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Morgenstimmung an der ehemaligen Zigarettenfabrik Yenidze in Dresden. In Sachsens Landeshauptstadt werden sich für die Tabakindustrie bald wieder die Baukräne drehen.

Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Tabakindustrie wieder obenauf

Schmuddelimage, teure Rechtskonflikte und Anti-Rauch-Kampagnen: Die großen Zeiten der Zigarettenhersteller schienen vorbei. Doch es kam anders.

Von Hannes Breustedt (dpa)
erschienen am 20.06.2017

New York/Dresden. Zigaretten sind so ungesund wie eh und je, doch den Konzernen hinter den Glimmstängeln geht es so gut wie lange nicht mehr. Obwohl die Anzahl der Raucher in den meisten Teilen der Welt seit Jahren zurückgeht, laufen die Geschäfte für "Big Tobacco" blendend. Anders als mitunter suggeriert, ist der Boom dem Verkauf klassischer Tabakprodukte geschuldet und nicht etwa neuen Alternativen wie E-Zigaretten.

Diese steuern bislang relativ wenig zu den Einnahmen bei. Allerdings treiben Konzerne das Geschäft voran. Gestern kündigte der Tabakkonzern Philip Morris an, rund 300 Millionen Euro in den Bau einer neuen Fabrik in Dresden zu investieren. Von 2019 an sollen 500 Beschäftigte Tabaksticks für ein elektrisches Tabakerhitzersystem produzieren.

Die kontroverse Branche erlebt seit längerem ein fulminantes Comeback - bei den großen Tabakkonzernen zeigen Erlöse, Gewinne und Aktienkurse steil nach oben. Das ist durchaus erstaunlich, denn zwischenzeitlich galt die Zigarettenindustrie schon als abgeschrieben. Teure Rechtskonflikte wegen angeblicher Verschleierung der Risiken des Rauchens, strengere staatliche Vorschriften, Werbeverbote und gesundheitsbewusstere Verbraucher in vielen Ländern - das große Geschäft mit Tabak schien vorbei.

Neue Branchenzahlen des Marktforschers Euromonitor International zeigen indes: Seit 2011 ist der weltweite Verkaufswert, den die Tabakindustrie pro Jahr mit Zigaretten einnimmt, um gut 21 Prozent auf 683,4 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr 2016 gestiegen. Das lag nicht etwa an steigender Nachfrage nach Glimmstängeln. Im gleichen Zeitraum sank die Anzahl der weltweit abgesetzten Zigaretten um gut zehn Prozent von 5,9 auf 5,5 Billionen Stück. Dass die Einnahmen dennoch derart sprudeln, verdanken die Tabakkonzerne kräftigen Preiserhöhungen. So hat sich die Packung etwa in Deutschland laut Branchenverband DZV seit 2002 von drei auf sechs Euro verteuert.

Die Branche verweist auf die steigende Besteuerung ihrer Produkte, doch das ist nur die halbe Wahrheit. "Jedes Mal, wenn die Steuern steigen, legt die Tabakindustrie noch etwas extra drauf. Dadurch wachsen auch die Profitspannen", sagt Jennifer Maloney, die den Markt für das "Wall Street Journal" unter die Lupe genommen hat. Von 2006 bis 2016 hätten die jährlichen Gewinne der US-Tabakkonzerne um 77 Prozent auf 18,4 Milliarden Dollar zugelegt. Das sind Zahlen, die die Börse in Verzückung versetzen. "Tabak-Aktien haben sich als perfektes Investment für geduldige Investoren erwiesen", so Händler und Marktexperte Alan Farley. Der Branchenindex S&P 500 Tobacco hat in den letzten zehn Jahren um 178 Prozent zugelegt.

Philip Morris und andere Branchengrößen wie British American Tobacco oder Japan Tobacco International testen inzwischen Tabakverdampfer, die viel gesünder sein sollen als klassische Zigaretten. Ob daraus jemals eine ernsthafte Alternative wird, bleibt jedoch abzuwarten. Die Deutschland-Chefin von Philip Morris, Stacey Kennedy, sagte gestern in Dresden mit Blick auf die neue Fabrik: "Die Investition ist ein wesentlicher Meilenstein auf dem Weg in eine rauchfreie Zukunft." Anti-Rauch-Initiativen sind jedoch skeptisch. Deborah Arnott von der Initiative Ash sagte zur Ankündigung der Philip-Morris-Deutschlandchefin: "Wie andere Tabak-Konzerne wirbt das Unternehmen weiterhin aktiv für das Rauchen rund um den Globus."

Iqos - das elektrische Tabak-Erhitzersystem

Es sieht einem Handy ähnlich und enthält einen Akku - das elektronische Iqos-Zigarettensystem von Philip Morris. Geladen wird damit ein etwa neun Zentimeter großer Hülsenhalter. In diesen werden kleine Tabakröllchen eingesetzt. Während der Tabak bei herkömmlichen Zigaretten bei Temperaturen von etwa 800 Grad Celsius verglüht, erhitzt ihn das Iqos-Gerät auf etwa 350 Grad Celsius - und dabei verbrennt er nicht, sondern "es entsteht Dampf, der nach Tabak schmeckt", so Philip Morris. Teer soll demnach nicht produziert werden. Und: "Die Nikotinaufnahme ist wie bei einer herkömmlichen Zigarette." Im Vergleich zum Verdampfer kommt Iqos von Geschmack und Mundgefühl der klassischen Zigarette näher als die Liquid-Geräte. Eine Packung mit 20 Sticks kostet sechs Euro, das Gerät dazu 69 Euro. Rauchdauer pro Stick: sechs Minuten oder 14 Züge. (fp)

 
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