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Wurde vor Jahren von Politik und Medien noch als "Sonnenkönig" gefeiert und galt als Wegbereiter der Energiewende: Frank Asbeck. Mit Hilfe aus dem Ausland will er nun die deutschen Werke zurückkaufen.

Foto: Oliver Berg/dpa

Solarworld-Gründer Asbeck kauft Werke aus der Insolvenz

Der Kaufvertrag ist unterzeichnet, nun müssen noch die Gläubiger der Übernahme zustimmen. Doch es gibt Zweifel, wie das neue Unternehmen die Produktion mit einem Bruchteil der bisherigen Belegschaft absichern will.

Von Jan-Dirk Franke (mit dpa)
erschienen am 08.08.2017

Erst führte er den Konzern in die Pleite, jetzt kommt er als Investor zurück: Frank Asbeck, Gründer und bisheriger Vorstandschef des angeschlagenen Solarworld-Konzerns kauft gemeinsam mit Partnern Teile des Unternehmens aus der Insolvenzmasse. Einen entsprechenden Kaufvertrag hat Insolvenzverwalter Horst Piepenburg am Dienstag unterzeichnet. Käufer ist die Solarworld Industries GmbH, eine Firma mit Sitz in Bonn, die erst seit dem 26. Juli existiert. Als alleiniger Geschäftsführer ist Frank Asbeck eingetragen.

Welche Geldgeber dahinterstehen, darüber gibt es bislang keine gesicherten Informationen. Es soll sich um Investoren aus Katar handeln. Nach einem "Spiegel"-Bericht ist die Qatar Foundation mit an Bord. Die Stiftung hatte bereits 2013 dem Solarworld-Konzern wieder auf die Beine geholfen und hält seitdem über die Qatar Solar 29 Prozent der Anteile an der Solarworld AG.

Der genaue Kaufpreis blieb offen. Er bestehe "im Wesentlichen" in der Ablösung von Schulden, die "mit Sicherungsrechten von Gläubigern belegt sind", hieß es lediglich. Die Gläubiger müssen dem Verkauf allerdings noch zustimmen. Das soll am Freitag in Bonn passieren.

Wenn es grünes Licht gibt, will die neue Solarworld Industries am 16. August starten. Wie es dann an den Fertigungsstandorten in Freiberg und im thüringischen Arnstadt weitergeht, konnte Thomas Schulz, Sprecher des Insolvenzverwalters, nicht sagen. Das sei Sache des Investors. Fest steht: In Freiberg gehen rund 700 Jobs verloren. Übrig bleiben 294 Stellen. In Arnstadt sind es 181 von zuletzt 650 Mitarbeitern. Die Beschäftigten, die gehen müssen, sollen aber in Transfergesellschaften bis Mitte 2018 unterkommen. Gerald Voigt, Sekretär bei der Gewerkschaft IG BCE, kann sich allerdings nicht erklären, wie mit dieser geringen Personalstärke eine kontinuierliche Produktion gewährleistet werden soll. Es gehe zudem eine Menge Know-how von "guten Leuten" verloren, die nicht übernommen würden. Da hätten die Handelnden wohl einiges übersehen, so Voigt.

In der Zentrale in Bonn wurden bereits 150 Mitarbeiter vor die Tür gesetzt. Dort bleibt nur eine Abwicklungsmannschaft mit 65 Leuten. "Angesichts der komplexen Bedingungen der Solarindustrie ist das für die Gläubiger wirtschaftlich vernünftig und für die Standorte und Mitarbeiter die verantwortungsvollste Lösung", so Piepenburg.

Es habe mehrere andere seriöse Interessenten aus aller Welt gegeben, aber alle hätten noch mehrere Monate für die Prüfung des Kaufs benötigt, sagte Piepenburgs Sprecher. So viel Zeit habe das Unternehmen aber nicht, da für die Gehälter kein Geld mehr da sei. Das Insolvenzgeld, das von der Bundesagentur für Arbeit kommt, wird für höchstens drei Monate gezahlt - seit 1. August ist Schluss.

Mitte Mai hatte Solarworld mit weltweit rund 3000 Beschäftigten nach sechs Verlustjahren in Folge Insolvenz anmelden müssen. Dem neuen Eigentümer sollen fast alle Anlagen, Vorräte und ausstehende Forderungen übertragen werden. Dazu kommen Anteile an ausländischen Töchtern mit Ausnahme der US-Gesellschaft.

 

Aktionäre gehen leer aus

Seit dem Börsengang 1999 hat die Solarworld-Aktie einige Höhen und Tiefen erlebt. Anfangs ging es zwar nicht recht vorwärts, doch einige Jahre später machte der Kurs deutliche Sprünge. 2006 kletterte er sogar auf weit über 200 Euro. Doch davon ist das Papier seit langem weit entfernt. Inzwischen dümpelt die Aktie um die Ein-Euro-Marke herum. Nun droht den Aktionären der Totalverlust.

Der Insolvenzverwalter wies darauf hin, "dass die Aktionäre aus den Erlösen des Verkaufsprozesses weder Ausschüttungen noch sonstige nennenswerte Vermögensvorteile erhalten werden".

"Das Spiel ist vorbei", kommentierte Roland Klose von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Aber die Risiken habe jeder gekannt. Auch für Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) ist es keine Überraschung, dass die Aktionäre leer ausgehen, da Eigentümer als letztes bedient werden. Bedenklich sei es aber, dass sich Frank Asbeck beim Erwerb der Vermögenswerte durchgesetzt zu haben scheint, "und dass es Berichte gibt, dass der Verkaufspreis nicht fair gewesen ist".

 
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