Aufmärsche rechter Parteien stoßen auf breiten Protest

Der uniformierte Aufmarsch einer rechtsextremen Partei in Plauen ist auf deutlichen Widerstand gestoßen. In Chemnitz ging ein breites Bündnis gegen Rassismus auf die Straße. Und in Zwickau sorgte eine Rockband für den Teilnehmerrekord zum 1. Mai.

Chemnitz/Plauen/Zwickau.

Zum 1. Mai ist es in Sachsen weitgehend friedlich geblieben, auch wenn die gesellschaftlichen Konflikte die Veranstaltungen zum Feiertag bestimmten. In Dresden und Plauen versuchten Gegendemonstranten, Veranstaltungen der NPD und des Dritten Weges durch Blockaden zu behindern. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz, um die Versammlungen abzusichern. Zeitweise war die Stimmung angespannt, größere Zusammenstöße gab es aber nicht.

In Chemnitz folgten zahlreiche Menschen einem Aufruf des parteiübergreifenden Bündnisses "Aufstehen gegen Rassismus". Vom Karl-Marx-Kopf aus zogen die Teilnehmer am Mittwochvormittag durch die Innenstadt zum Neumarkt. Dort startete parallel die Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zum Tag der Arbeit. An der gemeinsamen Kundgebung der beiden Gruppen nahmen laut Polizei "in der Spitze rund 2300 Personen teil". Zudem gab es lautstarken Protest gegen die Eröffnung eines Bürgerbüros der in Teilen rechtsextremen Bewegung Pro Chemnitz. Die Veranstaltungen von Pro Chemnitz zählten etwa 120 Teilnehmer. Zu einer Kundgebung der AfD mit Bundestagsfraktionsvize Beatrix von Storch kamen 250 Menschen.

In Plauen, wo Der Dritte Weg 200 Demonstranten angemeldet hatte, zog die Polizei 1300 Beamte zusammen. Auch die sächsische Reiterstaffel war im Einsatz, um die Lager auf Abstand zu halten. Etwa drei Dutzend der zahlreichen Gegendemonstranten blockierten vorübergehend die Aufmarschstrecke der rechtsextremen Kleinpartei. Polizei und Versammlungsbehörde sprachen von mehreren hundert Teilnehmern auf beiden Seiten.

Für Diskussionen sorgte das martialische Erscheinungsbild des Dritten Weges mit gleichfarbigen T-Shirts, Trommeln und Fackeln. Laut Polizei hat die Versammlungsbehörde - in dem Fall der Vogtlandkreis - das "Abbrennen von Signalfackeln am Anfang und Ende der Versammlung erlaubt". Zur Uniformierung heißt es im sächsischen Versammlungsgesetz unter anderem, es sei verboten, "öffentlich oder in einer Versammlung Uniformen, Uniformteile oder gleichartige Kleidungsstücke als Ausdruck einer gemeinsamen politischen Gesinnung zu tragen", wenn dies auf Außenstehende einschüchternd wirken könne.

Zur zentralen Kundgebung des DGB in Leipzig kamen etwa 1500 Teilnehmer. DGB-Chef Reiner Hoffmann rief zur Schaffung gleicher Lebensverhältnisse in Ost und West auf. Bis heute sei das Politik und Unternehmen nicht gelungen - und es sei überfällig. Beifall bekam er für seine Forderung nach einer 35-Stunden-Woche und einer schnelleren Angleichung der Renten in Ost und West. Der Gewerkschaftschef forderte zudem einen Pakt für Ostdeutschland, der mehr öffentliche Investitionen ermöglichen soll.

Den größten Zuspruch fand der DGB jedoch in Zwickau. Dort strömten am Nachmittag mehr als 5500 Menschen auf den Hauptmarkt. Der Gewerkschaftsbund wartete unter anderem mit einem Gratis-Konzert der DDR-Kultband City auf. Wenig Zulauf hatte in der Stadt dagegen eine Versammlung des Ex-AfDlers André Poggenburg. Weniger als 100 Menschen zeigten Interesse für den sogenannten Aufbruch deutscher Patrioten. (dpa/fp)

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6Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 6
    1
    cn3boj00
    03.05.2019

    Es ist gut zu wissen, dass immer noch mehr Menschen zu Veranstaltungen der demokratischen Mitte kommen als zu rechten Hetzkundgebungen, egal ob City oder die Störchin oder Volkstänze aufgeboten werden. Aber beruhigend ist das nicht. Die national-revolutionär-sozialistischen Kräfte proben in Sachsen unter den Augen tatenloser Behörden den Angriff. Wie Kretschmers Bemühungen gegen rechte Netzwerke aussehen hat man am 1.Mai gesehen. Die Blindheit ist schon unerträglich geworden.

  • 2
    5
    Hinterfragt
    03.05.2019

    5. Versuch!
    "...Glauben Sie, das die 5500..."
    @DTRFC2005; wenn Sie mir jetzt die Stelle aufzeigen, wo ich dies behauptet habe?
    Meine Aussage bezog sich ausschließlich auf -mich-.
    Projizieren Sie Ihr Kopfkino nicht auf andere!

  • 6
    5
    DTRFC2005
    02.05.2019

    @Hinterfragt: Dann frage ich mal ganz direkt, damit Sie verstehen, welchen Absurden Verlgleich ich ziehen wollte.Glauben Sie, das die 5500 Leuten wegen dem Citykonzert bei der DGB Veranstaltung waren?

  • 4
    11
    Hinterfragt
    02.05.2019

    @DTRFC2005; Hä, was hat das Konzert von City gestern in Zwickau mit der AfD in Chemnitz zu tun?
    Sie können lesen? Dann lesen Sie meinen Beitrag nochmals evtl. ganz langsam.

  • 8
    9
    DTRFC2005
    02.05.2019

    @Hinterfragt: Bei der AFD Versanstaltung mit AFD Politikern in Chemnitz hätte ich mit mindestens 48 000 Leuten gerechnet ( berechnet auf ca. 200 000 wahlberechtigte Chemnitzer die 2017 24 Prozent zustande brachten). Wo waren die denn alle?

  • 9
    11
    Hinterfragt
    02.05.2019

    "...Den größten Zuspruch fand der DGB jedoch in Zwickau. Dort strömten am Nachmittag mehr als 5500 Menschen auf den Hauptmarkt. Der Gewerkschaftsbund wartete unter anderem mit einem Gratis-Konzert der DDR-Kultband City auf...."

    Nun ich sag''s mal ganz ehrlich:
    Wenn ich in Zwickau gewesen wäre, dann hätte mich da das Konzert von City auch auf den Hauptmarkt gezogen, der DGB wäre mir dabei mehrere Kilometer weit am ... .



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