Wolfram-Mine Pöhla: Neue Technik für ehrgeiziges Ziel

Seit Ende 2016 laufen die Arbeiten für ein neues Bergwerk nahe Schwarzenberg. 2019 soll der Abbau der Bodenschätze beginnen. Ist das noch zu schaffen?

Pöhla.

Das Berggeschrei war groß, als am 4. Dezember 2016 die Saxony Minerals and Exploration AG (SME) aus Halsbrücke in Mittelsachsen mit dem Freimachen eines Baufeldes für einen Erkundungsschacht begann. Seither liefen die Arbeiten im Luchsbachtal bei Pöhla, einem Ortsteil von Schwarzenberg, unweit alter Zinnstollen ohne große Öffentlichkeit. In den vergangenen Wochen herrschte gar Winterruhe. Wie das Unternehmen am Montag mitteilte, wird nun der Vortrieb des Schachtes wieder aufgenommen. 52 Meter sind bisher geschafft - deutlich weniger als ursprünglich geplant. 120 Meter liegen noch vor den Bergleuten, bis die Wolfram- und Fluorid-Lagerstätte erreicht ist.

Um beim Vortrieb schneller als bisher voranzukommen, wurde neue Technik angeschafft: ein neuer Greifer samt stärkerer Winde, der 240 Kilogramm Gestein und damit 200 Kilo mehr als der alte aufnehmen kann. Zudem wurden neue Rohrleitungen in dem Schacht verlegt: für Druckluft, Spritzbeton, Brauchwasser und Abwasser.

"Nach jeder Sprengung und dem Fördern des Gesteins mit dem Greifer kleiden wir die Schachtwände mit Baustahlmatten aus, die dann mit Spritzbeton verstärkt werden", berichtet Klaus Grund, Mitglied des SME-Vorstandes. "Da benötigen wir zahlreiche Rohrleitungen, etwa für den Spritzbeton und das Wasser, aber auch für die Druckluft, die zum Bohren der Sprengbohrlöcher benötigt wird. Zusätzlich muss ständig Grundwasser abgepumpt werden."

Für Verzögerungen gesorgt habe im Schacht ein nicht vermuteter Wasserzufluss in etwa 16 Meter Tiefe. Zwei Kubikmeter pro Stunde laufen neben dem eigentlichen Grundwasser zu. Untersuchungen hätten ergeben, dass dieses Wasser Trinkwasserqualität habe, so Grund. SME hat aus der Not das Beste gemacht: Das Wasser wird sowohl zum Betonieren als auch im Sanitärcontainer der Bergleute für Duschen, Toiletten und Waschbecken genutzt.

Gearbeitet wird in Pöhla im Drei-Schicht-Betrieb mit derzeit 16 Mitarbeitern. Im Erkundungsschacht selbst sind nur zwei Bergleute zu Gange, die nur während der Sprengarbeiten pausieren. Ein Bergmann bedient den Greifer, der andere kümmert sich darum, dass das Gestein per Kübel über Tage transportiert wird. Bohren, Sprengen, Fördern, Bewehren und Auskleiden mit Spritzbeton wechseln sich ständig ab. Einmal die Woche werden Spritzbeton und Sprengstoff nachgeliefert.

In dem ehemaligen Abbaugebiet der Wismut waren zwischen 1984 und 1988 bereits mehr als 8000 Tonnen Wolframerz und rund 4100 Tonnen Zinnerz gefördert worden. Die SME AG will in Pöhla nun drei Erzfelder erschließen. Es handelt sich um eine polymetallische Lagerstätte mit Wolfram-, Fluorid-, Zinn- und Zinkvorkommen. Im ersten Schritt wird die SME Wolfram und Fluorid abbauen. Der Erkundungsschacht bildet den Auftakt des Projektes. 2000 bis 3000 Tonnen Wolframerz sollen zunächst gefördert, chemisch-mineralogisch ausgewertet und dann in Mittweida in einer Pilotanlage aufbereitet werden. Ihr Betrieb ist auf zwölf Monate befristet. Danach werde über das sinnvollste und umweltverträglichste Aufbereitungsverfahren entschieden, sagte Unternehmenssprecher Stephan Trutschler. In jedem Fall werde die Aufbereitung direkt vor Ort, also in Pöhla erfolgen.

Die eigentliche Bergbautätigkeit soll nach Unternehmensangaben in der zweiten Hälfte des Jahres 2019 beginnen und sich über 40 bis 50 Jahre erstrecken - dann mit über 120 Bergleuten. Der jetzt angelegte Erkundungsschacht von drei Metern Durchmesser soll dann zur Bewetterung, also Belüftung der Grube, dienen. Das Erz selbst soll nicht über einen Schacht, sondern über eine Rampe per Lkw aus der 170 Meter tiefen Lagerstätte nach oben gebracht werden.

Im Herbst 2014 hatte SME mit Probebohrungen begonnen, um die bereits aus Wismut-Zeiten bekannten Erzvorkommen der Zinn-Wolfram-Lagerstätte zu bestätigen. Nach Angaben des Unternehmens lagern in dem rund 408 Hektar großen Abbaugebiet rund 18.000 Tonnen Wolfram, etwa 30.000 Tonnen Zinn und etwa 250 Tonnen Indium.

Bereits im Jahr 2015 war in Niederschlag bei Bärenstein erstmals nach der Wende ein neues Bergwerk im Erzgebirge in Betrieb gegangen. Dort wird seither Flussspat abgebaut und in einer ersten Stufe unter Tage grob aufbereitet. Die endgültige Aufbereitung erfolgt in der Nickelhütte in Aue. Auch in Niederschlag wird der Flussspat über eine Rampe nach über Tage transportiert.

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