Welche Kommunen Pendler anziehen - und welche nicht

Verhältnismäßig wenige Beschäftigte arbeiten im Heimatort. Nicht nur Jobs in Chemnitz sind beliebt - auch einige kleinere Kommunen locken erfolgreich Arbeitnehmer an.

Limbach-O./Hartmannsdorf.

Zu Fuß oder per Fahrrad in nur wenigen Minuten zur Arbeit gelangen, nicht im Stau stehen und so mehr Zeit für Familien und Hobbys haben - das wäre wohl für viele Beschäftigte der Idealzustand. Doch die Realität sieht meist anders aus. Pendler bestimmen morgens und nachmittags in das Bild, egal ob sie das Auto oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Die Region Chemnitz bildet da keine Ausnahme. Die "Freie Presse" hat sich vom Statistischen Landesamt Zahlen zum Pendlerverhalten geben lassen und analysiert. Die aktuellsten Daten, die verfügbar sind, stammen aus dem Jahr 2017 und berücksichtigen die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, nicht aber Selbstständige oder Beamte.

Landkreis Zwickau: Der Stadtrand von Limbach-Oberfrohna ist durch Gewerbegebiete geprägt. Allein bei den drei größten Unternehmen - dem Automobilzulieferer Continental, dem Sonnenschutzherstelle Warema und dem Sondermaschinenbauer USK - arbeiten insgesamt etwa 2200 Personen. Trotzdem könnte die Stadt rein rechnerisch nicht allen Interessierten eine Arbeit bieten. Gut 9300 Beschäftigte wohnen in Limbach-Oberfrohna, aber nur etwa 8600 Arbeitsplätze gibt es dort. Von den mehr als 6000 Auspendlern dürften viele das nahe Chemnitz ansteuern. Andere legen deutlich weitere Strecken zurück.

Auch das benachbarte Niederfrohna verzeichnet mehr Aus- als Einpendler. Das überrascht nicht, da im Dorf abgesehen vom Textilveredelungsbetrieb Pro4tex keine größeren Unternehmen ansässig sind. Das wird sich auf absehbare Zeit nicht ändern: Bürgermeistermeister Klaus Kertzscher hat mehrmals betont, dass er Niederfrohna als attraktiven und ruhigen Wohnort betrachtet; Industrie passe nicht zu diesem Konzept. Callenberg und Waldenburg sind ebenfalls mehr Wohn- als Arbeitsstandorte. Hohenstein-Ernstthal hat im Verhältnis zur Einwohnerzahl schon deutlich mehr Arbeitsplätze zu bieten. Für ein positives Pendlersaldo reicht es aber nicht.

Anders sieht es in Glauchau aus. In der Stadt gibt es fast halb so viele Arbeitsplätze wie Einwohner - eine solche Quote erreicht nicht einmal die Großstadt Chemnitz. Zurückzuführen ist das nicht nur auf Gewerbegebiete entlang der A4, sondern auch auf den Standort des Landratsamtes und das Rudolf-Virchow-Klinikum als wichtige Arbeitgeber. Folglich ist das Pendlersaldo positiv.

Landkreis Mittelsachsen: Mit Blick auf das Angebot an Arbeitsplätzen schneidet Mühlau noch besser als Glauchau ab. Die mittelsächsische Kommune bietet gut 1350 Arbeitsplätze - eine bemerkenswerte Zahl angesichts der Tatsache, dass Mühlau nur gut 2000 Einwohner hat. Der Befund ist vor allem auf das gut ausgelastete Gewerbegebiet an der ehemaligen B95 zurückzuführen, wo unter anderem Industrieunternehmen, Logistiker und Entsorgungsfirmen angesiedelt sind.

Eine Ausnahme in vielerlei Hinsicht bildet Hartmannsdorf. Die Kommune wird im Internet-Lexikon Wikipedia als Industriegemeinde bezeichnet - nicht ohne Grund. Mit gut 4100 Arbeitnehmern sind fast so viele Personen beschäftigt, wie dort leben. Von den 4400 Einwohnern gehen reichlich 1500 einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Folglich stünden rein rechnerisch selbst dann noch genug Arbeitsplätze für die einheimische Bevölkerung zur Verfügung, wenn sich die Einwohnerzahl fast verdreifachen würde. Die Kommune verfügt über eine vielseitige Gewerbelandschaft mit Komsa als Schwergewicht. Der Telekommunikations-Dienstleister beschäftigt etwa 1800Mitarbeiter, die allermeisten davon am Standort Hartmannsdorf.

Chemnitz: Dass die Großstadt als Oberzentrum für die ganze Region mehr Ein- als Auspendler aufweist, überrascht nicht. Die Stadtverwaltung, das Klinikum und die Technische Universität beschäftigen jeweils eine vierstellige Anzahl von Mitarbeitern. Hinzu kommen zahlreiche Industrieunternehmen und Dienstleister. Setzt man die Anzahl der Beschäftigten vor Ort in Bezug zur Einwohnerzahl, stehen aber Hartmannsdorf, Mühlau und Glauchau besser da als Chemnitz.

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