Amateurtruppe Spielbrett lässt sich vom Wetter nicht bremsen

Theater in Augustusburg: Die Darsteller der Amateurtruppe Spielbrett ließen sich am Sonntag vom Wetter nicht bremsen. Das Publikum im Kurpark war begeistert.

Augustusburg.

Da sind wir wieder! Unter diesem Motto hat das Amateurtheater Spielbrett am gestrigen Sonntagnachmittag die Waldbühne in Augustusburg erobert. Mit "Schneewittchen und die Zwerge" stellten die Dresdner ihre pfiffige Version des Märchenklassikers vor. Dabei hatten die Schauspieler in den zurückliegenden Wochen durchaus etwas mit dem Schicksal der zum Verstecken verbannten Märchenprinzessin gemein: Im realen Leben war die Theatertruppe zum Stillhalten verdonnert.

Keine Proben, kein Publikum. Umso mehr freuten sich die Schauspieler, endlich wieder ihrer Leidenschaft frönen zu dürfen. Von Regenschauern ließen sich weder sie noch die aufmerksamen Gastgeber vom Ortschaftsrat samt Kulturverein abschrecken. "Wir sind ausgehungert nach einem Live-Erlebnis. Nicht alles lässt sich in die digitale Welt verlegen und vor einem Monitor verfolgen", sagte Heidrun Weber. Sie gehörte zu den unentwegten Organisatoren, die mit Handtüchern und Kunststoffbahnen ausgerüstet, gegen die Nässe ankämpften und die Sitzflächen für ein gut 40 Personen zählendes Publikum vorbereiteten. Die Infektionsschutzregularien beachtend, waren die Bänke verschoben worden, es stand Desinfektionsmittel bereit.

"Eigentlich wollten wir im Mai unsere neue Inszenierung des Aschenputtel-Themas auf die Bühne bringen, doch der Virus hat die Premiere verhindert, ja sogar unsere diesjährige Sommertournee ins Wasser fallen lassen. Auch drei geplante Theaterfestivals sind abgesagt", sagte Dorothee Ebert-Bientz, die Gastspielkoordinatorin der Truppe. "Aber Anfragen der Veranstalter gibt es. So haben wir uns entschieden, auch die eigentlich abgesetzte Schneewittchen-Inszenierung noch einmal aufzufrischen. Mit diesem und zwei anderen Programmen gehen wir nun auf Reisen. Dabei ist es für unser Ensemble heute eine gewisse Premiere, denn die Hauptrollen sind neu besetzt." Einstellen musste man sich auch auf das Hygienekonzept. "Szenen wurden umgeschrieben. Den Ablauf haben wir unter dem Gesichtspunkt des Abstandhaltens organisiert. Das geht beispielsweise bei der Maske los, jeder übernimmt dies selbst. Und Anfassen ist auf der Bühne ebensowenig angesagt", sagte die Koordinatorin.

Für die Dresdner erweist sich die Waldbühne längst als eine Art zweite Heimstätte. Regelmäßig spielen sie einmal im Sommer im Villenviertel, überzeugten vor allem mit ihren Shakespeare-Beiträgen. "Es ist die zehnte Aufführung auf der Waldbühne", sagte Cheforganisator Gottfried Jubelt. Er hatte 2009 den Kontakt geknüpft. Die Gäste wurden umsorgt: Selbst unter diesen misslichen Bedingungen wurden Kaffee zum Aufwärmen, aber auch Eis serviert.

Die Spielkost begeisterte Zuschauer vom ersten Dialog an. Von wegen verstaubtes Märchen zum Sonntagnachmittag. Da wird von den Handelnden zeitgemäß szenisch viel Dampf gemacht, wird der ins Villenviertel verlagerte Zauberwald aufgemischt. Die jüngsten im Auditorium erwiesen sich als Ratgeber und Mahner gleichermaßen, agierten zur Freude der Bühnenakteure tatkräftig mit. Neustart gelungen. Jetzt gilt es am kommenden Sonntag für die Augustusburger Gastgeber, das Altstadtkunstfest zu stemmen.

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