Auf den Einkaufsbummel wollen auch Ältere nicht verzichten

Die meisten Besucher des Rochlitzer Wochenmarkts empfinden die Corona-Krise zwar als beängstigend, wollen aber die Ruhe bewahren. Sorgen machen sie sich eher um ihre Kinder und Enkel.

Rochlitz.

Wie jeden Dienstag ist in Rochlitz Wochenmarkt und wie jeden Dienstag sind es vorwiegend ältere Bürger, die sich mit Wurst- und Fischwaren eindecken, Pflanzen mit nach Hause nehmen oder auch Bekleidung und Taschen kaufen. Auch in Zeiten der Corona-Krise lassen sie sich nicht von einem Bummel und einem Gespräch mit Bekannten, die sie auf dem Markt treffen, abhalten. Dass dabei der empfohlene Abstand von anderthalb bis zwei Metern eingehalten wird, ist nicht zu beobachten. Trotzdem gehen die Senioren, wie Nachfragen der "Freien Presse" ergaben, zwar recht gefasst aber auch achtsam mit der Situation um.

"Man muss es nehmen, wie es kommt, wir können es ja nicht ändern. Hauptsache ist, die Ruhe zu bewahren", sagt Regina Müller. Die 73-jährige aus Rochsburg fühlt sich momentan kaum beeinträchtigt und freut sich, dass der Markt in Rochlitz, den sie regelmäßig besuche, stattfindet. "Aber wer jetzt zum Beispiel in den Urlaub fahren möchte, den trifft es schon hart." Ihre Enkel hätten das im Mai vor. Sie hält ihnen die Daumen, dass es klappt.

Ein wenig beängstigend findet Regina Sawinsky (72) aus Penig die Ruhe. "Es findet nichts mehr statt, keine Veranstaltungen, kein Sport, die Schulen sind zu. Und man weiß nicht, wie es weitergeht, denn so eine Situation gab es ja noch nicht", sagt sie. Aber sie lasse sich nicht verrückt machen. Hamsterkäufe kämen ebenso wenig für sie infrage. Ihr Mann Peter (74) nickt bestätigend.

Eine Rochlitzerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, ist optimistisch. "Das wird schon. Jedenfalls drehe ich nicht am Rad, wie manche andere, lebe so normal wie möglich weiter", meint sie. Natürlich wolle sie vorsichtig sein, Menschenansammlungen meiden und sich an das halten, was vorgegeben wird. "Hygiene ist für mich Alltag, aber ich wasche mir nun noch öfter die Hände."

Roland Kubb aus Rochlitz gehört zu den Menschen mit Vorbelastung. Er sei Diabetiker, sagt der 75-Jährige. Deshalb meide er Kontakte.

Birgit Blum aus Hartmannsdorf treiben andere Sorgen um. Sie hat einen Stand, an dem sie Damen- und Herrenunterwäsche, Waschlappen und Handtücher und jetzt auch beispielsweise Ostertischdecken oder -läufer anbietet. "Ostern interessiert aber im Moment keinen", so die 56-Jährige. Sie arbeite mit Handschuhen und habe auch Desinfektionsspray dabei. Seit 18 Jahren sei sie mit ihrem Angebot in der Region unterwegs. "Ich hoffe, ich kann mit meinem Stand noch lange dabei sein", sagt sie. Angst, zu Hause zu bleiben, habe sie vor allem, weil sie befürchtet, sie könnte ihre im Rollstuhl sitzende Tochter daheim anstecken.

Ob sie am kommenden Dienstag wieder auf dem Wochenmarkt ihre Waren feil bieten kann, ist fraglich. Der Rochlitzer Oberbürgermeister Frank Dehne (parteilos) verweist auf einen konkreten Erlass vom Land. Nach jetzigem Stand werde der Wochenmarkt weiter stattfinden. Aber ob alle Händler dabei sind, richte sich danach, welche Geschäfte mit welchem Angebot in der Stadt schließen oder Einschränkungen hinnehmen müssen. "Es wäre dann unfair, wenn Waren auf dem Markt angeboten werden, die Läden, die diese auch anbieten, aber dicht machen müssen", sagt er.


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