Abschied vom intensiven Ehrenamt

Lutz Weber vom SV Rotation geht mit 75 in Trainer-Rente. Viele Jahre hat er den Handball in Weißenborn geprägt.

Weißenborn.

Bei den Handballern des SV Rotation Weißenborn stellen die Verantwortlichen derzeit die Weichen für die neue Saison. Während aufgrund der Corona-Krise dabei noch viele Fragen offen sind, steht eine Personalie fest: Lutz Weber, der sich als Übungsleiter, aber auch als Schiedsrichter einen Namen gemacht hat, hängt sein Traineramt mit 75 Jahren an den Nagel.

Wäre es nach den Eltern gegangen, hätte Weber ohnehin nie einen Handball angefasst. Irgendwann ging der Junge in seinem Heimatort Freiberg zum Training, Vater und Mutter waren alles andere als begeistert. Doch Lutz Weber fand Gefallen an diesem Mannschaftssport und mischte bei Einheit Freiberg auf dem Großfeld mit. Nach der Schule erlernte er den Beruf eines Sanitärinstallateurs und landete nach seinem Armeedienst bei der BSG Rotation Weißenborn. Für die Betriebssportgemeinschaft lief Lutz Weber auf dem Großfeld und in der Halle auf, doch im Alter von nur 25 Jahren war Schluss: Eine schwere Knieverletzung bedeutete das Aus als Spieler.

Weber blieb dem Handball und Weißenborn aber zum Glück erhalten. Er trainierte zeitweise mehrere Mannschaften gleichzeitig, legte die Prüfung als Schiedsrichter ab und engagierte sich auf Kreisebene auch als Funktionär. Dass er die Übungsleitertätigkeit sehr ernst nahm und ihr Vieles unterordnete, beweist eine Anekdote aus dem Jahr 1976. Damals wurde sein Sohn Thomas eingeschult. Doch am Tag des Schulanfangs hatte Lutz Weber für seine Frauenmannschaft ein Vorbereitungsturnier für die bevorstehende Bezirksliga-Saison angesetzt - und den Schulanfang vergessen. Zusätzliche Würze bekam diese Terminplanung, da seine Ehefrau Doris Teil der Mannschaft war. "Zur offiziellen Feier waren meine Eltern noch dabei. Die anschließende private Feier fand dann aber bei Verwandten statt, während die Eltern zum Handball gingen", erinnert sich Sohn Thomas.

Die Webers steckten diese Situation aber offenbar gut weg. Denn das Ehepaar hat seine Goldene Hochzeit längst hinter sich, Sohn Thomas und Tochter Kerstin wurden ebenfalls Handballer. Nach der Wende starteten Lutz und Thomas auch als Schiedsrichterduo durch. Beide pfiffen bis 1999 sogar Sachsenliga.

Selbst beruflich kam Weber zumindest indirekt beim Handball an. Der frühere Betriebshandwerker landete 2004 in der neuen Weißenborner Sporthalle als Hallenwart. Diesen Job erledigte er schließlich bis zum Rentenalter.

Nach seinem größten Erfolg als Übungsleiter gefragt, hat der gebürtige Freiberger sofort eine Antwort parat. "Ich wurde mit Weißenborn nach der Wende der allererste Sachsenpokalsieger. Das war ein absoluter Höhepunkt", so der 75-Jährige. In seiner letzten Saison als Coach lieferte der Ehrenamtler noch einmal richtig ab: Seine Mädels der weiblichen C-Jugend wurden in der Bezirksliga 2019/20 mit der Bilanz von 20:4 Punkten und 363:171 Toren Vizemeister. Die Corona-Krise sorgte aber dafür, dass sich Lutz Weber abrupt zurückziehen musste.

"Fest steht für mich, dass ich als Trainer aufhöre. Aber als Zuschauer werde ich auf jeden Fall weiterhin in der Sporthalle anzutreffen sein", sagt der Handball-Experte. Und nun habe er auch endlich mehr Zeit, sich um sein Grundstück in Reitzenhain zu kümmern. "Dort habe ich schon zu DDR-Zeiten ein ehemaliges Bahnwärterhaus mit Grundstück erworben", erzählt Lutz Weber. "Das alles in Ordnung zu halten, macht eine Menge Arbeit - aber auch sehr viel Spaß."

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