Als die Aussteuer der Braut zum Bräutigam überführt wurde

Auflösung Fotorätsel 1258: Den hochbeladenen Leiterwagen mit allerlei Hausrat nennt man Kammerwagen.

Landwüst.

Die Zeremonien bei einer Heirat haben sich gewandelt, viele junge Leute heiraten heute gar nicht mehr und leben auch ohne "Schein" glücklich in einer gemeinsamen Wohnung. Früher undenkbar. Heute wiederum ist es undenkbar, wie früher auf dem Dorf eine Hochzeit eingeleitet wurde. Da hatte die Braut eine sogenannte "Aussteuer" mit in die zukünftige Ehe zu bringen und je üppiger die Ausstattung war, umso angesehener war die Familie der Braut. In der Stadt gab es das auch, jedoch in anderen Dimensionen als auf dem Dorf. Meine Mutter war im hohen Alter noch stolz darauf, dass sie Hand-, Wisch-, Tischtücher und andere Wäsche mit ihrem eingestickten Monogramm mit in die Ehe gebracht hatte.

Auf dem Land unter den Bauern hatte die "Aussteuer" früher andere Ausmaße. Im Vogtländischen Freilichtmuseum in Landwüst steht ein so genannter "Kammerwagen", damit wurde hochbeladen das Hochzeitsgut der Braut in das Haus des Bräutigams überführt. Es waren Gegenstände des Hausgebrauchs, Schrank, Bett, Wiege, Geschirr und Wäsche, also vorwiegend Dinge, die in der Ehe der Frau zukamen. Auch das Butterfass war dabei, denn das Buttern gehörte in den Arbeitsbereich der Frau. Das Beladen dieses Leiterwagens wurde sorgfältig bedacht, damit er auch Eindruck auf den zukünftigen Mann und dessen Familie macht. Selbst die Beschläge auf der Deichsel des Wagens waren oft kunstvoll verziert. Gezogen wurde dieser Leiterwagen meist von einem Ochsen und oft folgte auch eine Kuh als Mitgabe.

Dieser Kammerwagen, der heute in einer Scheune zur Besichtigung im Museum in Landwüst steht, wurde noch vom Gründer Walter Wunderlich in den 1960er-Jahren als Fuhre zusammengestellt und ist auch im Wesentlichen so geblieben. Er kann keiner bestimmten Familie im Vogtland zugeordnet werden, wie der frühere Museumsdirektor Benno Kolbe auf Anfrage mitteilte. Der Kammerwagen könnte nach der Schlaf-Kammer benannt worden sein, die sich die zukünftigen Eheleute mit diesem Hochzeitsgut gemeinsam einrichten würden. Der Ausdruck "Kammerwagen" steht aber auch für völlig Anderes: Ein Granitfels im tschechischen Erzgebirge und eine Felsgruppe im Waldnaab-Tal heißen auch so.

Gewonnen hat Veronika Hommel aus Limbach. Sie bekommt einen Regenschirm.

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