Techniker brauchen Durchhaltevermögen

Die Ausbildung an der Fachschule zum Staatlich geprüften Techniker erfreut sich wachsender Beliebtheit. 143 junge Leute haben am Donnerstag ihr Zeugnis bekommen.

Chemnitz.

Eugen Wolf gibt ehrlich zu: "Früher habe ich 60 Stunden die Woche gearbeitet, das war normal. Aber hier, nach der Schule, war ich fix und fertig." Der 24-Jährige gehört zu den 143 jungen Frauen und Männern, die am Donnerstag in Chemnitz ihre Zeugnisse als Staatlich geprüfter Techniker in den Fachrichtungen Elektrotechnik sowie Maschinentechnik erhielten. Hinter ihnen liegen zwei Jahre Voll- oder vier Jahre Teilzeitunterricht an der Richard-Hartmann-Schule Chemnitz.

Zwei Abschlüsse in einem

Auf die Frage, was denn Interessierte brauchen, die sich ebenfalls mit dem Abschluss als Techniker qualifizieren wollen, sagt Eugen Wolf: "Durchhaltevermögen und das Wissen aus der Facharbeiterausbildung. Es kann nicht jeder den Techniker machen." Neben dem normalen Unterricht hat er pro Woche noch zwei Stunden intensiven Matheunterricht absolviert und damit jetzt auch das Fachabitur in der Tasche. Und lockt jetzt das Studium? "Eher nicht, ich will erst einmal arbeiten." Aus mehreren Jobangeboten wolle er sich jetzt für eins entscheiden und dazu auch in Chemnitz bleiben.

Christoph Fiedler hat von seinem Arbeitgeber die Offerte bekommen, an den Techniker noch ein Studium ranzuhängen. "Das Angebot kam gerade, als ich mich für die Prüfungen vorbereitet habe, da hatte ich dafür keinen richtigen Nerv. Jetzt werde ich drüber nachdenken", sagt der 23-Jährige Chemnitzer. In seiner Firma sei er der einzige gewesen, der "nur" einen Facharbeiter hatte. "Die Kollegen haben gesagt: "Du hast es drauf, du schaffst auch den Techniker." Da habe er sich an der Schule beworben. Sowohl er als auch Eugen Wolf geben zu, dass sie sich die Ausbildung leichter vorgestellt hätten. "Auf Arbeit hast du deinen Rhythmus, weist, was der Reihe nach zu tun ist. In der Schule lernst du jeden Tag etwas Neues", bringt es Christoph Fiedler auf den Punkt. Unter dem Lernaufwand habe auch das Privatleben gelitten.

Qualifikation fürs Management

Auch wenn dem einen oder anderem der Wechsel von der Arbeitswelt in den Schulalltag nicht leichtfalle, seien die Schüler doch alle hoch motiviert, sagt Schulleiter Jens Steglich: "Der Techniker ist eine Fachkraft, die in Führungs- und Managementfunktionen der mittleren Ebene von Unternehmen, Behörden und Verbänden, sowie als Mitarbeiter in der Ausbildung eingesetzt wird." Viele Facharbeiter, die bei ihm und den Kollegen im Technikunterricht sitzen, hätten in ihren Unternehmen schon Managementaufgaben wahrgenommen. "Doch um auch entsprechend bezahlt zu werden, brauchen sie den Abschluss", erklärt der Oberstudiendirektor einen Motivationsgrund.

Die Ausbildung an der Fachschule erfreue sich wieder wachsender Beliebtheit, weil viele Betriebe erkannt hätten, welche Bedeutung einer nichtakademischen aber fachlich fundierten Ausbildung zukomme. Für die 100 Plätze, die für die Ausbildung zum Staatlich geprüften Techniker Maschinentechnik und dem Staatlich geprüften Techniker Elektrotechnik zur Verfügung stehen, hätten sich 200 Interessierte beworben. Im Deutschen Qualifikationsrahmen, der Bildungsabschlüsse deutschland- und europaweit vergleichbar macht, steht der Techniker auf einer Stufe mit dem Bachelor und dem Meister.

Die Ausbildung

Die Fortbildung zum Staatlich geprüften Techniker baut auf einer abgeschlossenen Berufsausbildung und einer mindestens einjährigen Berufserfahrung auf.

An der Richard-Hartmann-Schule in Chemnitz wird die Fachschulausbildung zum Staatlich geprüften Techniker Elektrotechnik und dem Staatlich geprüften Techniker Maschinentechnik angeboten.

Die Ausbildung kann in Vollzeit in zwei Jahren oder in Teilzeit in vier Jahren absolviert werden. Im Teilzeitbereich findet der Unterricht an der Richard-Hartmann-Schule jeweils mittwochs und donnerstags am Abend und Samstagvormittag statt.

Die angehenden Techniker können zudem die Ausbildereignungsprüfung und das Fachabitur absolvieren.

Bewerbungen sind bis 31. März für das folgende Schuljahr möglich. (cw)

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