Unilever testet Elektro-Lkw in der Stadt

Der Nahrungsmittel-Hersteller prüft, ob seine Transporte innerhalb Auerbachs künftig ohne Emissionen und Lärm abgewickelt werden können. Doch einfach ist diese Lösung nicht.

Auerbach.

Zehn- bis zwölfmal pro Schicht steuern Lkw mit Rohstoffen und Verpackungsmaterial das Unilever-Werk an der Dr.-Wilhelm-Külz-Straße mitten in Auerbach an und fahren fertige Produkte wieder weg - sie pendeln zwischen dem Werk und den Unilever-Lagern am Fruchthof und im Rebesgrüner Industrie- und Gewerbegebiet.

Bisher sind Diesel-Lkw mit entsprechenden Abgasen und Geräuschen im Einsatz. Dies könnte sich ändern: Seit Dienstag ist ein Elektro-Lkw testweise im Shuttle-Verkehr zwischen den Standorten unterwegs, und er schlägt sich durchaus passabel. "Nachhaltigkeit ist unsere Maxime", so Produktionsleiter Thomas Lenk, der gestern den Werksdirektor vertrat. "Auf diese Weise könnten wir dazu beitragen, Auerbach von Lärm und Emissionen zu entlasten." Ein weiterer interessanter Neben-Effekt: Man dürfte bei entsprechender Auslastung künftig auch nachts fahren, was mit Diesel-Lkw nicht möglich ist. Notwendig könnte dies werden, denn das Auerbacher Unilever-Werk ist auf Wachstums-Kurs, wie Lenk betont.

Zuletzt hatte es Berichte über eine mögliche Gefährdung des Standorts Auerbach gegeben. "Wir blicken in die Zukunft, haben dieses Jahr schon 50 Leute neu eingestellt und bilden sieben Azubis aus", setzt Lenk dem entgegen. Der Ausstoß von Instant-Suppen und -Soßen sowie Fix-Produkten solle von 33.000 Tonnen 2016 auf 40.000 Tonnen in diesem Jahr gesteigert werden.

Getestet wurde das Fahrzeug des Herstellers Terberg aus Hamburg von Vertretern der Spedition Fritz aus Heilbronn, mit der Unilever seit langem zusammenarbeitet. Bei den Probefahrten zeigte sich, dass das Elektro-Gefährt mit der Last von bis zu 22 Tonnen maximal 40 km/h schafft. Mehr brauche man im Stadtverkehr aber auch nicht, hieß es dazu. Zur Herausforderung wurde die Obere Bahnhofstraße mit ihrem Anstieg: Hier waren höchstens 20 km/h drin. Insgesamt sind pro Schicht sieben Umläufe möglich, statt zehn bis zwölf mit Diesel-Lkw. Und zwischendurch muss die Batterie geladen werden, was allerdings unproblematisch möglich sein soll. Ein entsprechendes Ladegerät ist am Fruchthof installiert worden.

Nicht ganz unwichtig ist auch der Fakt, dass der Elektro-Laster mindestens dreimal so viel kostet wie seine konventionelle Kollegen mit Verbrennungsmotor. Hier hofft Lenk auf Unterstützung aus der Politik. "Wenn man uns dabei die Hand reichen möchte, dann würden wir die gerne nehmen", so der Produktionsleiter. In letzter Zeit hätten ja einige vogtländische Politiker das Werk besucht und Hilfe angeboten, darauf komme man in diesem Fall gern zurück.

Falls sich Unilever am Ende tatsächlich für den Einsatz des Elektro-Lkw entscheidet, wäre das Unternehmen damit nicht nur in der eigenen Branche ein Vorreiter. Bisher seien seines Wissens solche Lkw auf öffentlichen Straßen nur für BMW in München sowie für Porsche in Leipzig unterwegs, meinte gestern beim Vor-Ort-Termin Wolfram Fritz, Chef der gleichnamigen Spedition aus Heilbronn.

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