Auszubildende übernehmen erstmals den Stationsbetrieb

Für zwei Wochen hat ein Schülerteam im Mittweidaer Krankenhaus die Verantwortung für 30 Patienten übernommen. Eine Bilanz des Projekts lässt eine Neuauflage im kommenden Jahr erwarten.

Mittweida.

Der praktische Part der dreijährigen Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin beinhaltet schon viele Arbeiten, die den Berufsalltag nach erfolgreicher Prüfung bestimmen. Doch was die 20 Auszubildenden verschiedener Lehrjahre des Mittweidaer Krankenhauses in den vergangenen zwei Wochen geleistet haben, geht weit darüber hinaus. So haben sie den kompletten Stationsalltag organisiert, vom Dienstplan und Organisation bis zu den täglichen Aufgaben wie Pflegemaßnahmen, Umsetzung der ärztlichen Anordnungen, Visite, Dokumentation. Am Mittwoch endete das Projekt "Azubis übernehmen eine Station" - das erste seiner Art an dem Klinikum.

Ein erstes Fazit hat Praxisanleiterin Janet Ranga bereits gezogen: "Das Projekt sollte weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung bleiben." Im kommenden Jahr solle es aber früher starten und so als spezielle Vorbereitung auf die praktischen Prüfungen dienen.

Wichtig sei den Beteiligten auch die Reaktion der bis zu 30 Patienten auf der internistischen und palliativen Station gewesen. In den Rückläufen der Patientenfragebögen fanden sich Aussagen wie: "Ich habe mich gut aufgehoben gefühlt" und "Ich bin angenehm überrascht, mit welcher Freude und Engagement die jungen Leute hier arbeiten".

Und auch die Auszubildenden haben eine positive Bilanz für das Projekt gezogen. "Wir sind alle gewachsen an den Aufgaben und haben mehr Einblick in den Alltag des Pflegeberufs erhalten", erklärte Celina Nothhaas, welche bereits im zweiten Ausbildungsjahr am Krankenhaus Mittweida arbeitet. Lena Scheerenberger gehört hingegen zu den Schülerinnen des ersten Ausbildungsjahres. Sie fand im Projekt auch eine Bestätigung für ihre Berufswahl. "Wir stehen noch am Anfang der Ausbildung, aber wissen jetzt besser, was auf uns zukommt", sagte sie. Für Alina Lohse zählte der tägliche und intensive Umgang mit Palliativ-Patienten - also Menschen, die im Sterben liegen - zu den Besonderheiten dieses Projekts. Doch auch unter den Azubis habe sich ein neues Verhältnis entwickelt: "Man lernt sich unter den Schülern besser kennen. Auch wenn es darum geht, bei den Diensten einzuspringen, zum Beispiel wenn mal jemand durch Krankheit ausfällt", so die 19-Jährige.

Eine solch komplexe Organisation des Arbeitsalltags auf Station zählt zu den Besonderheiten in dem Projekt, wie Praxisanleiterin Janet Ranga erklärte. Normalerweise bekommen Azubis ganz konkrete einzelne Arbeitsaufgaben übertragen, aber hier müssten sie quasi alle Tätigkeiten übernehmen - weitgehend unter Aufsicht von examinierten Schwestern. Bestimmte Tätigkeiten wie Infusion dürfen Pflegekräfte erst übernehmen, wenn sie ein Examen in der Tasche haben. Doch ein wesentliches Ziel habe man bei dem Projekt vor Augen gehabt: "Wir wollen den Auszubildenden den späteren Arbeitsalltag in seiner gesamten Vielfalt näher bringen und ihnen die Möglichkeit geben, selbstständig zu denken und zu arbeiten", so Janet Ranga. Die Auszubildenden konnten während des Projektes ihr bisher gelerntes Wissen umfassend anwenden und praktische Erfahrungen sammeln.

Und das ist nicht das einzige praxisorientierte Projekt im Mittweidaer Krankenhaus. Mit dem Projekt "Care4Future" wolle man gemeinsam mit weiteren Einrichtungen Schülerinnen und Schüler für den Pflegeberuf begeistern.

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