben er und die anderen neun Entscheider ihn, der gerade seinen Sohn für seine Nachfolge fit macht, zu "Sachsens Unternehmer des Jahres" gekürt? (mro/sz)



Foto: Esther Sarah Wolf

Kay Dornich

An der Grenze des technisch Machbaren zu arbeiten findet Kay Dornich (40) spannend. Und die loten 32 Mitarbeiter der Freiberg Instruments GmbH mit der Entwicklung innovativer Messtechnik aus - unter anderem zur Analyse von Blut in der Krebsforschung, der UV-Beständigkeit von Lacken, der Geschmacksstabilität von Bier. Ein anderes Arbeitsfeld heißt Lumineszenzdatierung und meint Altersbestimmung via Eigenleuchtkraft von Gestein oder Knochen - von Eisschilden Grönlands bis zu Skulpturen im Louvre. Dornich begann 2005 als Ein-Mann-Betrieb und Ausgründung der TU Bergakademie Freiberg in Oberschöna, erwirtschaftet heute mit Sondermaschinen 5,3 Millionen Euro Jahresumsatz und strebt die Weltmarktführerschaft in jenen Bereichen an. "Unser Vorsprung liegt im Know-how in Nischenmärkten", sagt er. Wichtig sei nicht die Zahl der Jobs, sondern Innovationskraft mit Wachstumspotenzial für Jahrzehnte. Dafür den Unternehmerpreis, das wäre sicher toll - und eine neue Grenzerfahrung. (mro/sz)



Foto: Mailingwork

 Torsten Gneuß u. Jörg Arnold

Was mit einer Newsletter-Software begann, beschert ihnen in der Weiterentwicklung 2017 einen Platz unter Sachsens fünf besten Unternehmern. Das hätten sich Torsten Gneuß (43) und Jörg Arnold (46, v. l.) 2001 nicht träumen lassen: "Wir hatten Bock auf das damals neue Medium Internet und waren mutig", sagen die Chefs und Inhaber der Mailingwork GmbH in Oederan. Ihre 60 Mitarbeiter entwickeln Software für individualisierte E-Mails und beraten weltweit über 800 Kunden - darunter Daimler, Panasonic und der Tüv, dass ihre Newsletter nicht im elektronischen Mülleimer des Adressaten landen. Das junge Team sitzt vor allem im schicken Chemnitzer Standort Schönherrfabrik und erwirtschaftete 2016 drei Millionen Euro Umsatz. Die beiden je zweifachen Familienväter engagieren sich auch sozial und unterstützen unter anderem das Dorf Mang`oto im afrikanischen Tansania. Ihr IT-Dienstleister verschickt 800 Millionen Nachrichten im Jahr - "Wow-Mails statt Spam", sagt Jörg Arnold. (mro/sz)



Foto: Studio2

Anett und Jens Lindner

Am letzten Wochenendewar großer Trubel bei Lindners in Ehrenfriedersdorf. Die Firma von Anett (45) und Jens Lindner (42, v. l.) hatte zum Tag der offenen Tür eingeladen. Dafür hatten viele der 61 Mitarbeiter des Normteile-Herstellers gebacken. Der Erlös von 500 Euro ging an den Chemnitzer Verein "Perspektiven für Familien". Das Unternehmen ist kein Betrieb von der Stange. Sein Body-Mass-Index 60-40-20 steht für 60 Mitarbeiter, 40 Maschinen, 20 Sozialprojekte. Die Geschwister integrieren Behinderte und unterstützen Hilfsorganisationen, Fluchtursachen in der Dritten Welt zu beseitigen. Der Metallbetrieb erwirtschaftete 2016 einen Umsatz von 7,3 Millionen Euro - mit hochkomplexen Bauteilen für Medizin- und Gerätetechnik, Elektronikindustrie, Maschinen-, Fahrzeug- und Anlagenbau. Den Mitarbeitern winken Gesundheitsprämie, Betriebsrente und Geburtstagsgeschenke. "Die Stärke der Firma sind das Know-how, das uns der 2007 verstorbene Vater in die Wiege gelegt hat", sagt Jens, "und die Mitarbeiter". (mro/sz)



Foto: Wolfgang Wittchen

 Werner u. Maximilian Deharde

Kontinuierliches Wachstum ist aller Ehren wert. Doch 160 Mitarbeiter und 30 Millionen Euro Jahresumsatz allein hätten der Lausitzer Früchteverarbeitung GmbH in Sohland an der Spree keinen Platz unter den Top-5 beschert. Die Inhaber Werner (66) und Maximilian (35) Deharde haben mehr drauf: Vater und Sohn stehen für gelungene Unternehmensnachfolge und so für den Erhalt des 116 Jahre alten Familienbetriebs. Zudem sicherten sie 2016 mit der Übernahme des insolventen Babysaft-Herstellers Kinella im Vogtland auch dort einen Großteil der Jobs. Der Preis jener "sächsischen Lösung": 4,5 Millionen Euro. Auch in Sohland wurde investiert, etwa in den Ausbau des Labors. Die Lausitzer sind längst mehr als ein Saftladen ("Lockwitzgrund", "Lausitzer Säfte"): einer der größten Früchteverarbeiter im Osten und wichtiger Zulieferer der milchverarbeitenden, Eiscreme- und Backwarenindustrie. Die Dehardes engagieren sich unter anderem für die Rückkehr von nach der Wende ausgewanderten Sachsen. (mro/sz)

Die Kommandobrücke für Sachsens wichtigsten Unternehmerpreis: Jürgen Hofmann von der Sparkassenversicherung Sachsen, Peter Kröger von der LBBW-Sachsenbank, Michael Rothe von der Sächsischen Zeitung, Gunter Sandmann von VW Sachsen, Christoph Ulrich von der Freien Presse, Margitta Markert von Pricewaterhouse Coopers, Bernhard Holfeld vom MDR, Carsten Dietmann von der DDV-Mediengruppe und Ulrich Lingnau von der Chemnitzer Verlag + Druck GmbH & Co KG (v. l.).

Foto: Robert Michael

Alle Neune für den Sieger

Seit zwölf Jahren diskutiert die Jury für Sachsens wichtigsten Wirtschaftspreis im Frühjahr die Geschäftskonzepte der Bewerber

Wenn diese Jury tagt, herrscht immer Bombenwetter. Dabei müsste sich Klärchen bei deren alljährlichem Frühjahrstermin im Dresdner "Haus der Presse" - 2005 Geburtsort des Wettbewerbs "Sachsens Unternehmer des Jahres" - gar nicht so ins Zeug legen. Denn ins Schwitzen kommen die Protagonisten so oder so. Weniger vom Schleppen ihrer dicken Aktenordner mit gewichtigen Argumenten für diesmal 107 Teilnehmer in zwei Kategorien, als vielmehr vom heftigen Diskutieren - und vom feinen Zwirn, den sie aus gegebenem Anlass angelegt haben. Schließlich trifft man sich beim wichtigsten Wirtschaftspreis des Freistaats zur Stunde der Entscheidung. Doch ehe es zum Schwur kommt, vergehen Stunden: fünf, einmal sogar mehr als acht.

Seit zwölf Jahren ist das so. Anfangs zu fünft, jetzt zu zehnt: je zwei Chefs von Zeitungsverlagen und Wirtschaftsredakteure, eine Wirtschaftsprüferin, eine Eventausstatterin, ein Banker, ein Controller, ein Marketingexperte. In diesem Jahr ist erstmals ein Redakteur des Mitteldeutschen Rundfunks dabei. Dafür musste die Eventausstatterin absagen. Glück im Unglück: So gibt es bei der Abstimmung kein Patt.

Das Prozedere ähnelt sich und ist doch immer anders: Bewerten. Vergleichen. Diskutieren. Abstimmen. Wieder vergleichen. Was wiegt mehr: Kontinuität oder tolle Jahresleistung? Neue Werkhalle oder Betriebskindergarten? Millionenauftrag oder Spende für den guten Zweck? Gelungene Geschäftsübergabe oder Ausbildung? Engagement für Flüchtlinge oder Behinderte? Oft wird aus dem Oder ein Und, lässt sich das eine nicht gegen das andere abwägen. Wieder abstimmen. Am Ende fällt eine Entscheidung.

Und die Entscheider haben nur einmal ein Auge zugedrückt: beim Mannschaftsfoto - weil sie in die Sonne gucken mussten. (mro/sz)

 
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